Meine Erläuterung zum Entstehen des Buches,
welche sich aus meinen Beobachtungen speist: Robert Hübner und Michael
Dombrowsky waren gut miteinander bekannt, man könnte sagen, befreudet.
Insofern trat Dombrowsky vor einigen Jahren an Hübner heran, um mit ihm ein
Buchprojekt zu besprechen. Michael Dombrowsky bot Robert Hübner an, über ihn
eine ULTIMATIVE Biografie zu verfassen, Partien würden dabei keine Rolle
spielen. Es gehe um die Person Hübner. Dazu bedurfte es der Unterstützung
des promovierten Papyrologen. Robert Hübner zeigte sich bereitwillig und gab
sogar überraschend sein Zustimmung, dass die folgenden Gespräche auf Tonband aufgenommen
werden duften. Der scheue Kölner gab sogar seine Einwilligung als
"Fotomodell" zur Verfügung zu stehen.
Eigens deshalb reiste Dombrowsksy mit einem professionellen Fotografen von
Hamburg nach Köln. An drei Tagen wurden hunderte Aufnahmen erstellt, die
Hübner an seinen Lieblingsorten zeigen. Außergewöhnlich!
Kurz vor Veröffentlichung des Buches bat
Hübner das vorliegende Manuskript zu dessen Lebzeiten nicht zu
veröffentlichen. Zu traurig würde es ihn machen, über seine Kindheit zu
lesen. Aus diesem Grund wurde das Buchprojekt auf Eis gelegt. Im Januar 2025
verstarb Robert Hübner.
Klappentext:
Der Kölner Robert Hübner (1948 ? 2025) war der
erfolgreichste deutsche Schachmeister seit dem Zweiten Weltkrieg, kämpfte
gegen die Großen seiner Zeit, ein Mann mit vielen Talenten.
In tagelangen Gesprächen hat er Michael Dombrowsky
erzählt, was ihn jenseits der Wettkämpfe wirklich bewegt: die Liebe zu
altgriechischen Klassikern, finnischen Kurzgeschichten und die Abneigung
gegen selbstgerechte Funktionäre. Es ist die beeindruckende Lebensgeschichte
eines Menschen, der immer mehr sein wollte als nur ein guter Schachspieler.
Auszug aus dem Buch:
Medaillen
und Ehrungen
Robert ist wirklich nicht der Typ, der auf Medaillen, Plaketten, Urkunden,
Preise und Pokale gesteigerten Wert legt. Besser gesagt, sie waren ihm egal.
Um die manchmal mächtigen und schweren Pokale loszuwerden, ohne die
Veranstalter zu brüskieren, hat Robert sehr erfindungsreich Strategien
entwickelt. Zwei Episoden verdeutlichen seine Einstellung zu diesen
?Ehrengaben ?.
Die erste spielt in Houston (Texas). . . .
Während des Turniers
verbrachte Robert Zeit mit dem US-Amerikaner William Martz, der in Houston
seine fehlende IM-Norm erfüllte. Martz hatte in Europa schon gegen Hecht (in
Malaga) und Pfleger (Studenten-WM) gespielt und beobachtete die deutsche
Schachszene mit Interesse. Deshalb hatte er Hübner eingeladen, nach dem
Turnier ein paar Tage in Milwaukee sein Gast zu sein. Nach der Siegerehrung
nahm er die Einladung an und dies aus einem einfachen Grund: Bei der
Siegesfeier erhielt er nicht nur einen Geldpreis, sondern auch eine Trophäe.
In Texas konnte es zu jener Zeit natürlich nur ein Ölbohrturm sein . . . .
Die Bronze war
einen Meter hoch! Und Robert hatte jetzt zwei Fragen: ?Wie bringe ich dieses
Riesenteil nach Köln? Und was fange ich dann damit an??
Das blieben auch noch die
drängenden Probleme, als er mit Martz im Auto nach Milwaukee fuhr. Im
Kofferraum lag der Ölbohrturm sicher verstaut. Robert schildert die Lösung
des Problems so:
?William zeigte mir zunächst die
Sehenswürdigkeiten der Stadt. Als wir dann den Schachklub von Milwaukee
besuchten, kam mir die rettende Idee. Es gab große Spielräume, eine
umfangreiche Schachbibliothek und eine riesige Vitrine mit Pokalen. Beim
offiziellen Besuch am nächsten Tag hielt ich eine kurze Ansprache und
übergab ich meinen Ölbohrturm als Stiftung an den Verein. Erleichtert, im
wahrsten Sinne des Wortes, flog ich nach Hause.?
Die zweite Episode spielt 1998 in Havanna beim 33.
Capablanca-Memorial.
Bei der Abschlussfeier saß Robert dem kanadischen
FIDE-Meister Irvin Lipnowski gegenüber. Den Geldpreis hatte er in der Tasche
und zwei große Pokale standen vor ihm auf dem Tisch. . . . . . . .
?Mann, Du musst ja eine
Riesensammlung von Pokalen zuhause haben,? sagte der Kanadier voller
Bewunderung. . . . . . . Er blickte ihn ungläubig an, als ihm Robert
eröffnete, er habe gar keinen Pokal in seiner Wohnung, das Apartment sei
klein und die Regale seien mit Büchern vollgestopft. Da bliebe kein Platz
für bronzene Skulpturen, Pokale, Schalen, Becher oder versilberte
Tischlampen. Der
Professor aus Manitoba schaute ihn entgeistert an. Aber was machst Du jetzt
mit diesen beiden Pokalen fragte er. Ich gehe zum Hafen.