Angeboten wird eine frühe Zeichnung von Eric Johansson
TITEL: ohne Titel [recto – Studie eines stehenden männlichen Aktes, links unten das skizzierte Bildnis eines alten Mannes mit Hut, rechts unten erotische Zeichnung eines Paars (im Hintergrund zwei Hunde) / verso – sitzender männlicher Akt]
TECHNIK: Kreide auf Zeichenpapier
JAHR: undatiert [um 1915-20]
SIGNATUR: unsigniert, verso unten links Nachlassstempel
GRÖßE: 43,1 x 33,1 cm
ZUSTAND: insgesamt gerade in den Randbereichen stärker lädiert; linker Rand mit kleineren Einrissen, sowie mittig ein etwas längerer Einriss (etwa 2cm); Ecke oben links mit Papierverlust; oberer Rand rechts mit kleinem Papierverlust; rechter Rand mit Knickspuren und Einrissen, sowie oben mit zwei längeren Einrissen (etwa 3 bzw. 4cm), sowie unten mit Einriss (etwa 2cm); unterer Rand links mit leichtem Papierverlust; recto & verso insgesamt leicht (stock-)fleckig und etwas nachgedunkelt; leichte Druckstellen im Blatt
Zu Eric Johansson
(29.04.1896 Dresden – 04.06.1979 Täby (bei Stockholm)):
Maler, Zeichner,
Grafiker.
Sohn schwedischer
Eltern, wuchs aber bei einem Ziehvater, dem Steinmetz Robert Schäfer (?-1940),
in Dresden auf.
1912–20 Studium an
der Kunstakademie Dresden (bei Otto Gussmann, Robert Sterl, Oskar Zwintscher,
Carl Bantzer und Ludwig von Hofmann).
Während dem
Studium gehörte er zusammen mit u. a. Edmund Kesting dem Revolutionären
Studentenrat an.
Nach dem Studium
war er freischaffender Künstler in Dresden.
Künstlerfreundschaft
mit Otto Griebel, beide nahmen 1923 als aktive Kommunisten am Kongress der
Internationalen Arbeiterhilfe in Weimar teil.
1924 schuf er eine
Lithografie zu dem Mappenwerk “Hunger” der “Internationalen Arbeiterhilfe”
(AIH).
Mit Otto Nagel
gehörte Johansson 1924-25 für die AIH zu den Organisatoren der "Ersten
Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung" in Moskau, Leningrad und Saratow.
Während des
damaligen Moskau-Aufenthalts traf er auch Hồ Chí Minh, den er dort
porträtierte.
6. April 1926
Heirat mit Greta.
Während der
Weltwirtschaftskrise arbeitete er in der Tiefbaufirma seines Pflegevaters und
konnte nur reduziert künstlerisch wirken. Ab 1926 war er Teilhaber der Firma.
Ab 1933 war
Johansson sowohl aufgrund seines kommunistischen Engagements wie auch deswegen,
da seine Frau Jüdin war, von Repressionen bedroht. Zugleich erhielt er als
Kommunist im einsetzenden Bauboom keine öffentlichen Aufträge.
1934 Reise nach
Stockholm. Nach seiner Rückkehr findet eine Hausdurchsuchung durch die Gestapo
statt bei der eigene künstlerische Werke, sowie zahlreiche Bücher beschlagnahmt
werden.
1937 wurden zwei
Gemälde aus dem Dresdner Stadtmuseum als “entartet” beschlagnahmt. In demselben
Jahr wurde eines der Gemälde bei der Ausstellung zur “Entarteten Kunst” in
München gezeigt.
1938 wurde er vier
Monate inhaftiert, da er sich zwei Jahre zuvor während eines Restaurantsbesuchs
an der Bürgerwiese abfällig über Hermann Göring äußerte, woraufhin er
denunziert wurde.
Nach 14 Tagen wird
er versehentlich freigelassen und flieht sofort zusammen mit seiner Frau über
die Tschechoslowakei, Polen, das Baltikum und Finnland nach Schweden.
Im März 1939 kehrt
seine Frau Greta kurzzeitig nach Deutschland zurück, um dort finanzielle
Angelegenheiten zu regeln. Als sie zurückkehrt nimmt sie Eric Johanssons
Pflegevater, den greisen Robert Schäfer, mit nach Schweden, wo dieser 1940
verstirbt.
Nach 1945 war er
Künstler in Täby-Lövbrunna und betrieb dort zudem ein chemisches Labor.
April 1947 Tod der
Ehefrau Greta.
1950 zweite Heirat
mit seiner früheren Geliebten Tilde, geb. Able (?-1994).
Eric Johansson schuf insbesondere figürliche Kompositionen, Portraits, dörfliche Ansichten und Landschaften. Sein Frühwerk zeigt sich noch stark von verschiedenen Strömungen der Moderne (Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Verismus) geprägt. Im späteren Schaffen fand er zu einem eigenen expressiv realistischen Ausdruck.
Mitgliedschaften: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) (Austritt 1925); ab 1924 kommunistischer Künstlerbund „Rote Gruppe“; „Zentralkomitee der kommunistischen Künstlerhilfe“; „Gesellschaft der Freunde des neuen Russlands“
Einzelausstellungen: 1966 Stadtmuseum Greifswald; 2015 Eksjö Museum, Eksjö
Preise / Ehrungen: 1973 kommunaler Kunstpreis von Täby
Sammlungen: Stadtmuseum Dresden; Galerie Neue Meister, Dresden; Sammlung Memoria – Thomas B. Schumann, Hürth; Sammlung Dr. Gerhard Schneider, Olpe
LITERATUR: Hoffmeister, Christine / Suckow, Christian (Hrsg.) (1978): Revolution und Realismus revolutionäre Kunst in Deutschland 1917 bis 1933, Berlin: Staatliche Museen zu Berlin, S. 46 --- Jessewitsch, Rolf / Schneider, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne, Bönen: Kettler, S. 493 --- Papenbrock, Martin (Hrsg.) (1996): „Entartete Kunst“, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945. Eine kommentierte Bibliographie], Weimar: VDG, S. 474 --- „Artists of the World (AOW) / Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion























