Kuvert mit sechs österreichischen Nachkriegsmarken, beschnitten, Format 120 x 193 mm. Dokumentiert ein faszinierendes Stück österreichischer Pharma- und Postgeschichte aus der Nachkriegszeit um das Jahr 1950. 

Der Absenderstempel verweist auf Dipl.-Ing. Emil Bertalanffy und seine Arzneimittelfabrik in Unterach am Attersee, woraus sich auch das links oben aufgedruckte Firmenkürzel „Ebewe“ ableitet. Emil von Bertalanffy hatte das Unternehmen ursprünglich 1934 in Wien gegründet und später nach Oberösterreich verlegt. Heute existiert der traditionsreiche Standort nach mehreren Übernahmen in Form der Nachfolgeunternehmen Sandoz und EVER Pharma immer noch. Der Brief ist an die „Birleşik Alman İlaç Fabrikaları“ (Vereinigte Deutsche Arzneimittelfabriken) in Istanbul adressiert. Bei diesem Empfänger handelte es sich um ein bedeutendes Konsortium in der Türkei, in dem namhafte deutsche Pharmakonzerne wie Bayer, Schering und Knoll ihre Produktion und den Vertrieb für den dortigen Markt bündelten. Da es sich laut Aufdruck um „Dringende Arzneiware“ handelte, wurde das Schriftstück auf dem schnellstmöglichen Weg transportiert. Nach der Aufgabe im Salzkammergut gelangte der Umschlag vermutlich per Bahnexpress nach Wien und wurde vom Flughafen Schwechat mit einer der damaligen Linienverbindungen in den Orient zum Flughafen Istanbul-Yeşilköy geflogen. Für diesen internationalen Warenversand war auch der Zollaufkleber auf der rechten Seite zwingend erforderlich. Die Frankatur besteht aus einer Mischung verschiedener österreichischer Nachkriegsmarken, darunter drei Werte der berühmten Trachtenserie, die Frauen in oberösterreichischer Festtracht zeigen, sowie Motiven aus der Landschaftsserie. Interessanter Beleg für Postgeschichtssammler. Bedarfsbrief mit der seltenen Kombination aus Pharma-Zusatzstempeln, Zollzettel und internationaler Flugpostroute.