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Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow wurde als Sohn des preußischen Polizeioffiziers Johann-Albrecht Wilhelm von Bülow (1899–1972) und dessen erster Ehefrau Charlotte Mathilde Luise, geborene von Roeder (1899–1929), Tochter des Majors Otto von Roeder (1876–1943) und seiner Frau Luise, geb. Schemann, in Brandenburg/Havel geboren. Sein Vater stammte aus Spandau und gehörte dem Adelsgeschlecht Bülow an; seine Mutter wurde in Neubreisach im Elsass (heute: Neuf-Brisach, Frankreich) geboren. 1928 ließen sich die Eltern in Gleiwitz scheiden. Ein entfernter Verwandter von ihm war der Dirigent und Pianist Hans von Bülow

Von Bülow heiratete 1951 die damalige Modeschülerin Rose-Marie (Romi) Johanna Elly Schlumbom (1929–2024), eine Tochter des Hamburger Kaufmanns Peter Schlumbom, und wurde Vater zweier Töchter: Bettina Charlotte (* 1954) und Susanne Margarete (1958–2025). Er hatte zwei Enkelkinder. Von Bülow lebte von 1963 an bis zu seinem Tod 2011 im Ortsteil Ammerland der Gemeinde Münsing am Starnberger See.

Leben

Kindheit, Krieg, Ausbildung

Vicco von Bülow wuchs mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Johann-Albrecht ab 1927 bei seiner verwitweten Großmutter Margarete von Bülow (1875–1945) und deren Mutter Adele in Berlin auf. 1933 zogen die Geschwister wieder zu ihrem Vater, der im Jahr 1932 erneut geheiratet hatte, nach Berlin-Zehlendorf. Von Bülow besuchte von 1934 bis 1938 das Schadow-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf. Mit dem Vater zog die Familie 1938 nach Stuttgart. Von Bülow besuchte dort das humanistische Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, das er 1941 siebzehnjährig mit dem Notabitur verließ. In Stuttgart sammelte er auch erste Erfahrungen als Statist in der Oper und im Schauspiel. 1940 spielte er als Statist in dem Film Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies mit.

Er begann entsprechend der Familientradition eine Offizierslaufbahn und war drei Jahre mit der 3. Panzer-Division am Deutsch-Sowjetischen Krieg beteiligt. Er wurde als Zugführer, Ordonnanzoffizier, Führer des Bataillons-Stabes und zuletzt wieder als Zugführer eingesetzt und erreichte den Dienstgrad Oberleutnant. Er wurde mit dem Panzerkampfabzeichen in Bronze, dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse ausgezeichnet. Sein jüngerer Bruder, der am 27. November 1924 ebenfalls in Brandenburg geborene Johann-Albrecht Sigismund von Bülow, fiel am 21. März 1945 als Leutnant bei Gorgast im Oderbruch. In Vicco von Bülows erhalten gebliebener militärischer Personalakte enthalten die Beurteilungen seiner Vorgesetzten keine der sonst üblichen Floskeln zu nationalsozialistischer Gesinnung.

Auf die Frage, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Soldat gewesen sei, antwortete er in einem Interview: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am 20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“

Nach dem Krieg arbeitete er nach eigener Schilderung für etwa ein Jahr bei Markoldendorf als Holzfäller im Solling, um sich Lebensmittelkarten zu verdienen. 1946 machte er in Northeim am Gymnasium Corvinianum in einem sechsmonatigen Übergangskurs aus seinem Notabitur ein reguläres Abitur, das zum Hochschulstudium berechtigte. Auf Anraten seines Vaters studierte er von 1947 bis 1949 Malerei und Grafik an der Kunstakademie (Landeskunstschule) in Hamburg. Zu seinen Lehrern gehörte Alfred Mahlau, prägend war vor allem der Einfluss des Malers Willem Grimm.

Frühe Arbeiten

Nach dem Abschluss legte Bülow erste Arbeiten als Werbegrafiker vor und entwarf das charakteristische Knollennasenmännchen. Von 1950 an war Bülow als Cartoonist zunächst für das Hamburger Magazin Die Straße, danach für die Zeitschriften Stern und Quick tätig. Seit dieser Zeit verwendete er den Künstlernamen Loriot.

Seine erste regelmäßige Serie im Stern sollte 1953 Auf den Hund gekommen werden. Einige dieser ersten Cartoons lösten bei den Lesern große Proteste aus:

  • In einem Strandkorb sitzt eine Hundedame – aufrecht, im Bikini und mit Badekappe. Vor ihr im Sand spielt ein kleiner Mensch, daneben steht ein Hund auf seinen Hinterbeinen. „Kurverwaltung“ steht auf seiner Armbinde, streng schaut er unter seiner Schirmmütze hervor. „Wenn nun jeder seinen Menschen an den Strand mitbrächte!“ blafft der Hund.
  • Zwei Hunde lehnen am Fenster und schauen hinaus; es regnet stark. Auf dem Fußboden liegt ein Mensch, zusammengerollt und schlafend. Sagt der eine Hund zum anderen: „Bei dem Wetter möchte man keinen Menschen vor die Tür jagen!“ Viele Leser drohten damit, den Stern nicht mehr zu kaufen bzw. ihre Abonnements zu kündigen.

