Angeboten wird ein Werk von Julius Zimpel
TITEL: ohne Titel [Blick auf einen Spielplatz mit Schaukelvorrichtung, im Vordergrund Personen, wohl Gemeindebauten bei / in Wien]
TECHNIK: Farbkreiden (teilweise gewischt) über Vorzeichnungen in (Zimmermanns-)Bleistift, auf Velinpapier (oben links angeschnittenes Wasserzeichen, wohl „MBM France“), verso punktuell befestigt in Passepartout, ungerahmt
JAHR: unten rechts datiert „1921“
SIGNATUR: unten rechts signiert „ZimpelJulius“
GRÖßE: 45 x 63,5 cm (Blatt) bzw. 41,8 x 57 cm (Passepartoutausschnitt) bzw. 65 x 85 cm (Passepartout)
ZUSTAND: Blatt verso punktuell befestigt in Passepartout; in den vier Ecken kleine Einstichlöchlein; leichte Druckstellen im Blatt; in den Randbereichen etwas knittrig, leicht nachgedunkelt und mitunter mit Einrissen; unterer Rand mittig etwas längerer, hinterlegter Einriss (etwa 3,5cm); linker Rand mittig zwei etwas längere, hinterlegte Einriss (je etwa 2,5cm)
Verso unten rechts in Blei bezeichnet und nummeriert[?]
---In diesem vorliegenden Werk zeigt uns der Wiener Julius Zimpel eine
künstlerisch wie auch kulturhistorisch überaus interessante Szene. Den Großteil
des Bildes nimmt eine leicht hügelige Wiesenfläche ein. Im Vordergrund steht
eine Gruppe von drei Frauen in markant farbigen Kleidern. Links und rechts am
Bildrand zeigen sich Wohnbauten, welche zugleich das Geschehen in der Bildmitte
einrahmen. Dort nämlich steht eine recht große Schaukelkonstruktion.
Interessant ist dies vor dem Hintergrund, da Spielplätze in Großstädten der
damaligen Zeit (1921) keinesfalls die Norm waren. In Wien war es beispielsweise
so, dass zwar bereits um 1900 herum philanthropische Vereine damit begannen Spielplätze in Arbeitervierteln zu
erbauen, welche Bewegung fördern und Krankheiten verhindern sollten. Doch ein
richtiger Schub setzte erst nach dem Ersten Weltkrieg ein, als die Sozialdemokratische
Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP) in Wien mit absoluter Mehrheit
herrschte (1919-34) und mit einer umfassenden Sozialpolitik begann. Ein
wichtiger Teil dieser Sozialpolitik war Kinder- und Jugendfürsorge, was sich im
Bau von Kindergärten, Horten und eben Spielplätzen zeigte.
Aus dokumentarischer Sicht hat Zimpel hier demnach eine sehr frühe Ansicht auf
einen Wiener Spielplatz festgehalten. Bei den umgebenden Gebäuden dürfte es
sich vor diesem Hintergrund um Gemeindebauten halten, auf deren Grünflächen
oftmals Spielplätze errichtet wurden.
Der Künstler selbst war das älteste von vier Kindern des Privatbeamten
Julius Zimpel (1865 Wien – 1930 ebd.) und dessen Frau Johanna, geb. Klimt (1873
Wien – 1950 ebd.). Seine Mutter war eine jüngere Schwester des großen und
damals bereits bekannten Jugendstil-Künstlers Gustav Klimt (1862 Baumgarten –
1918 Wien). Und eben durch seinen Onkel Gustav Klimt erhielt er die ersten
künstlerischen Anregungen.
Hierauf schloss sich ein Besuch der Allgemeinen Abteilung der
Kunstgewerbeschule (bei Rudolf Cižek, Anton von Kenner, Adolf Böhm, Alfred
Roller, Oskar Strnad und Rudolf von Larisch) (1911-14), sowie ein Besuch der
dortigen Fachklasse für Malerei (bei Kolo Moser) (1914-16) an.
