Enge Zeit. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität. Im Auditorium Maximum, Von-Melle-Park. 23. Febr. - 4. April 1^991.

von Bottin, Angela und Rainer Nicolaysen:

Autor(en)
Bottin, Angela und Rainer Nicolaysen:
Verlag / Jahr
1991.
Format / Einband
kartoniert. 197 S., zahlr. S/w.-Fotos,
Sprache
Deutsch
Gewicht
ca. 550 g
Bestell-Nr
1155409
Bemerkungen
Guter Zustand. - Die Ausstellung ENGE ZEIT ist den vom nationalsozialistischen Staat vertriebenen und verfolgten Mitgliedern der Hamburger Universität gewidmet. Sie vermittelt und meditiert die Erfahrung eines epochalen Zusammenbruchs der Humanität, der sich inmitten einer von rationalen Werten beherrschten Welt vollzog. Ernst Cassirer, einer der drei großen deutschen Philosophen dieses l.ihrhunderts, der von 1919 bis 1933 in Hamburg lehrte, hat diese I rlährung am Ende seines Lebens so formuliert: „Was wir in der harten Schule unseres modernen politischen Lebens gelernt haben, ist die l aisache, daß die menschliche Kultur keineswegs das fest verankerte Ding ist, für das wir sie einst hielten.“ In diesem Satz ist die wohl schmerzlichste, aber auch folgenreichste I insicht unseres Jahrhunderts ausgesprochen. Er leitet den Schluß des letzten Werkesein, das Cassirer 1945 inNewYork kurz vorseinemTod linier dem Titel „Der Mythos des Staates” vollendete. Cassirer zieht darin die Summe seiner großen Untersuchungen zum Erkenntnis-problem in der Philosophie und Wissenschaft der Neuzeit und zur Philosophie der symbolischen Formen und konfrontiert sie mit den Erlahrungen seiner Zeit. Das unsere kulturelle Welt und unsere sozialen Ordnungen bis in ihre Grundlagen hinein aufgehoben werden können und erschüttert worden sind, hat seine Ursache nach Cassirer im Aufstieg des ungezähmten politischen Mythos, mit dem der totalitäre Staat des Nationalsozialismus das in der Wurzel mythische Denkendes einzelnen in eine allgemeine und öffentliche Wertordnung überführte. Mil dieser Ausstellung und dem zu gleicher Zeit erscheinenden dreibändigen Werk „Hochschulalltag im ‘Dritten Reich’” will die Universität der Aufklärung ihrer eigenen Geschichte dienen. Sie will den Namen und dem Schicksal ihrer entrechteten und verfolgten Mitglieder das längst fällige öffentliche Gedächtnis stiften. Sie will darauf hin-weisen, daß jede Form des totalitären Staatsmythos früher oder später zue i ner flagranten Verletzung der Menschenrechte führen muß, der mit Entschiedenheit die Verwirklichung und Verteidigung der I reiheil liehen demokratischen Verfassung und einer internationalen l i ledens Ordnung entgegenzusetzen ist. Sie will auch an die Aktualität der Einsicht erinnern, daß die Bürger und Organe unseres I ,andes ihr lim und Lassen jederzeit von der Kenntnis unserer eigenen belasteten Geschichte und von der Verantwortung für das besondere Erbe der Schuld leiten lassen, das in dieser Geschichte mitgesetzt ist. Die Universität sollte vor allem selbst Nutzen aus einer Beantwortung der Frage ziehen, was Werk und Wirken der bis 1933 hier tätigen Gelehrten für das Verständnis der heutigen Aufgabe und der künftigen Entwicklung der Hochschule bedeuten. Als es nach 1945 galt, inmitten der Hamburger Trümmerlandschaft Leben und Arbeit der Universität neu zu begründen, unternahmen nur einzelne ihrer Mitglieder den Versuch, auch die geistigen Fundamente neu zu gießen. Die Rede des ersten Nachkriegsrektors Emil Wolff zur Eröffnung des Wintersemesters 1945/46 gehört dazu. Ein weiterer