Faszination aus Gotik, Renaissance & Barock
BEGNADIGUNG AUF DER BURG NIDERALFINGEN
EID DES HANS SCHERENMÜLLER ZU HÜTTLINGEN AUF RACHEVERZICHT - 1464
DEUTSCHE HANDSCHRIFT AUF PERGAMENT MIT ZWEI WACHSSIEGELN - TOP ZUSTAND !

VERFASSER
Hans Scherenmüller zu Hüttlingen
Walther und Hans von Hürnheim zu Nideralfingen
TITEL
Deutsche Rechtsurkunde auf Pergament - Der Eid eines begnadigten Gefangenen.
ENTSTEHUNG
Hüttlingen (Kochertal, Württemberg), 09. Februar 1464
rückseitig datiert auf Donnerstag nach dem Tag der Heiligen Dorothea (Montag, 06.02.1464)
Frühe Rechsturkunde in einer 27-zeiligen Gothica Humanistica, handgeschrieben auf Pergament.
Hans Scherenmüller zu Hüttlingen erklärt, dass er von den Junkern Walther und Hans von Hürnheim zu Nideralfingen wegen einer von ihm verschuldeten und verhandelten Straftat gefangen und in den Turm der Burg Nideralfingen verbracht und aufgrund der Fürbitte seiner Frau und eines Freundes begnadigt und wieder auf freien Fuß gesetzt worden sei.
Scherenmüller versichert, dass er unabhängig der Schuldfrage, auf alle Zeit auf jegliche Vorwürfe gegenüber seinen Herren, deren Erben und auf jegliche Ansprüche und auf Zorn und Rache gegenüber diesen verzichten wird. Er schwört hierauf mit seinen Fingern einen Eid, den seine Bürgen Rab Sund, Jörg Beck und Conrad Müller bezeugen. Sollte Scherenmüller jemals gegen diesen Eid verstoßen, sei er bis zu seinem Tod als ehrenloser, meineidiger Verurteilter von den Herren und den Bürgen verfolgt und wieder ins Gefängnis zu werfen.
Angehangen zwei originale Siegel der Juncker Walther und Hans von Hürnheim.
Die von Hürnheim waren eine seit 1153 nachweisbare, im Ries ansässige und dort auch begüterte Adelsfamilie. Aufgrund der Aufteilung in mehrere Linien büßten sie jedoch bereits im 13. Jhd. an Bedeutung ein. Im 15. Jahrhundert verloren sie große Teile ihres Hausgutes an die Grafen von Oettingen, erlangten jedoch im 16. Jahrhundert die Reichsritterschaft. Der letzte Hürnheimer verstarb im Jahr 1679.
Die Linie Hürnheim-Niederhaus-Hochaltingen erwarb im Jahr 1368 die Herrschaft Niederalfingen im Kochertal (Gemeinde Hüttlingen im Ostalbkreis). Konrad von Hürnheim gründete hier um 1400 eine eigene Linie, die mit Hans Walther von Hürnheim 1557 wiederum ausstarb. 1551 hatte dieser seinen gesamten süddeutschen Besitz an die Fugger verkauft.