In den folgenden Jahren übernahm Zimpel Lehrtätigkeiten an dieser Schule, sowie
an der Fortbildungsschule für Juweliere.
Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er auch für die „Wiener Werkstätte GmbH
(WW)“ und entwarf u. a. Bucheinbände, Stoffe, Glasdekor, Keramiken, Metallgegenstände, Elfenbein,
Spielzeug.
Mitte 1923 wurde er nach dem Tod von Dagobert Peche (1887-1923) zum
künstlerischen Leiter der “Wiener Werkstätte” ernannt. Nur etwa zwei Jahre
später verstarb Julius Zimpel mit nicht einmal 30 Jahren an einer
Gehirnentzündung.
Das Schaffen von Julius Zimpel umfasst neben Zeichnungen, Druckgrafiken, Buchillustrationen, Entwürfen für verschiedenste Bereiche der “Wiener Werkstätte”, auch Gemälde und Aquarelle. Gerade aufgrund der nur kurzen Lebens- und Schaffenszeit ist das Œuvre von Zimpel nicht sehr groß.
In der Zeitschrift “Kunstchronik und Kunstmarkt” findet sich im Nekrolog der folgende Auszug, was zugleich die Bedeutung aufzeigt, die Zimpel damals bereits hatte:
“Am 11. August ist der Wiener Graphiker und Maler Julius Zimpel, der zuletzt als Nachfolger Dagobert Peches der künstlerische Leiter der Wiener Werkstätte gewesen war, im Alter von 29 Jahren an einer Kopfgrippe gestorben. Sein vorzeitiger Tod, der sich dem frühen Sterben seines Vorgängers und Egon Schieles anreiht, wirkt erschütternd als persönliches Schicksal und als Symbol der kurzlebigen, sich in Jünglingshast ausgebenden Wiener Kunst. Vor seiner letzten Wirksamkeit für alle Arten des Kunstgewerbes […] hat Zimpel sich hauptsächlich als Buchkünstler betätigt. […] Die Einheit von Schrift und Bild, sehr im Sinne der bibliophilen Entwicklung von heute gelegen, hat die ‘Zimpel-Bücher’ zu einer Spezialität innerhalb der modernen künstlerischen Buchproduktion gemacht.” [1]
Nach dem Tod des Künstlers war es vor allem Otto Nirenstein (1894–1978), Gründer der “Neuen Galerie”, der Zimpel bereits zu Lebzeiten unterstützte und, der nun seine Witwe in ihren finanziellen Nöten half. Nierenstein organisierte noch im Jahr des Todes eine Gedächtnisausstellung, hielt Kontakt zu der “Wiener Werkstätte”, um dort die Künstlerwitwe in Fragen von Unterstützung zu vertreten und suchte Sammler für Zimpels Werke.
Zumeist finden sich von dem Künstler Exemplare seiner beachtlichen Druckgrafiken, welche aber mitunter auch erst posthum aus dem Nachlass heraus gedruckt wurden. Diese verhältnismäßig große Farbkreidezeichnung ist ein sehr schönes, wie auch seltenes Beispiel für das freie Kunstschaffen von Julius Zimpel. Neben der urbanen Thematik ist besonders hinzuweisen auf das Kolorit der unteren Bildhälfte. – Die Wiesenfläche mit ihren grünen, rötlichen und gelben Partien wirkt locker bewegt und zart, während die Figuren in ihrer deutlich kräftigeren Ausführung ganz expressiv, großstädtisch erscheinen.---
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[1] H. T. (Autorenkürzel)
(1925): Nekrolog. Julius Zimpel, in: Kunstchronik und Kunstmarkt. Wochenschrift
für Kenner und Sammler, Jg. 59, Heft 23, S. 379.
Zu Julius Gustav
Leo Zimpel (30.08.1896 Wien – 11.08.1925 ebd.):
Maler, Zeichner,
Grafiker, Illustrator, Kunstgewerbler.
