Gemälde Genre Öl-Studie Mutter Kind am Portal Nikolaus Gysis Griechenland Nachlass Ludwig Thiersch ~1870
Alte Ölstudie Mutter mit Kleinkind vor steinernem Säulenportal sitzend, rückseitig bezeichnet "N. Gysis". Die Gemäldestudie dürfte um 1870 entstanden sein und befand sich beim Nachlass des Münchner Kunstmales Ludwig Thiersch. Ölfarben auf leichtem Malkarton, ca. 18 x 26,5 cm groß. Gemälde nicht signiert, in gebrauchten Zustand, ohne Übermalungen, ohne Restaurierung, ohne Reinigung - siehe auch Fotos. Angeboten ist das Gemälde, der goldene Rahmen im Format ca. 33 x 42,5 cm ist stellenweise auf den Fotos kaum sichtbar beschädigt. Die beiden vorletzten Fotos zeigen den Eintrag zu Gysis im Bruckmann Lexikon der Münchner Maler im 19. Jahrhundert. Besichtigung des Gemälde ist nach telefonischer Terminvereinbarung in München möglich.
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Der griechische Genre- und Monumentalmaler, Nikolaus Gysis oder Nikolaos Gyzis (griechisch Νικόλαος Γύζης, 1842 Sklavochori auf Tinos, Griechenland - 1901 München) verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Deutschland. 1850 kam er in die Volksschule von Karamanos mit Vorliebe für die Zeichenstunden. Anschließend besuchte er vier Jahre das Polytechneion (Polytechnische Schule), ohne jedoch wegen seines jugendlichen Alters eingeschrieben zu sein. Seine Lehrer waren u. a. Philippos und Georgios Margaritis, Agathangelos Triantaphyllou und Ludwig Thiersch. Am 21. Mai 1865 erhält Gysis vom Evangelistria-Kloster in Tinos ein Stipendium. Auf Rat des Malerkollegen Nikiphoros Lytras - der bei Karl von Piloty in München studiert hatte - beschloss Gysis auch dorthin zu wechseln. München war zu dieser Zeit neben Paris aufgrund des Rufs seiner Akademie der Bildenden Künste und Lehrern wie Piloty, bedeutende und wichtige Kunstschule Europas. Am 1. Juni 1865 begann die Reise über Tinos, Syra, Triest, Wien und Salzburg nach München. Im Oktober desselben Jahres erfolgte die Aufnahme an der Akademie in die Antikenklasse bei Hermann Anschütz. Nach vorbereitendem Unterricht bei Anschütz und Alexander Wagner nahm ihn Piloty 1868 in sein Meisteratelier auf, das Gysis bis 28. März 1871 besuchte.
1869 kam Gustave Courbet nach München, um an der I. Internationalen Kunstausstellung teilzunehmen. Es war damals nicht nur für Leibl und seinen Kreis eine Bestätigung und Offenbarung, auch Gysis und andere Münchener Künstler bekamen von Courbets Werk wichtige Impulse. 1872 ging Gysis nach Athen, wo er von seinen Landsleuten schon als bekannter Künstler gefeiert wurde, und bereiste 1873 mit Nikiphoros Lytras Kleinasien, kehrte aber im folgenden Jahr nach München zurück. Seine Heimat besuchte er noch zweimal, blieb aber sein Leben lang in München. Seit seinem Aufenthalt in München war Nikolaus Gysis mit Franz von Defregger befreundet, mit dem er in den 1870er Jahren auch Reisen unternahm. Von Juli bis Ende September 1874 mietete Gysis zusammen mit Lytras das Atelier von Gabriel Max und wohnte in der Bayerstraße 49. 1878 wurden drei Werke von ihm auf der Pariser Weltausstellung gezeigt, eines errang eine Medaille dritter Klasse. Am 16. Oktober wurde er zum Professor berufen und unterrichtete fortan an der Akademie der Bildenden Künste in München, es folgte die Ernennung zum „ordentlichen Akademieprofessor“ am 1. Juni 1888. Der Künstler ist in der Literatur gut verzeichnet.