Chefredakteur Henri Nannen stellte die Serie nach sieben Folgen ein und beendete die Zusammenarbeit: „Ich will den Kerl nie wieder im Stern sehen!“[19] Schon 1954 nahm er das zurück und Loriot begann mit Reinhold das Nashorn.

Nach der Einstellung im Stern zeigte sich kein einziger Verleger in Deutschland interessiert, die Serie als kleines Buch zu drucken. Unter anderem lehnte Ernst Rowohlt ab. Loriot sandte auf Anraten einer Bekannten dem Schweizer Daniel Keel die Zeichnungen. Der hatte 1952 den Diogenes Verlag gegründet und war auf der Suche nach einem deutschen Zeichner. 1954 präsentierten die beiden auf der Frankfurter Buchmesse Auf den Hund gekommen. 44 lieblose Zeichnungen. So begann eine lebenslange Zusammenarbeit; Loriot publizierte fortan fast ausschließlich bei Keel.

Ebenfalls 1954 erschien das Buch Reinhold das Nashorn. Es enthielt Folgen des gleichnamigen Comicstrips, der seit 1953 im Sternchen, der neuen Kinderbeilage des Stern, erschien. Loriot trug dazu die meisten Ideen sowie die Zeichnungen bei, die Verse stammten von Wolf Uecker. Die Serie lief 17 Jahre.

Im Dezember 1953 wurden auf der Rückseite von Weltbild vier Loriot-Zeichnungen veröffentlicht. Im Mai 1954 schloss Loriot dann einen Vertrag mit dem Verlag Th. Martens & Co. Zunächst konzentrierte sich sein Schaffen auf die 14-tägliche Zeitschrift Weltbild, in der unter anderem die Serie Wahre Geschichten mit über 100 Folgen erschien. Ab 1956 verlagerte sich sein Schwerpunkt jedoch auf die Illustrierte Quick desselben Verlages, die wöchentlich erschien und deutlich verbreiteter war. Die erste Reihe dort war Adam und Evchen, die zwischen Januar und Juli 1956 in 29 Folgen erschien und das Eheleben eines jungen Paares porträtierte. Das Aussehen der Protagonisten wich von den üblichen Knollennasenmännchen Loriots ab, da die Quick-Redaktion ihn gebeten hatte, liebenswürdigere Gesichter zu zeichnen. Loriot war mit dem Ergebnis unzufrieden, griff den Stil später nicht mehr auf und verzichtete anders als bei vielen anderen Zeichnungen auf eine Publikation in Buchform. Zwischen Oktober 1956 und Dezember 1957 erschien in der Quick die Ratgeberreihe Der gute Ton, von der im Herbst 1957 Teile in Buchform als Der gute Ton. Das Handbuch feiner Lebensart in Wort und Bild veröffentlicht wurden. Serie und Buch wurden ein großer Erfolg und waren der Auftakt für weitere Ratgeberserien.

Ab September 1957 veröffentlichte Loriot abwechselnd mit seinem Vorbild und Freund Manfred Schmidt die Kolumne Der ganz offene Brief. Darin setzten sie sich satirisch mit aktuellen Ereignissen, kuriosen Meldungen und persönlichen Erlebnissen auseinander. Die Schreiben waren dabei immer von einer Zeichnung begleitet. Die Kolumne endete 1961 auf Wunsch von Loriot, nachdem sein hundertster Brief zu Protesten von Winzern geführt hatte.

Außerdem nahm Loriot ab Mitte der 1950er Jahre verstärkt Werbeaufträge an, unter anderem für Paderborner Bier, Agfa, den Weinbrand Scharlachberg („Nimm’s leicht!“) und den Pfeifen- und Rauchtabakhersteller Stanwell („Drei Dinge braucht der Mann.“). In Anzeigen und Trickfilmspots kamen auch hier die Knollennasenmännchen zum Einsatz und gewannen immer mehr an Popularität.[26]

Kleinere Rollen als Schauspieler hatte Loriot in Haie und kleine Fische (1957), in Bernhard Wickis Filmen Die Brücke (1959) und Das Wunder des Malachias (1961). Auch in Andrew Martons Kriegsfilm Der längste Tag (1962), bei dem Bernhard Wicki Co-Regisseur war, konnte er in einer kleinen Rolle mitwirken. Im selben Jahr gestaltete er das Titelblatt der ersten Ausgabe der Satirezeitschrift pardon.

Vicco von Bülow zog 1963 mit seiner Familie nach Münsing-Ammerland in die Nähe des Starnberger Sees. Dort wurde er als angesehenes Mitglied der Dorfgemeinschaft 1993 zum Ehrenbürger ernannt.