Sohn des
Privatbeamten Julius Zimpel (1865 Wien – 1930 ebd.) und dessen Frau Johanna,
geb. Klimt (1873 Wien – 1950 ebd.)
Sein Bruder Gustav
Zimpel (1904 Wien – 1957 ebd.) war Entwerfer für die Wiener Werkstätten. Sein
Onkel mütterlicherseits war der Künstler und bekannteste Vertreter des Wiener
Jugenstils Gustav Klimt (1862 Baumgarten – 1918 Wien).
Gustav Klimt war
Trauzeuge der Eltern und später zudem Taufpate von Julius Zimpel.
Durch seinen Onkel
Gustav Klimt erhielt er die ersten künstlerischen Anregungen.
1911-14 Besuch der
Allgemeinen Abteilung der Kunstgewerbeschule (bei Rudolf Cižek, Anton von
Kenner, Adolf Böhm, Alfred Roller, Oskar Strnad und Rudolf von Larisch).
1914-16 Besuch der
dortigen Fachklasse für Malerei (bei Kolo Moser).
1916-17 Lehrer an
der Fachlichen Fortbildungsschule für Buchbinder.
Ab 1917 Lehrer für
Fachzeichnen und Modellieren an der Fortbildungsschule für Juweliere.
Nach dem Ersten
Weltkrieg arbeitete er auch für die „Wiener Werkstätte GmbH (WW)“ und entwarf
u. a. Bucheinbände, Stoffe, Glasdekor, Keramiken, Metallgegenstände, Elfenbein,
Spielzeug.
Mitte 1923 wurde
er in der Nachfolge von Dagobert Peche (1887-1923) zum künstlerischen Leiter
der “Wiener Werkstätte” ernannt.
Julius Zimpel
starb an einer Gehirnentzündung.
Nach seinem Tod
lebte seine Witwe Henriette (Etta) Zimpel in argen finanziellen Nöten.
Unterstützung fand sie bei Otto Nirenstein (1894–1978), Gründer der “Neuen
Galerie”.
“Der als introvertiert und weltabgewandt beschriebene Künstler beherrschte diverse Techniken wie Lithographie, Kupferstich, Holzschnitt und entwickelte die Radierung auf Stein. Stilistisch bewegen sich die Illustrationen zwischen mittelalterlicher Miniaturmalerei und Expressionismus, auch die Neue Sachlichkeit lässt sich in seinem Werk festmachen.” (Anne-Katrin Rossberg)
Paul Westheim beschreibt Zimpel in einem Nachruf als “einer der feinsten und begabtesten unter den jungen österreichischen Künstlern”.
Illustrationen / Buchschmuck: Ab 1911 schuf er „persönliche Bücher“, mit handgeschriebenen Texten und gemalten / gezeichneten Illustrationen. 1920 Egon Friedell „Die Judastragödie“, Wien et al.: Ed. Strache; 1920 Honoré de Balzac “Der Succubus”, Wien et al.: Ed. Strache; 1920 Hans Rudelsberger “Chinesische Schwänke”, Wien: Kunstverlag Anton Schroll & Co.; 1920 E. A- Reinhardt “Die unendliche Reihe”, Wien et al.: Ed. Strache; 1920 Hugo Sonnenschein “Erde auf Erden”, Wien et al.: Ed. Strache; 1920 Hans Adler “Affentheater. Gedichte”, Wien et al.: E. P. Tal & Co.; 1921 “Der fahrend Schüler im Paradeis. Ein kurzweilig Fastnachtsspiel von Hans Sachs aus Nürnberg”, Wien: Rikola; 1921 “Das Buch Jona”, Wien Verlag Neue Graphik; 1921 “Katalog der Internationalen Schwarz-Weiss Ausstellung Salzburg, Wien: Verlag Neue Graphik; 1921 Curt Corrinth “Mo Marova. Ein Legendenbuch aus dem Jahre 2020”, Wien et al.: Ed. Strache; 1921 Wieland, Goethe, Novalis “Romantische Märchen”, Wien: Kunstverlag Anton Schroll & Co.; 1922 Josef Körner (Hrsg.) “Die Schachtel