Grundstein war die „Hamburger Akademische Rundschau”, für die Karl Ludwig Schneider und Hans-Joachim Lang verantwortlich zeichneten. Unvergessen bleiben auch die Anstrengungen des späteren Rektors Bruno Snell. Aber der Sonntag des 22. Februar 1953 markiert das vorläufige Ende dieser Bemühungen: An diesem Tag erinnerte in einer Feierstunde der Allgemeine Studentenausschuß, nicht die Universität, an das Schicksal jener, die unter dem Zeichen der „Weißen Rose” zu Opfern des Gewaltregimes geworden waren. Danach vermerkt die Chronik der Universität für lange Zeit kein solches Datum mehr, das der Beschäftigung mit jenen zwölf Jahren ihrer eigenen Geschichte galt. Erst nach dem studentischen Aufbegehren am Ende der sechziger Jahre war die Zeit reif dafür, die Blockade der Erinnerung zu durchbrechen. Mit der Einweihung der Gedenktafel im Auditorium maximum in einer stillen Feierstunde am 28. September 1971 im Foyer dieses zentralen Gebäudes wurde die Tür geöffnet, durch die sich weitere Schritte, darunter Gedenkfeiern für William Stern und Ernst Cassirer, zur Vorbereitung dieser Ausstellung und der Publikation „Hochschulalltag im ‘Dritten Reich’” führten. Mag es für eine Universität ein wenig begangener Weg sein, daß Ergebnis ihrer Forschungen der Öffentlichkeit in Form einer Ausstellung zu zeigen, so ist jedenfalls die hier gewählte Darstellung einer Rauminszenierung ungewöhnlich, nach unserer Auffassung aber dem Projekt besonders angemessen. Wir verdanken die gestalterische Konzeption dem Architekten Hans-Joachim Scheel, der seit den fünfziger Jahren in Kanada lebt. Für ihn, dessen Biographie gezeichnet ist von der national sozialistischen Herrschaft, ist diese Arbeit auch ein später Gruß an seine Heimatstadt Hamburg. Die inhaltliche Vorbereitung lag in den Händen von Angela Bottin, der die einfühlsame Begeisterung für die Sache über viele Schwierigkeiten hinweghalf, an denen das Projekt bisweilen zu scheitern drohte. Ihrem unermüdlichen Engagement verdankt die Universität nicht nur diese Präsentation mit einer Fülle neuer Fakten und Einsichten, sondern auch die Realisierung des Nachdrucks der „Hamburger Akademischen Rundschau”, die Karl Ludwig Schneider bis 1950 herausgegeben hat. In der kurzen Zeit, die ihr für beide Vorhaben zur Verfügung stand, hat sie unser Bild von der Universität Hamburg wesentlich bereichert. Doch ohne die beherzte Unterstützung von Freunden und Förderern hätte dieses Werk gute Absicht bleiben müssen. Wir fanden in dieser Stadt Merkurs finanzielle Hilfe, wo wir sie kaum erwarten durften und in einem Umfang, der noch überraschte, wo er schon erhofft war. In Hamburg gibt es ein waches Gespür für jene Befürchtungen unserer Nachbarn in Europa, die aus leidvoll erfahrener Vergangenheit herrühren. Thomas Mann sprach am 8. Juni 1953 in seiner Ansprache vor Hamburger Studenten aus, woran anläßlich der Eröffnung der Ausstellung am 22. Februar 1991 zu erinnern ist: „Sache der heraufkommenden deutschen Generation, der deutschen Jugend ist es, dies Mißtrauen, diese Furcht zu zerstreuen, indem sie das längst Verworfene verwirft und klar und einmütig ihren Willen kundgibt - nicht zu einem deutschen Europa, sondern zu einem europäischen Deutschland.” (Vorwort)
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Enge Zeit. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität. Im Auditorium Maximum, Von-Melle-Park. 23. Febr. - 4. April 1^991.

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