Weihnacht 1893.
Wunderschöne, farbenprächtige Chromo-Lithographie von 1893.
Nach dem Originalgemälde von Fritz Reiß.
In der Platte signiert.
Mit Gedicht von Frida Schanz.
Größe 169 x 251 mm.
Mit minimalen Alterungs- und Gebrauchsspuren, auf der Rückseite am linken Rand ist die Papieroberfläche leicht abgeplatzt, sonst sehr guter Zustand.
Hervorragende Bildqualität auf Kunstdruckpapier – extrem selten!!!
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Geboren am 19. März 1857 in Düsseldorf; gestorben am 27. Februar 1915 in Kirchzarten. Reiss studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Müller und Heinrich Lauenstein. Anschließend war bis 1878 im lithographischen Betrieb seines Vaters in Düsseldorf tätig. Seit 1878 lebte er bis 1882 in Stuttgart, danach in Lahr (1882 bis 1886), Karlsruhe (1886 bis 1888), Leipzig (1888 bis 1892), dann wieder in Stuttgart und von 1899 bis 1908 in Freiburg im Breisgau. Reiss war Mitglied der 1899 gegründeten Künstlervereinigung „Breisgauer Fünfer“, deren Vorstand Hermann Dischler war. Er wohnte seit 1908 in Kirchzarten, schloss sich dort den Malern der sogenannten Gutacher Künstlerkolonie an. In seinen Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden hielt er das Land, und die Leute und Brauchtum des Schwarzwaldes erzählerisch-humorvoll fest, nicht ohne auf Sozialkritik zu verzichten. Er illustrierte zahlreiche Bücher, gestaltete Postkarten sowie Keramik. Illustrierte Werke (Auswahl) Was die Menschen treiben: ein Bilderbuch für Kinder von 6 - 10 Jahren von F. Erck. Ill. von Fritz Reiss. Leipzig: Meissner & Buch, 1889. Mikrofilm-Ausg., 1998. Spielereien für Kinder, vierzig in feinstem Farbendr. ausgeführte Bildchen von F. Reiß nebst vielen Verschen von Karl Thienemann. Eßlingen bei Stuttgart: Schreiber, ca. 1890. Vom lieben Christkind, Gedichte. Ill. von C. Junghändel und F. Reiß. Nürnberg: Jasper, um 1890. Das Cantate-Festmahl in Wort und Bild. Illustrationen von Fritz Reiss. Leipzig: Börsenverein der Deutschen Buchh., 1890. Aus Hänschens Jugendzeit ein Bilderbuch. Fritz Reiss. Mit Versen von W. Herbert. Eßlingen: Schreiber, 1892. Lustiges aus'm Schwarzwald v. Fritz Reiss; Text v. J. J. Hoffmann; u. H. Domsch. - Stuttgart; Leipzig; Berlin; Wien: Deutsche Verl.-Anst., 1894. Freytag’s Rhein-Album. In 24 Kunstblättern nach Original-Aquarellen von Fritz Reiss und P. Schmohl. Stuttgart: Freytag, ca. 1895. All Heil! Federzeichnungen von Fritz Reiß mit Versen von Ernst von Khuon. Lahr: 1885. Wie die Kinder spielen: ein Leinwandbilderbuch mit 8 feinen lackierten Bunt-Bildern und 6 reizend illustrierten Textseiten. Esslingen b. Stuttgart : Schreiber, 1896. Ernst von Wolzogen: Die Gloriahose. Beigefügtes Werk: 's Meikatel und der Sexack. Illustr. v. Fritz Reiss. Stuttgart: Krabbe, 1897. Paul Heyse: Fräulein Johanne. Beigefügtes Werk: Auf der Alm. Ill. von Fritz Reiß. Stuttgart: Krabbe, 1900. Elisabeth Müller: Die Fleißbildchen. Beigefügtes Werk: Das Milchmädchen von Bergach. Freiburg: Herder, 1901. Paul Heyse: San Vigilio: Novelle. Ill. von Fritz Reiss. Stuttgart, 1902. Paul Heyse:Tantalus: zwei Novellen. Ill. von René Reinicke und Fritz Reiss. Stuttgart: Krabbe, 1910. Elisabeth Müller: Ein Bubenstreich. Freiburg: Herder, 1912. Weihnachten 1915; Festgabe d. Daheim f. unsere Krieger. Mit