eine historische, humoristische Speise und Getränkekarte der ehemaligen Düsseldorfer Gaststätte „Zum Wilddieb“ an der Hohe Ecke Bastionstraße.

Mit den angegebenen Maßen von 31 x 14 cm handelt es sich um eine ausgeklappte Werbe beziehungsweise Speisekarte aus den frühen 1970er Jahren. Die Datierung ergibt sich unter anderem aus den aufgeführten Weinjahrgängen 1970, 1971 und 1972.

Die dreiteilige Klappkarte ist vollständig im typischen derben und humoristischen Stil des Lokals gestaltet.

Auf der Außenseite steht links:

„Das Fangen von Schmetterlingen und VÖGELN ist in diesem Lokal verboten. Der Wirt“

Darunter befindet sich eine Weinauswahl mit Preisen, darunter:

1970 er Rüdesheimer Rosengarten, naturrein Kellerabzug

1971 er Zeller schwarze Katz, Kabinett, Qualitätswein Prädikat

1971 er Ürziger Schwarzlay, Spätlese, Qualitätswein Prädikat

1972 er Ichtenberger Weißherbst, Qualitätswein b. A.

Außerdem sind unter anderem Henkell Pikkolo, Henkell Trocken, Söhnlein Fürst von Metternich und Charles Heidsieck aufgeführt.

In der Mitte steht groß:

„Idiot!“

darunter:

„Nur bei Brandgefahr!“

und:

„Der Wilddieb“

Auf der rechten Außenseite steht:

„Diese Karte ist gestohlen in der Gaststätte zum Wilddieb“

Dazu ist das Logo des Lokals mit der Bezeichnung:

GASTSTÄTTE ZUM WILDDIEB

Bes. Bob Nagler

DÜSSELDORF

HOHE ECKE BASTIONSTRASSE

abgedruckt.

Daneben befindet sich der humoristische Text:

„Hat es Ihnen bei uns gefallen, dann besuchen Sie uns bald wieder, hat es Ihnen nicht gefallen, dann schicken Sie Ihre Verwandten.“

Außerdem steht:

„Ein Tritt frei“

sowie:

„Bei Brandgefahr bitte Rückseite lesen!“

Die Innenseite enthält eine umfangreiche Getränke und Speisekarte.

Unter der Überschrift:

„Jet zu Suffe!“

finden sich zahlreiche humoristisch benannte Getränke, darunter:

Berliner Weisse nicht nur für Flüchtlinge

Krug Düssel Alt Darmwohl wer nie konnte, kann

Krug Hitdorfer Pils für strebsame Arbeitslose

Bommerlunder für Kümmeltürken

Steinhäger Quasselwasser

Dornkaat gibt Mut für späte Heimkehrer

Malteserkreuz Aquavit

Cognac Napoleon reizt die Zunge

Campari für Papagalli

Himbeergeist gegen Schweißfüße

Kirschwasser für Spezialisten

Original Wodka Russischer Blasentee

Williams Birne gibt weder Glatze noch Wasserkopf

Pernod überwindet Schüchternheit

Schwarzer Kater für die Katz

1 Lufthansa Cocktail für den, der in die Luft gehen will

Gin Tonic für abgeklärte Barbesucher

Grog von Rum macht auch den Kalten warm

Doppelter Whisky für Wirtschaftswunder Kinder mit Soda oder Cola

Im mittleren Bereich folgen weitere Getränke unter „Jet zu Suffe!“, darunter:

Kosaken Kaffee für Herrenreiter

Underberg für Damen mit Bauchweh

Jägermeister für Schürzenjäger

Kirschlikör für Tante Eulalia

Curacao Mövenschiß

Pfefferminz nur dann, wenn nichts mehr hilft

Escorial brennende Liebe

Kalte Pflaume für Hitzköpfe zur Abkühlung

Warme Pflaume für Abgeklärte

Puschkin nackt oder mit Kirschen

Embryo vom Huhn Eierlikör

Anienheller Spätlese Sprudel

Pokal Johannisbeersaft wirkt wie Rhabarber

Negersekt Coca Cola

Ein Pokal Orangensaft zieht die Backen zusammen

1 Pokal Mosel macht lustig

1 Pokal Rotwein erzeugt rote Backen nach längerem Sitzen

1 Glas CINZANO FÜR STADSTREICHER

1 Glas Sekt

1 Pikkolo für liebende Anfänger

1 Flasche Henkell oder MM für Liebende

1 Pott Kaffee unverzollt und gestohlen

Sekt Orange

Sangrita

Darunter steht:

„Milch gibt’s nicht, unsere Kuh schläft“

Unter der Überschrift:

„Jet zu Esse!“

finden sich unter anderem:

Stachelditzkes in Öl

Eier von russische Hühner

Schweinearsch mit nem Spiegelei

Schweinearsch mit Kies

Käseschnittchen

Zigeuner Julasch met Brot

Sure Nierkes met Brot

Mansardenfilet hant mer net

Eisbein met Ädäppelschlaat

2 Schaschlik

Zuchthausforelle

Schildkrötensuppe

Elefantenschinken is kinne mie do

Außerdem steht der Hinweis:

„Nitrit und E 605 befinden sich nicht in unseren Speisen.“

Ganz unten befindet sich der Reim:

„Drücken Dich mal Sorgen nieder,
komm schnell zu Deinem Wilddieb wieder!
Hast Du die Sorgen dann verloren,
wankst Du nach Haus wie neugeboren!“

Ein sehr charakteristischer Werbe und Gastronomiebeleg aus der Düsseldorfer Altstadt der 1970er Jahre mit direktem Bezug zur Gaststätte Zum Wilddieb, Bob Nagler, Hohe Ecke Bastionstraße, rheinischem Kneipenhumor und zeitgenössischen Speise und Getränkepreisen.