Dieses historische Propagandaflugblatt wurde im Mai oder Juni 1919 während der heftigen Protestwochen gegen den Versailler Vertrag gedruckt und warnt das deutsche Volk in dramatischem Ton vor einem alliierten Friedensdiktat. Unter der Überschrift „Es brennt!“ wendet sich der Text gezielt an Arbeiter, Bauern, Kaufleute sowie an Männer und Frauen, um ihnen existenzbedrohende Folgen wie Massenarbeitslosigkeit, Hungersnöte durch den Verlust von Elsaß-Lothringen und den dortigen Rohstoffen sowie Zwangsarbeit in Belgien und Frankreich vor Augen zu führen. Herausgegeben wurde die Schrift von Reinhold W. Schulze in Dresden und gedruckt von der dortigen Lehmannschen Buchdruckerei, mit dem klaren Ziel, die Bevölkerung zum Widerstand gegen die Unterzeichnung der Friedensbedingungen aufzurufen.
Da solche flugblattbasierten Protestschriften als ephemere Alltagsobjekte für den schnellen Massenumlauf konzipiert, nach der Vertragsunterzeichnung wertlos und folglich kaum archiviert wurden, besitzt dieses Exemplar heute große Seltenheit und stellt ein rares, museales Zeugnis der instabilen Weimarer Frühphase dar.
Reinhold W. Schulze war ein Dresdner Buchdruckereibesitzer, Verleger und Mitinhaber der Lehmannschen Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Max Lehmann baute er den Betrieb in Dresden-N. 6 aus. Die Druckerei war unter anderem auf kaufmännische Handbücher, behördliche Schriften (wie für den Verlag der Polizeischule) sowie auf den Druck von Liederbüchern und Vereinsschriften spezialisiert. In der politisch turbulenten Phase nach dem Ersten Weltkrieg trat Schulze im Mai/Juni 1919 zusätzlich als verantwortlicher Redakteur und politischer Akteur in Erscheinung. In Zusammenarbeit mit national-konservativen Kreisen wie dem Unabhängigen Ausschuß für einen deutschen Frieden nutzte er seine verlegerische Infrastruktur, um die massive Druckpropaganda gegen den Versailler Vertrag aktiv mitzugestalten und im sächsischen Raum zu verbreiten.
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