e. Anzahl d. schönsten Weihnachtslieder. (Umschlagbild nach e. Entwurf von Fritz Reiß.) (Hrsg.: Hanns v. Zobeltitz, Paul Oskar Höcker u. J. Höffner). Bielefeld & Leipzig: Velhagen & Klasing, 1915. Peter Rosegger: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. Mit Bildern v. Fritz Winold Reiß. Hamburg: Verl. der Dt. Dichter-Gedächtnis-Stiftung, 1916. Frida Schanz (* 16. Mai 1859 in Dresden; † 17. Juni 1944 in Warmbrunn/Schlesien) war eine deutsche Jugendbuchautorin, Herausgeberin und Lehrerin, deren zahlreiche Veröffentlichungen aus dem Zeitraum zwischen 1885 und 1929 stammen. Schanz gehörte zu den beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen vor dem Ersten Weltkrieg. Leben Frida Schanz war die Tochter des Dichterpaares Julius Schanz und Pauline Schanz. Ihr Vater war im Bereich der Dichtung, sowie der Sagen und Märchen tätig, während ihre Mutter als Jugendbuchautorin tätig war. Schwarz besuchte eine Höhere Mädchenschule. In Dresden absolvierte sie eine Ausbildung am Lehrerseminar und wurde anschließend Lehrerin in Böhmen. In dieser Zeit begann sie selbst schriftstellerisch tätig zu werden. Schanz reiste unter anderem nach Odessa und Venedig. 1885 heiratete sie in Leipzig den Schriftsteller Ludwig Soyaux (1846–1905), der auch Redakteur der Zeitschrift Daheim war. In dieser Funktion hat sie manchen jungen Frauen zu ersten Veröffentlichungen geholfen, was seinerzeit noch unüblich war. Ab 1891 lebte das Paar in Berlin. 1895 begann sie gemeinsam mit Clementine Helm, den Almanach Junge Mädchen herauszugeben. Da Helm bereits im Folgejahr verstarb, führte Schanz das Projekt bis 1904 allein weiter. Über 30 Jahre, von 1895 bis 1926, publizierte sie das Jahrbuch Kinderlust. Nach dem Tod ihres Mannes 1905 arbeitete sie in der Redaktion von Daheim und als Lektorin bei Velhagen und Klasings Monatsheften. (Fridel, 1920) Insgesamt verfasste Schanz über 60 Werke, die sich an Kinder- und Jugendliche richten, wobei der lehrerhafte Ton und der betonte Patriotismus dem damaligen Zeitgeist entsprachen. Dabei war sie erstaunlich vielseitig, ihr Werk umfasst Kinderliteratur, Mädchenbücher, Erzählungen, Fabeln, Balladen, Märchen, Novellen, Lebenserinnerungen sowie Reisebeschreibungen und Sprüche. Von vielen ihrer Bücher wurden zahlreiche Auflagen gedruckt, so dass bis heute antiquarisch zahlreiche Titel erhältlich sind. Ende der 1920er-Jahre wurden die „Frida-Schanz-Bücher“ vom Herausgeber Walther Günther Schreckenbach publiziert, die sich damals großer Beliebtheit erfreuten. Zu ihren zeitgenössischen Fürsprechern zählte unter anderem Hanns von Zobeltitz. Engel (lat. angelus, von altgriechisch ἄγγελος ángelos „Bote“, „Abgesandter“;[1] Übersetzung von hebr. מלאך mal'ach „Bote“) sind Geistwesen, die in den Lehren der monotheistischen abrahamitischen Religionen des Judentums, Christentums und Islams durch Gott geschaffen wurden und diesem untergeordnet sind. Das religiöse Verständnis von Engeln und ihrer Funktion und Ordnung ist weitgehend den alten religiösen Texten des Tanach, dem Alten und Neuen Testament sowie dem Koran entnommen. Neben den kanonischen Schriften treten als Quellen für die Vorstellungen von Engeln spätantike und mittelalterliche Heiligenlegenden, Homilien, Wundergeschichten und volkstümliches Erzählgut wie Sagen