Vertreibung der Deferegger Protestanten 1684. Zeitgenössischer Original-Kupferstich aus dem Imhofschen "Bildersaal", Nürnberg 1705. Bildformat 53 x 79 mm auf einem Blatt (177 x 112 mm) mit beschreibendem Text.
Das Jahr 1684 markiert mit der Vertreibung der Deferegger Protestanten das dunkelste Kapitel der Talgeschichte. Weil sich fast die Hälfte der Bevölkerung im Verborgenen dem lutherischen Glauben zugewandt hatte, griff der Salzburger Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg im Zuge der Gegenreformation hart durch. Im Dezember 1684 erließ er ein Dekret, das alle Protestanten zwang, das Land mitten im Winter innerhalb weniger Wochen zu verlassen, sofern sie nicht zum Katholizismus konvertierten.
Die Vertreibung war von extremer Grausamkeit geprägt: Alle Kinder unter 15 Jahren mussten im Tal zurückbleiben. Insgesamt 289 Kinder wurden ihren Eltern entrissen, um in katholischen Pflegefamilien umgezogen zu werden. Mehr als 600 Menschen verloren ihre Heimat und mussten ihre Besitztümer weit unter Wert verkaufen. Die Geflüchteten zogen nach Süddeutschland, wo sie unter anderem die junge Stadt Freudenstadt im Schwarzwald mit aufbauten. Diese Tragödie gilt als Vorläufer der großen Salzburger Emigration von 1731.