tip top, immer in Kunstoffhülle, wie neu
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Technik • Wirtschaft • Sport
DIE DEUTSCHE MOTORRAD - FACHZEITSCHRIFT
ZWEITER JAHRGANG
INHALT
Zwei Fliegen Mit einer Klappe ...... 8.2.5
Auf dem Aussterbe-Etat S. 246
Rast an der Queralpenstrasse S. 247
Oas Trimmen von Kleinst-Rennmotoren .
Ein ganz alter Zopf
Anhänger an Krafträdern
Warum bleibt der Motor stehen. wem man das Licht ausmacht
Erfahrungen mit der Imme
Zwei neue Italienische Rennmaschinen
fiennatuchlnen . .
Eilenriede-Duell NSU — BMW
Reisen, eine Kunst
Auf alten und neuen Strecken im Osten
Wie denken Sie über die Lage?
Der vorsichtige Finger
Zwischen Tribüne und Fahrerlager
Technischer Briefkasten
Das aktuelle Motorrad
Eilenriede - Ergebnisse
Ganz unter uns
Zwei Fliegen mit einer Klappe
Wir sprachen kürzlich hier im »MOTORRAD« davon, wie man es nach unserer Ansicht nicht machen soll, um etch ein Motorrad zu ersparen. Wir rieten dazu, sich den für die Anzahlung eines Motorrades notwendigen Betrag bei einer bekannten und sicheren Sparkasse anzusparen und dann mit einem Händler über die Restraten zu sprechen. Daß wir mit diesem Rat nicht alleine dastehen, beweist das Folgende:
Schon vor Wochen hat man sieh bei dem Verband der Motorrad-Industrie Ge¬danken darüber gemacht, wie man das in stärkerem Maße notwendig gewordene Abzahlungsgeschäft für Motorräder erleichtern und fördern könne, ohne daß dem Käufer unsinnig hohe Zinslasten aufgebürdet würden und ohne, daß: die Industrie selbst eigene Finanzierungs-Betriebe unterhalten müßte. Der Kreis der Barzahlungskunden ist kleiner geworden, sehr viele Berufstätige würden sich gerne ein Motorrad kaufen, wenn sie den Kauf zu normalen Bedingungen auf Abzahlung durchführen könnten.
Nun haben sich bereits seit längerer Zeit Banken und vor allem Sparkassen um die Finanzierung von sogenannten »langlebigen Wirtschaftsgütern«, vor allem Möbeln usw. gekümmert und damit auch gute Erfolge erzielt, Durch Ober¬eignung der gekauften Möbel behält das Bankunternehmen jede Sicherheit in Händen, außerdem behalten Möbel, vor allem in der heutigen Zeit, sehr lange ihren Gestehungspreis, so daß eine Vorfinanzierung tatsächlich nahezu risikolos ist.
Unter Hinweis auf dieses Beispiel hat sich daher der Verband schon zu Ende vergangenen Jahres an die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände in Frankfurt am Main gewendet und vorgeschlagen, daß die Spar¬kassen in Zukunft auch Motorräder zu den gleichen Bedingungen, wie sie beim Möbelkauf angewendet werden, finanzieren.
Das erscheint uns ein ganz ausgezeichneter Gedanke, denn er schlägt tatsächlich zwei Fliegen mit einer Klappe. Fliege eins: viele Menschen, vor allem Arbeiter und Angestellte, die ein Motorrad für die tägliche Fahrt zur ferngelegenen Arbeitsstätte dringend benötigen, kommen schnell auf einer Maschine. ohne daß sie sich in die Hände eines unsicheren Finanzierungsinstitutes begeben oder gar Wechsel ausstellen müssen. Fliege zwei: die gleichen Menschen werden angehalten, auch weiterhin ihren Spargroschen zu ihrer Sparkasse zu tragen, woraus die Bank wiederum ihren normalen Nutzen zieht
Erfreulicherweise hat aide die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkessen- und Giroverbände den ihr vom Verband der Motorrad-Industrie vorgetragenen Gedankengängen angeschlossen und in einer Ende November 1940 stattgefun¬denen Sitzung den Beschluss gefasst, einen der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen regionalen Sparkessen- und Giroverbänden die Vornahme solcher Finan¬zierungen zu empfehlen. Als Vorbild für die Finanzierung wurde das soge¬nannte »Sparhilfeverfahren« vorgeschlagen, so wie es bereits bei Möbelkäufen angewendet wird.
Nach diesem Vorbild (als Beispiel zitieren wir die Vorschriften der „Pfälzischen Sparhilfen schließt die Bank mit dem Sparer einen sogenannten Sparhilfevertrag, wonach sich der Sparer verpflichtet, einen gewissen wöchentlichen oder monatlichen Betrag bis zur Erreichung des Sparzieles auf ein Sparkonto einzuzahlen. Diese Beträge werden seitens der Bank regulär verzinst. Als Gegen¬leistung räumt die Bank dem Sparer einen Kredit ein, der es ihm ermöglicht, die Möbel sofort zu kaufen. Ale zusätzliche Sicherheit verlangt die Bank jedoch eine Bürgschaftserklärung des Einzelhändlers, bei dem die Möbel gekauft sind. Selbstverständlich verlangt die Bank darüber hinaus für den gewährten Kredit Zinsen und die übliche Kreditprovision und, was ja bei jedem Abzahlungs¬geschäft für Kraftfahrzeuge ebenso selbstverständlich ist, den Abschluss einer Teilkasko-Versicherung,. die bei Verlust durch Brand oder Diebstahl die not¬wendige Sicherheit bietet.
Daß auf Raten gekaufte Gegenstände teurer sind, als bargekaufte, Ist ebenfalls keine Novität. Bei einer Finanzierung über eine Sparkasse dürften sich diese Mehrkosten jedoch in einem erträglichen und durchaus vertretbaren Rahmen bewegen.
Nachdem nun die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände die mit dem Verband der Motorrad-Industrie vereinbarte Empfehlung an die ihr angeschlossenen Banken weitergegeben hat, ist es doch interessant, daß einzelne regionale Verbände bis heute sich noch sträuben, dieser Empfehlung zu folgen. Die durch die Industrie unterrichteten Händler berichten immer wie¬der, daß diese oder jene Bank sich weigert, Motorradkäufe zu finanzieren, da Motorräder nicht als langlebige Wirtschaftsgüter anzusehen sind. Andere Sparkassen hingegen haben die Anregung sehr freudig aufgegriffen und geben ohne Weiteres die erbetenen Kredite — unter der Voraussetzung, daß der das Motorrad verkaufende Händler seinerseits eine Bürgschaft übernimmt und der Bank als vertrauenswürdig bekannt ist.
Da die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände in Frank¬furt am Main kein Weisungsrecht an die ihr angeschlossenen regionalen Ver¬bände besitzt, haben Reklamationen bei einer Kreditverweigerung durch die eine oder die andere Bank natürlich keinen Zweck. In jedem Falle muss es den einzelnen Sparkassen oder regionalen Sparkassenverbänden überlassen bleiben, ob sie in der Finanzierung eines Motorradkaufes ein tragbares Risiko sehen, oder nicht, denn schließlich sind Sparkassen der Gesamtheit ihrer Sparer gegenüber verantwortlich.