Galit Dahan Carlibach, mehrfach ausgezeichnete Autorin, hat mich aus dem
Staunen nicht mehr rausgelassen. Ihre Protagonistin ist ohne Eltern bei
ihren alkoholkranken Großeltern aufgewachsen. Sie sucht ihren Vater,
weil sie sich ein bisschen Geborgenheit wünscht, die sie sonst nirgendwo
findet. Nach einer Eskalation haut sie mit vierzehn ab und schlägt sich
mit allem, was sie kann, durchs Leben, bis sie auf einen alten
Mossad-Agenten trifft, der alles über Avitals Familie weiß, aber das
weiß Avital wiederum nicht. Avitals Geschichte könnte schlimmer nicht
sein, doch ich finde keine Sekunde Zeit, das arme Ding zu bemitleiden
und das tut gut, weil mir nicht weh. Die Autorin bedient sich einer
besonderen Stilart. Sie lässt ihre Protagonistin einen Brief an den
Herrn Richter und die Sozialarbeiter schreiben, in dem sie ihnen alles
berichtet, für was sie sie schuldig befinden könnten und die Umstände,
die dazu geführt haben. Die Sprache ist erfrischend abgefuckt und macht
Avital so authentisch. Natürlich geht es in Avitals Berichterstattung
drüber und drunter, doch ich erkenne schnell, dass der Mossad Agent das
Beste ist, was Avital passieren konnte, nicht weil der Mossad eine gute
Einrichtung wäre, sondern weil der Spion sich schuldig fühlt. So mehr
wird nicht verraten. Das ist kreatives Schreiben par excellence. So
erfrischend und spritzig, ich bin hin und weg.