und Märchen auf. Verbreitet sind auch die zahlreichen Engelvorstellungen der Esoterik. Die Vorstellung eines geistigen Wesens neben dem Hauptgott oder den Hauptgottheiten ist im vorderasiatischen Kulturraum alt überliefertes Kulturgut. In den Mythographien Babyloniens und aus den heiligen Schriften des Zoroastrismus sind ähnliche Mittler zwischen Gottheit und Welt zu finden. Bildliche Darstellungen zeigen Engel meist als geflügelte Wesen. Mythische geflügelte Mischwesen im persischen Reich und die Darstellung altägyptischer Gottheiten zeigen Wesen, die zur sakralen göttlichen Sphäre gehören. Engelgestalten sind daher keine Vollgötter, sondern der Kategorie der Halbgottheiten zuzuordnen. Manchmal werden auch die in polytheistischen Religionen zu findenden gottgleichen, aber nicht göttlichen Wesen, die das Überirdische vermitteln können, mit Engel übersetzt oder verglichen, so z. B. Deva, die indischen Halbgötter und Gottheiten. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Engel jedoch Boten eines einzigen Gottes einer der monotheistischen Anschauungen. Ursprüngliche Engelsvorstellung Persien und Zoroastrismus Im Zoroastrismus, einer dominierenden Religion im persischen Reich, sind Yazata der obersten Gottheit beigestellte oder seine mit dem göttlichen Funken berührten Helfer. Malakhim sind Boten von Gottes sittlichem Willen an die Menschen. Die Vorstellung von solchen gottgesandten Helfern ist möglicherweise während des babylonischen Exils im Zuge der intellektuellen Analyse eines Weges zu Gott in das Judentum eingeflossen. Bildliche Darstellungen von geflügelten Gotteswesen sind durch Kontakte persischer mit griechischer und römischer Kultur bekannt. Mesopotamien und Altes Ägypten Die Beschreibung von geflügelten, göttlichen oder gottgleichen Wesen in den Kulten der Isis und des Osiris könnte ein Ursprung der Engelsdarstellung sein. Auch in den Kulturen von Mesopotamien ist die Vorstellung geflügelter Wesen als Mittler zwischen Göttern und Menschen zu finden. Mit Flügeln versehene Gottheiten oder Schutzgenien erscheinen in der Ikonographie der Religionen Mesopotamiens. „Engelsgleiche“ Darstellungen finden sich z. B. in den Königspalästen der Babylonier oder Assyrer in Ninive, Nimrud oder Dur Scharrukin. Griechische und römische Antike Der klassischen griechischen und römischen Kultur sind Engel als Mittler zu den Göttern unbekannt. Götter selbst greifen in das Leben der Menschen ein oder senden den Götterboten Hermes-Mercurius mit seinem Flügelhelm. Jedoch ging mit der Auseinandersetzung Griechenlands mit orientalischer, vor allem persischer Kultur die Vorstellung einer mit Vogelschwingen geflügelten Siegesgöttin Nike in den Olymp ein. Obwohl als Victoria dann auch in den römischen Kulturkreis gelangt und in modernerer Zeit zum Siegesengel mit Siegeskranz und Palmenzweig z. B. der Quadriga stilisiert, hatte die griechisch-römische Götterwelt wohl kaum Einfluss auf das Engelverständnis in der klassischen Antike, das weitgehend bis zur Christianisierung im europäischen Kulturraum oder dem Siegeszug des Islam in der arabischen Region seinen direkten Bezug zu den Engelvorstellungen des Orients beibehielt. Engel im Judentum Engel, hebr. מלאך mal'ach „Boten“, werden im Judentum durch Auslegung des Tanach und in langer Tradition