mit der Friedenspuppe, Wien et al.: Ed. Strache; 1922 “Ain Lobspruch der haubtstat Wien in Oesterreich”, Wien: Rikola; 1922 Max Roden “Erlösendes Lied. Gedichte”, Wien: Amalthea Verlag; 1922 “Die Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini”, Wien: Verlag Neue Graphik; 1922 Christoph Martin Wieland „Don Sylvio von Rosalva“, Wien: Kunstverlag Anton Schroll & Co.; 1922 E. T. A. Hoffmann “Das Majorat”, Wien: Kunstverlag Anton Schroll & Co.; 1923 Marschall von Richelieu „Denkwürdigkeiten höfischer Galanterie”, Wien et al.: Ed. Strache; 1923 Ernst Roenau „Die Josephslegende“, Wien und Leipzig: Verlag der Gesellschaft für graphische Industrie; 1923 Karl Emil Blümml “Aus Mozarts Freundes- und Familienkreis”, Wien Ed. Strache; 1923 Max Glass “Don Juans Puppen”, Potsdam: Kiepenheuer
Ausstellungen: 1919 „Haus der jungen Künstlerschaft“, Wien; 1919-21, 1969 Ausstellungen der Gruppe “Der Wassermann”, Salzburg; 1920 Kunstschau der Wiener Werkstätte, Wien; 1920 Einzelausstellung, Galerie Miethke, Wien; 1920 „36. Ausstellung des Hagenbundes“, Wien; 1921 Einzelausstellung, Galerie Würthle & Sohn, Wien; 1922 Deutsche Gewerbeschau, München; 1924 Jubiläumsausstellung des Wiener Kunstgewerbevereins, Wien; 1925 „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes”, Paris; 1925 Gedächtnisausstellung, Neue Galerie, Wien; 1926 “Internationale Ausstellung moderner künstlerischer Schrift”, Österreichisches Museum für Kunst und Industrie, Wien; 1926 47. Jahresausstellung im Künstlerhaus, Wien; 1927 Internationale Buchkunstausstellung, Wien; 1930 “Die Kunst in unserer Zeit”, Wien; 1934 “Das Plakat in unserer Zeit”, Wien; 1975 „Die Wiener Landschaft im Aquarell“, Wien Museum; 1976, 2014 Einzelausstellung, Galerie 16, Wien; 1994 “75 Jahre Wassermann”, Carolino Augusteum, Salzburg; 2012 “Julius Zimpel: die Traumwelten eines kurzen Lebens”, Galerie 16, Wien
Sammlungen: Queensland Art Gallery (QAG), South Bank, Brisbane, Queensland, Australien; Art Institute, Chicago; Carolino Augusteum, Salzburg; Smithsonian Institution, Washington, D. C.; Backhausen-Archiv (Dauerleihgabe im Leopold-Museum), Wien; Archiv der Wiener Werkstätte; MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien; Österreichische Galerie Belvedere, Wien; Albertina, Wien; Wien Museum; Österreichische Nationalbibliothek, Wien
LITERATUR: Jesina, Alexander (Galerie 16) (2012): Julius Zimpel. Die Traumwelten eines kurzen Lebens [Ausstellungskatalog], Wien: Galerie 16 --- Pappernigg, Michaela (Bearb.) (2001): Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Bd. 4: S-Z, Wien, S. 275 --- Richter, Elisabeth: Julius Zimpel, in: „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion --- Rossberg, Anne-Katrin (2022): Julius Zimpel, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Bd. 16 (Lfg. 73), S. 549 --- Sennewald, Adolf (1999): Deutsche Buchillustratoren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Materialien für Bibliophile, Wiesbaden: Harrassowitz, S. 255f.























