Im Januar 1533 ging Heinrich VIII. heimlich die Ehe mit Anne Boleyn ein – noch bevor Thomas Cranmer, der Erzbischof von Canterbury, die Verbindung mit seiner ersten Frau Katharina von Aragon für ungültig erklärte. Im Juni wurde Anne zur Königin gekrönt, und im September brachte sie eine Tochter zur Welt: die spätere Elisabeth I. Doch bereits wenige Jahre später wandte sich das Blatt. Am 2. Mai 1536 wurde Anne verhaftet und beschuldigt, eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Bruder sowie Affären mit drei Mitgliedern des Kronrates und einem Hofmusiker unterhalten zu haben. Zudem lastete man ihr an, mit diesen Männern ein Komplott gegen das Leben des Königs geschmiedet zu haben. Die vier Angeklagten aus dem Bürgertum standen am 12. Mai vor Gericht, Anne und ihr Bruder drei Tage später. Alle wurden des Hochverrats für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Ob die Vorwürfe zutrafen, blieb unklar – viele Zeitgenossen vermuteten, dass Heinrich bereits entschlossen war, sich erneut zu verheiraten. Den Vorsitz des Gerichts führte Annes eigener Onkel, Thomas Howard, 3. Herzog von Norfolk. Da keine Beweisunterlagen erhalten sind, bleibt der Prozess bis heute von Zweifeln und Spekulationen überschattet. Am 17. Mai wurden der Musiker und die weiteren Angeklagten hingerichtet, zwei Tage darauf musste auch Anne ihr Leben auf dem Schafott lassen. Bereits am Tag nach ihrer Hinrichtung verlobte sich Heinrich mit Jane Seymour.