meist als übernatürliche Wesen verstanden, die Gott im Himmel zur Seite stehen, aber streng von Gott (JHWH) zu unterscheiden und diesem untergeordnet sind. Sie können gelegentlich ausgewählten Menschen Gottes Willen und seine Anweisungen zu erkennen geben. Die Erscheinung von Engeln spielt schon in der Überlieferung der frühen Geschichte des Volkes Israel eine große Rolle. Verständnis von Engeln zieht mit der Tradition und geht in die anderen abrahamitischen Religionen ein. Jedoch wird im jüdischen Glauben an himmlisch-englische Wesen die komplexe Erklärung ihrer geistig-spirituellen Welt nicht durch ein genau zu definierendes Ordnungsschema regiert, wie es z. B. dann die Angelologie des frühen Christentums aufzubauen sucht. Engel im Christentum Engel hatten im Christentum von jeher eine hohe Bedeutung. In der Engellehre des Pseudo-Dionysius Areopagita spielt die hierarchische Ordnung der Engel eine große Rolle. Thomas von Aquin hat in seiner Summa Theologiae die Engellehre umfassend ausgeführt. Während die Verehrung der Engel im Katholizismus und den orthodoxen Kirchen bestehen blieb, stehen die reformierten Kirchen der Engellehre skeptisch bis ablehnend gegenüber. In den lutherischen Kirchen, insbesondere in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), wird aber der Gedenktag des Erzengels Michael und aller Engel gottesdienstlich begangen. Zudem enthält die evangelisch-lutherische Kirchenagende eine eigene Präfation für diesen Gedenktag. Außerkanonische Schriften (Henoch, Tobit) Beschreibungen von Engeln und Engellehren finden sich auch außerhalb der von jüdischen oder christlichen Autoritäten anerkannten Hauptschriften ihrer Religion. So ist z. B. das Buch Henoch, vermutlich aus dem 3. Jahrhundert vor Christus und eventuell auf älteren Quellen aufbauend, eine Chronik, die ausführlich über eine „Reise durch die zehn Himmel“ und über Engel, ihre Namen, ihre Aufgaben und ihre charakteristischen Eigenschaften berichtet. Die Chroniken von Henoch wurden vom Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert nach Christus zu Apokryphen erklärt und ihnen damit der Rang einer Heiligen Schrift aberkannt. Das deuterokanonische Buch Tobit, das vermutlich aus dem 2. Jahrhundert vor Christus stammt, beschreibt das Wirken des Erzengels Raphael. Art und Ordnung der Engel Die Bibel erwähnt verschiedene Arten von Engeln.[5] Sie stehen dort ohne eine klare Hierarchie, jedoch entwickelten Anhänger aller drei abrahamitischen Religionen Varianten von Engelhierarchien. Beherrscht werden die Hierarchien in allen diesen monotheistischen Religionen vom Schöpfergott. Ehrung von Engeln Anbetung kommt nach Aussagen der Bibel den Engeln nicht zu (Kol 2,18 EU, Offb 19,10 EU, 9 EU). Es wird gelehrt, dass die Heiligen (alle Gläubigen) die Engel richten werden (1 Kor 6,3 EU). Jesus lehrt, dass nach der Auferstehung die Menschen nicht mehr heiraten und nicht mehr sterben werden, sie werden den Engeln gleich sein (z. B. Lk 20,35–36 EU, Mk 12,25–27 EU). Geschlecht der Engel Oft werden Engel als geschlechtslose Wesen verstanden, obwohl zumindest einige von ihnen als Jünglinge oder junge Männer beschrieben werden, z. B. jene vom leeren Grab Jesu oder auch die in Sodom erscheinenden Engel des Alten Testaments. Während Sach 5,9 EU dahingehend