Faszination aus Gotik, Renaissance & Barock
MITTELALTERLICHE HANDSCHRIFT AUF PERGAMENT MIT SIEGEL
HEIRATSVERSCHREIBUNG HERZOGTUM BERG - 1482

VERFASSER
Wilhelm von Scheidt genannt Weschpfennig.
Empfänger: Seine Ehefrau, Merget (Margarethe) von Berg.
OBJEKT
Urkunde über eine Heiratsverschreibung.
ENTSTEHUNG
Herzogtum Berg, Gut Scheid bei Much oder Burg Blankenberg, AD 1482
Spätmittelalterliche Urkunde in deutscher Sprache auf Pergament in einer eleganten, flüssigen Bastarda mit deutlichen Kanzleieinflüssen in 28 Zeilen auf Pergament geschrieben.
Gleichmäßiges Schriftbild in dunkelbrauner Tinte. Die Startinitiale mit dekorativen weit ausschweifenden Schnörkel und Cadellen. Die Rückseite mit Dorsalvermerk. Unten an der Plica ein an einem Pergamentpressel hängendes Wachssiegel. Zwei weitere Pressel mit fragmentarisch erhaltenen bzw. fehlenden Siegel. Rückseitig bezeichnet „de ao. 1482“.
Der edle Ritter Wilhelm von Scheidt genannt Weschpfennig bekundet mit diesem offenen Brief eine rechtlich bindende Heiratsverschreibung und Ehestiftung für sein angetrautes eheliches Gemahl, Merget von Berg. In der Urkunde wird festgehalten, welche finanziellen Mittel, Güter und Absicherungen im Zuge der Eheschließung zwischen den beiden adeligen Parteien vereinbart und eingebracht werden.
Wilhelm verschreibt seiner Frau zur rechtlichen Absicherung ihres Standes und für den Fall seines vorzeitigen Ablebens (als Witwenabsicherung) spezifische Summen an barem Geld, Rentenansprüche („Gülten“) sowie Nutzungsrechte an seinen ländlichen Besitzungen und Höfen. Das Dokument regelt im Detail die gegenseitigen Verpflichtungen, das Erbe und die Rückfallrechte der eingebrachten Mitgift (Dos) sowie die Absicherung der aus dieser Ehe hervorgehenden Nachkommen.
Als rechtliche Unterpfänder für die Einhaltung dieser Absprachen setzt Wilhelm seine familieneigenen Güter und Liegenschaften ein. Zum Zeugnis der Wahrheit und zur rechtskräftigen Bestätigung dieses Vertrages hat Wilhelm von Scheidt sein persönliches Siegel an die Pergamenturkunde gehängt.
Auf der Rückseite befindet sich ein Archiv- und Ordnungsvermerk aus späterer Zeit, der die Urkunde für die Registratur zusammenfasst: „Heiraths Verschreibung Wilhelm von Scheidts gen. Weschpfennig mit seiner Gemahlin Mergelen von Berg, de ao: 1482“.
Das erhaltene Siegel ist das adelige Rittersiegel des Wilhelm von Scheidt gen. Weschpfennig. Dunkelgrünes Siegelwachs, schützend eingebettet in eine dickere, schüsselförmige Wanne aus naturbraunem Trägerwachs. Es zeigt ein spätgotisches Schild, der das Familienwappen derer von Scheidt zeigt (ein heraldischer Sparren, der von drei Pfennigen/Münzen begleitet wird). Das Schild wird umschlossen von einer kreisrunden, gotischen Minuskel-Umschrift, die den Namen des Siegelführers angibt.
Der Name der Familie von Scheidt leitet sich direkt von ihrem gleichnamigen ritterlichen Stammgut ab. Das historische Gut der Familie Scheid liegt im Kirchspiel Much (Rhein-Sieg-Kreis). In dieser Region (nahe der Flüsse Bröl und Sieg) lag das administrative und familiäre Machtzentrum der Dynastie. In späteren Jahrzehnten und Jahrhunderten erweiterte die Familie von Scheidt genannt Weschpfennig ihren Aktionsradius beträchtlich, blieb dem geographischen Raum jedoch treu: Sie besaß unter anderem Burgsitze in Freusburg an der Sieg, Güter in Ruppichteroth sowie das bekannte Schloss Heltorf im Norden von Düsseldorf.
Die Familie von Berg war ein im bergischen Raum und im Rheinland verwurzeltes Adelsgeschlecht. Ihr Besitz stand in enger rechtlicher und räumlicher Verbindung zum herrschaftlichen Einflussgebiet der Region.
Blatt 29 x 51,5 cm; Schriftspiegel: 20,5 x 45 cm; Plica: 5,8 cm.
Durchmesser Siegel: 3,5 cm.
ZUSTAND
Sehr guter Erhaltungszustand mit nur wenig Altersspuren. Materialbedingt partiell etwas knittrig. Mehrfach gefaltet. In der Mittelfalte etwas berieben. In der Plica drei originale Pergament-Pressel mit zwei Siegeln, eines davon nur fragmentarisch vorhanden. Das vorhandene Siegel scharf konturiert.
PROVENIENZ
Stuttgarter Privatsammlung.
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