Paul Thiem (1858 - 1922): "Winterlandschaft mit zugefrohrenem
See", entstanden 1912, Öl auf Leinwand, Bild-Format ca. 42 x 58 cm, signiert mit
Jahresangabe unten links, rückseitig auf Leinwand wohl vom Künstler
mit Bleistift handschriftlich bezeichnet: "Paul Thiem Starnberg",
sowie betitelt: "Am Eisweiher"original Leinwand und Keilrahmen; das
Gemälde befindet sich in einem besonders guten Erhaltungszustand.
(siehe Abbildungen)
Das Gemälde ist eine der seltenen im Münchner Umland entstandenen
Winterlandschaften des Malers.
*) Paul Thiem (2. Februar 1858 Berlin - 18. September 1922 Starnberg), studierte, nachdem
er bereits durch seinen Vater dem bedeutenden Berliner Sammlers Adolf Thiem mit
Werken der Barbizon-Schule in Berührung kam, Kunstgeschichte in Leipzig, Heidelberg und
Berlin, wechselte jedoch nach einer nicht vollendeten Promotion 1882 an die Münchner Akademie.
Beraten von Carl von Piloty studierte er bei Ludwig von Löfftz, Nikolaus Gysis und Karl Raupp.
Seit 1886 war er in Starnberg ansässig. Ab 1890 hielt sich Thiem häufig in Dachau auf.
Neben der Malerei besaß Paul Thiem eine musikalische und auch eine literarische Begabung, was
eine Vielzahl von teils phantastischen, teils aphoristischen Schriften belegen.
Malt Paul Thiem anfänglich unter dem Einfluss seiner Akademielehrer noch in deren Stil verhaftet,
wandelt sich seine Malerei unter dem Einfluss Arnold Böcklins ins Mythologische, Märchenhafte
und auch Dämonische - später unter dem Einfluss des Impressionismus jedoch in eine tonale unter
farblicher Akkordbildung aufgebaute atmosphärische, in impressionistischen Lichtern aufgelöste
Landschaftsmalerei.
Werke von Paul Thiem befinden sich im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Neue
Pinakothek München sowie in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München und der Gemäldegalerie
Dachau.
Literatur und Quellen:
Gemäldekataloge Bayerische Staatsgemäldesammlungen Neue Pinakothek München.
Deutsche Künstler von Marées bis Slevogt, Bd. 3, S. 159 f.;
Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 29; Bruckmanns Lexikon der Münchner Kunst- Münchner Maler
des 19. Jahrhunderts, Bd. 4, S. 250; Kat.-Mus. Dachau 1985, S. 63, 236; Kat.-Mus. Dach 1993, S. 119. f.;
G. Muschner, Paul Thiem. In: Zeitschrift für bildende Kunst 19, 1908, S. 18 - 23;
A. Spier, Paul Thiem. In: Die Kunst unserer Zeit 19, 1908, S. 117 - 136;
R. Braungart, Paul Thiem. Zu seinen Städten und Landschaftsbildern. In: Westermanns Monatshefte 60,
120, Juli 1916, S. 589 - 602; H. Thode, Paul Thiem und seine Kunst. Ein Beitrag zur Deutung des Problems:
Deutsche Phantastik und deutscher Naturalismus. Berlin 1921;
Uhde-Bernays, 1921, S. 154; Uhde-Bernays 1927, S. 211;
Das Gemälde zeigt in seinem überaus impressionistischen Darstellung
den Blick in eine winterliche, tief verschneite hügelige Landschaft
mit teils zugefrohrenem See im Münchner Umland bei einer idyllisch
gelegenen alten Fabrik. Bei stimmungsvollem frühabendlichem Licht
ist dabei ein Mann unterwegs, wohl auf dem Weg zur Arbeit.