TRANSKRIPT
Ich Hanns Scherenmüller an der zeit zu Huttlingen gesessen Bekenn an disen offenn brieue gen allermeniglich Als die Erb[e]n von vesten Junckher Walther von Hurnhein zu Nider Ahelfing vnd Junckhers Hanns von Hurnhein sein Sun mein lieb Junckhern mich vmb verschuldter vnd verhandelter sach willen gefangen vnd In den Turn gen Nider Ahelfing gelegen hanben, Vß derselben fangknuß aber mich die genant[en] mein lieb Junckhern durch meinen frawen vnd anderen meinen guten herren frund vnd gönner vleissiger vnd ernstlicher bete willen wider gnadiglich komen lassen haben vff ein solch vrfeh[de] vnd tading als hernach geschriben stat die ist also, das wed[er] Ich noch yemant von meinen wegen de[m] gefangknuß vnd sach vnd was sich deshalb oder darunder verloffen hat, Nu furo ewiglich ymer mer geafern gezurnen noch gerechen sollen noch wollen, weder in worten oder wercken noch mit kainer rach haimlich noch offenlich, weder an den vorgen[annten] meine Lieben Junkhern, noch an allen den Iren die In zu gehören oder zu… sten, sie sint gaistlich oder weltlich, noch In sunderhait an den die an der vorgemeldten meiner fangknuß schuld Rat oder getat gehabt haben oder darunder v[er]dacht oder gewandt sint. Sunder Ich die weil ich leb wider die vorgenat[en] mein Lieb Junckhern vnd alle die Iren als sie vor begriffen sint nymer mer gesein noch getun noch schaffen getaurerden [?], anders dan mit fruntlichen rechten, Also mit welhem ich zu schicken gewinn oder stössig wurd, von dem sol vnd will ich ein fruntlich recht werden vnd nehmen, vnd Im ob er des bedarff Ich sey wo Ich woll rechts widerumb sein an den Stetten, vnd vor her gemeldten gaistlichen oder weltlichen haimlichen oder offentlichen noch dhem [?] and[ern] sach In dhem weise Vnd das ich obgenat Hanns Scherrenmüller das alles wie vorstat, also halt, dem nachkom vnd gnug tue, das hon ich mit hantgeben trewen gelobt vnd zu got vnd den hailigen mit vff gebotten vingern ein gelerten eyde gesworn. Vnd zu mer[en] vnd besser[e] sicherhait han Ich darauff den genanten meinen Junckhern zu rechten burgen gesetzt vnd haben zu mir vnd für mich gesprochen diese nachgeschriben mein gut frund vnd gonner mit namen Rab Sund, Jorg beck vnd Conrat müller all drey zu Huttlingen gesessen Also vnd mit solichen vnderschaid Ob das beschehe do got vor sey das ich ich mich v[er]geß, das ich […] artickeln ein oder mer yndert uberfur, vnd die trew vnd aid die ich darumb geton hon, mithielt od[er] das das yemant von meinen wegen tett das got mit wöll So sol ich alsdann ein erloser mainaidiger vbersagt verurteilter man heissen vnd sein zum tod an all gnad vor allen lewten richten vnd gerichten vnd an allen stetten, vnd sollen dan die vorgeschribenen mein burgen mir vemd sein vnd als vleissiglich vnd als vast nach mir stellen als die obgemelt[en] mein Junckhern oder Ir Amptlewt vnd die Iren biß sie mich wider In die gefangknuß bringen daruß ich yetz komen bin ongeuerde vnd wider das alles sol mich nit helffen fristen noch schirmen kein fryhait frid glait schirm noch hilff gewalt noch noth recht nach uhtzit das yemant erdencken mag In dhem weise ongeuerde. Vnd wir die vorgeschriben burgen mit namen Rab Sund Jorg beck vnd Conrat müller Bekennen dieser burgschafft verbunden zu sein vnd alles das zu halten vnd zutun, das von vns an disen Brife geschriben stat getrewlich angeuerde Vnd des zu gutem warem vnd kund, Haben wir die obgenat Hanns Scherrenmüller als d[er] selb schuld vnd wir die wir die vorgenante burgen mit Im vleissig gebeten, Die erben vesten Junkhern Hannsen von Ahelfingen von Hohen Ahelfingen den elt… vogt zu Elwangen vnd Junckhern Conraten von Pfalhhem das sie obgeschriben sachen zu gezungknuß Ire aigne Insigel doch In vnd Iren erben an schaden offentlichen habent tun hencken an disen briefe Der geben ist am Dornstag nach sant Dorotheen der hailIgen Junckfrawen tag Des Jars al[s] man Nach Cristi vnsers Heren gepurt zalt Tusent vierhundert Sechtzig vnd vier Jahre.
AUSSTATTUNG
27-zeilige Handschrift in brauner Tinte auf Pergament.
Blattgröße: 37,5 x 19 cm; Plica: 3,5 cm; Schriftspiegel: 31,5 x 13,5 cm; Durchmesser Siegel: 4 cm.
ZUSTAND
Sehr guter Zustand. Sauber und breitrandig. Materialbedingt etwas knittrig. An den alten Faltstellen geringfügig berieben. Das rechte Siegel mit Randausbruch.
PROVENIENZ
Erworben aus einer alten privaten Autografensammlung eines österreichischen Sammlers, der diese Urkunde in den 1970-iger Jahren erwarb.
KULTURGUT SICHER ERWERBEN
Hiermit bestätigen wir Originalität sowie einwandfreie Herkunft der vorliegenden Handschrift. Diese ist zum Zeitpunkt des Verkaufs frei von Rechten Dritter.
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