interpretiert werden könnte, dass es auch weibliche Engel gibt, könnte 1 Kor 11,10 EU den Schluss zulassen, dass die männlichen Engel auch anfällig für die weiblichen Reize der irdischen Frauen im Gottesdienst seien. Der Mystiker Emanuel Swedenborg beschreibt in seinem Werk Die eheliche Liebe, dass aus der Seele eines Mannes und der Seele einer Frau durch die Ehe im Himmel ein geschlechtsloser Engel erschaffen wird. Der Auffassung von einer Sexualität der Engel und der auferstandenen Menschen, wie sie die Sadduzäer vermuten, lässt das Markusevangelium durch Jesus widersprechen: „Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr die Schriften nicht kennt? Denn wenn sie aus den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie die Engel im Himmel. Was aber die Toten betrifft, dass sie auferweckt werden: Habt ihr nicht im Buch Moses gelesen, wie Gott beim Dornbusch zu ihm redete und sprach: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Gott ist nicht Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt sehr.“ (Mk 12,25–27 EU) Angelologie in moderner Theologie Die traditionelle dogmatische Disziplin der Lehre von den Engeln (Angelologie) findet heute meist wenig Beachtung. Im 20. Jh. haben sich zum Thema u. a. Karl Barth, Karl Rahner, Leo Scheffczyk, Ludwig Ott, Herbert Vorgrimler, Thomas Ruster und Johann Ev. Hafner geäußert. Wilfried Härle schließt sich in seiner Dogmatik[6] Claus Westermann an: „Der Engel kommt ins Sein mit seinem Auftrag, er vergeht mit der Erfüllung seines Auftrags, denn seine Existenz ist Botschaft.“ Engel im Islam Engel, arabisch الملائكة al-Mala'ika sind im Islam die Boten, die den Propheten die Offenbarungen Gottes übermitteln (Sure 2:98–99). Der schon im vorislamischen Arabien existierende Glaube an Engel wurde in die Glaubensvorstellung des Islam integriert und Existenz und Glaube an Engel werden im Islam als wichtig eingestuft (Sure 4:136). siehe auch: Hafaza. Zu den bekanntesten namentlich erwähnten Engeln im Koran gehören: Gabriel (arab. Djibrîl), Michael (arab. Mîka'il oder Mîkal) zudem die Engel Israfîl und Azrael (arab.Izra'il) und die Grabesengel Munkar und Nakir. Die vier Engel Michael, Gabriel, Israfil und Izrail werden als Erzengel bezeichnet. Darüber hinaus erwähnt der Koran namentlich nicht näher bezeichnete Engel, wie die Wächter über Paradies und Hölle oder die Engel, die den Thron Gottes tragen. Sonstige religiöse Gemeinschaften und Rezeptionen Engellehre in der Anthroposophie Die Anthroposophie knüpft an die aus dem christlichen Mittelalter gewachsene Hierarchienlehre der Engel an. Die Theosophie stellt den Schöpfergott JHWH in die zweite Triade und gibt als sogenannte vierte Triade die Reihenfolge Mensch, Tier, Pflanze, Stein an. Der Mensch soll einmal zur zehnten Hierarchie werden, so Rudolf Steiner. Der Engel Moroni und das Buch Mormon Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“) versteht unter „Engel“ einen Boten Gottes. Dies kann der Geist eines noch nicht geborenen oder schon verstorbenen aber noch nicht auferstandenen Menschen sein, ein Auferstandener, seltener aber auch ein Mensch während seines sterblichen Lebens. Der Engel Moroni soll dem Begründer der Mormonen, Joseph Smith, erschienen sein. Die Kirche Christi mit der Elias-Botschaft geht auf das Buch Mormon