Angeboten wird eine Zeichnung von Theodor Brün
TITEL: „Lt. [Leutnant] Schoenhals[?]“ [so unten links bezeichnet]
TECHNIK: Tuschfeder (teilweise grau laviert) auf leichtem, sandfarbigem Karton, in Passepartout
JAHR: unten rechts datiert „[19]18“
SIGNATUR: unten rechts signiert „Brün“
GRÖßE: 22 x 16,8 cm (Blatt) bzw. 50 x 40 cm (Passepartout)
ZUSTAND: Blatt verso am oberen Rand befestigt in Passepartout; Ecken schwach bestoßen; verso leicht farbfleckig; Passepartout verso unten links in Grün nummeriert
---1911-12 konnte Theodor Brün die Radierklasse von Peter von Halm in München besuchen, zog dann aber zurück zu seinen Eltern und widmete sich selbst der künstlerischen Ausbildung. Unterbrochen wurde dieser Abschnitt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, den der Künstler in Polen, Frankreich und Galizien als Soldat miterlebte. Während dieser Zeit entstanden zahlreichen Zeichnungen von Soldaten und Landschaften. Überaus trefflich würdigt Paul Drücke das damalige zeichnerische Schaffen wie folgt:
“Der Soldat [i. e.
Theo Brün] hat offenbar in jeder freien Stunde gezeichnet. Es gibt Hunderte von
Federzeichnungen aus Polen und Frankreich, Landschaften, […], vor allem aber
Darstellungen des Lebens im Unterstand, wo sich die Kameraden die langen Wartezeiten
zwischen den Kämpfen mit verschiedenen Beschäftigungen zu vertreiben suchen.
Die meisten dieser Zeichnungen sind vollkommen durchgearbeitet, durch Tausende
von Federstrichen etwas das Dunkel im Unterstand vergegenwärtigend, aus dem die
vom Kerzenschein erleuchteten Gesichter der Schreibenden oder Lesenden
auftauchen. Es ist verwunderlich, wie ein vom Stellungskrieg Belasteter die
physische und vor allem die geistige Kraft dazu aufbringen konnte.
In mehrerer
Hinsicht ist es bezeichnend, daß es keine einzige Darstellung des Kampfes oder
des grauenvollen Danach gibt.” [1]---
_________________________________
[1] Paul Drücke:
Vorwort, in: Theodor Brün. Aquarelle, Graphiken und Plastiken.
Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag [Katalog, Sparkasse Hagen, 21. Mai
bis 7. Juni 1985), o. V., unpag. [S. 3-10 [hier: 6]].
Zu Theodor (Theo)
Friedrich Heinrich Brün (18.09.1885 Hamm – 04.08.1981 Hagen):
Maler, Zeichner,
Grafiker, Bildhauer.
Theo Brün war das
älteste von insgesamt neun Kindern. Sein Vater war Kaufmann, doch hatte dieser
nicht immer eine glückliche Hand, so dass die Familie oftmals finanzielle Not
hatte, die zu mehreren Umzügen zwang. – Von Hamm 1892 nach Essen, 1895 weiter nach
Rellinghausen, um 1900 nach Dillenburg, 1911 nach Hagen und 1920 nach
Hagen-Emst.
Nach seinem Abitur
1905 beginnt Brün – mit Unterstützung eines Onkels – ein Jurastudium in
München, das er aber nach Kurzem nur noch der Form halber behält, um sich der
Kunst zu widmen und an der dortigen Kunstakademie zu studieren. Wenig später
reiste er nach Paris und besuchte dort die Académie Julian. Der unterstützende
Onkel erfährt von diesem Sinneswandel zur Kunst und versagt ihm weitere
Förderung. Mit Hilfe seines Zwillingsbruders konnte Brün im Winter 1911/12 die
Radierklasse von Peter von Halm besuchen. Brün zog wieder zurück zu seinen
Eltern und arbeitet an seiner eigenen künstlerischen Ausbildung, was dann durch
den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen wird. Der Künstler erlebt den
Krieg in Polen, Frankreich und Galizien und hält dabei zahlreiche Erlebnisse
und Eindrücke zeichnerisch fest.
Die ersten Jahre
nach dem Krieg waren von finanzieller Not bestimmt, doch erhielt er auch erste
Aufträge als Künstler wie die Illustration von Tolstois Geschichten für den
evangelischen Furche-Verlag (Berlin).
Im November 1928
heiratet er die Lehrerin Carla, die fortan maßgeblich zum Lebensunterhalt
beiträgt. In demselben Jahr hat er einen wichtigen Studienaufenthalt in Paris.
1931 gestaltet er
das Ehrenmal in der Kirche in Traben-Trarbach und in den folgenden Jahren kommt
es zu weiteren Aufträgen sowie auch zu Ausstellungen und
Ausstellungsbeteiligungen.
Im Dritten Reich
werden vor allem seine Menschendarstellungen kritisch betrachtet und
diffamiert, was schließlich 1937 auch zur Beschlagnahme von drei Skulpturen und
drei Aquarellen in Hagen und Hamm als „entartet“ führte.
Ausstellungsmöglichkeiten brachen weg und Aufträge verebbten. Erneut hatte die
Familie finanzielle Not, was Brün dazu veranlasste bei Kriegsbeginn in das Heer
einzutreten. „Er wird noch im Ausbildungslehrgang wegen politischer
Unzuverlässigkeit nach Hause geschickt“ (Paul Drücke). Bis 1945 konnte die
Familie vor allem durch die Unterstützung der „Caritas-Lichtbild-Gesellschaft“
und deren Illustrationsaufträgen überleben.
Als wenige Jahre
nach dem Krieg insbesondere die Abstraktion im Kunstbereich gewünscht wurde,
konnte Brün nicht mitgehen und geriet ins Abseits, was erneut zu finanzieller
Not führte und die Ehefrau zu erneutem Eintritt in den Schuldienst zwang. Ohne
Zweifel belegt auch dies die große Liebe der Ehefrau und das überzeugte
Interesse dieser am Schaffen ihres Ehemanns.
Einzelausstellungen (Auswahl): 1930 Märkisches Museum, Witten; 1933 Kunstverein Münster; 1935 Carl Ernst Osthaus-Museum, Hagen; 1936 Stadtmuseum Wuppertal; 1979 Gustav Lübcke Museum, Hamm; 1985 Sparkasse, Hagen; 1995 Museum Stellingwerff-Waerdenhof, Hasselt/Limburg
Sammlungen: Carl Ernst Osthaus-Museum, Hagen; Gustav Lübcke Museum, Hamm
LITERATUR: Wille,
Hans: Theodor Friedrich Heinrich Brün, in: „Artists of the World (AOW) /
Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, De Gruyter-Verlag, Onlineversion --- Drücke,
Paul: Vorwort, in: Theodor Brün. Aquarelle, Graphiken und Plastiken.
Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag [Katalog, Sparkasse Hagen, 21. Mai
bis 7. Juni 1985), o. V., unpag. [S. 3-10]

















