Der Landvogt Joseph Anton Stadler wird in Schwyz enthauptet. Original-Kupferstich aus dem Imhofschen "Bildersaal", Nürnberg 1740. Bildformat 55 x 82 mm auf einem Blatt 180 x 119 mm mit beschreibendem Text.
Joseph Anton Stadler (1661–1708) war ein einflussreicher Schweizer Politiker und Oppositionsführer im Kanton Schwyz. Der Sohn eines Ratsherrn trat 1678 zunächst als Novize in das Kloster St. Gallen ein, verlor dort jedoch später seine Anstellung als Lehenvogt, nachdem er in eine Entführungsgeschichte verwickelt war. Zurück in seiner Heimat übernahm er das Wirtshaus seines Vaters und stieg schnell in die Politik auf. 1689 wurde er Schwyzer Ratsherr und 1694 zum Landvogt im damals schwyzerisch verwalteten Uznach gewählt, wo er mehrere Hexenprozesse vorantrieb. Später setzte er sich maßgeblich für den Bau einer neuen Kirche in seinem Geburtsort Rothenthurm ein. Aufgrund seiner Rolle als zentrale Figur bei schweren politischen Konflikten und Unruhen im Kanton Schwyz wurde Stadler schließlich verurteilt und im September 1708 in Schwyz hingerichtet.
Fabian Brandle beleuchtet in seinem Werk „Demokratie und Charisma“ den historischen Hintergrund und die Nachwirkung des Falls um Joseph Anton Stadler sowie vergleichbare Landsgemeindekonflikte des 18. Jahrhunderts in Appenzell, Zug und Schwyz.
Nach seiner Hinrichtung im Jahr 1708 entwickelte sich Stadlers Grab zu einer Pilgerstätte, und er wurde in der populären Erinnerung als Märtyrer der Freiheit wahrgenommen. Stadler hatte als wendiger Redner, Wirt und scharfer Kritiker der herrschenden Zustände einflussreiche politische Programme entworfen, sich jedoch letztlich gegen die etablierten Machtstrukturen und Soldunternehmer überschätzt.