zurück. Weiter ist für sie der auferstandene Johannes der Täufer als Engel zwischen 1927 und 1994 zwei Kirchenmitgliedern erschienen und hat „Das Wort des Herrn“ gebracht. Der Engel im New Age und Esoterik Einige moderne spirituelle Bewegungen bezeichnen in ihren Glaubenssystemen auftretende Wesen als Engel. In der Esoterik sind sie Wesen, die grundsätzlich von Menschen verschieden sind, da sie aus einem anderen Teil Gottes heraus geschaffen sind. Daher sind sie nicht in der Lage zu lügen und stehen dem göttlichen Gott näher und vollziehen dessen Willen. Sie können aber durch Gebete oder Gedanken um Hilfe gebeten werden, z. B. können sie durch Channeling oder im Direktkontakt Nachrichten mitteilen. „Gefallene Engel“ Luzifers In einem auf biblischem Engelsverstehen aufgebauten Höllenverständnis ist Luzifer, der Höllenfürst, ein gefallener Engel, der sich nicht mehr der göttlichen Herrschaft unterordnen wollte. Er soll ein Kontingent an „gefallenen Engeln“ mit sich genommen haben und diese regieren als Teufel und Satan. Dieses Konzept existiert in ähnlicher Form auch im Islam. Bildliche Darstellungen von Engeln Ein früher Bericht über die bildliche Darstellung von Engeln findet sich im Alten Testament (2 Chr 3,10–13 EU; Datum der Niederschrift ca. 5. Jh. vor Chr.). Zwei Engelsskulpturen (Cherubim) schmückten den Tempel Salomos. Größe und Bau werden genau beschrieben, die Engel sind mit Flügeln dargestellt. Die Darstellung von himmlischen Wesen mit angedeuteten oder tatsächlichen Schwingen findet sich schon in Bildern alt-ägyptischer, in der Regel weiblicher, Gottheiten. In dieser Art werden z. B. Isis und Nephthys dargestellt. Die Flügel sind meist nicht separat am Rücken, sondern in Form von Federreihen an den Armen angesetzt. Frühchristliche Kunst stellt Engel als Jünglinge und noch ohne Flügel dar. In den Bildern aus dem 3. Jahrhundert in den Priscilla-Katakomben Roms ist der „Bote Gottes“ nur aus dem Kontext der Figuren zu erkennen. Damit wird jede Ähnlichkeit mit den geflügelten Genien der Antike vermieden. Auch wenn durch christliche Schriftsteller dieser Epoche wie Tertullian Engel schon als geflügelte Wesen erwähnt werden, so beginnt die Kunst erst über hundert Jahre später, sie mit Flügeln darzustellen. Meist sind die Engel mit einer weißen Tunika bekleidet. Auch in der Gotik werden Engel in der abendländischen Kunst als Jünglinge dargestellt. Sie werden unter dem Einfluss byzantinischer Darstellung prachtvoller gekleidet oder tragen ein den Habit eines Mönchs. Es werden ihnen mächtigere Schwingen gegeben, ein Heiligenschein zeigt ihre Lichtgestalt an. In den Darstellungen zur Apokalypse sind Engel als Helfer beim Weltgericht vor allem in der Spätgotik zu finden, auch Darstellungen der Erzengel als kämpferische Schutzpatrone in zeitgenössischer Rüstung. In den vielfältigen Szenen der Renaissance mit der Verkündigung an Maria, die Mutter Jesu oder Weihnachtsszenen werden vor allem der Erzengel Gabriel oder Gruppen lobpreisender Engel dargestellt. Die im Stil der Epoche gemalten Engel sind z. B. durch die Bilder von Giotto und Raffaelo bekannt. Auch im Barock werden Engel weiter in ihrer Majestät prachtvoll dargestellt, es werden aber auch die auf hellenistische und byzantinische Vorbilder zurückgehende Kinderengel (Putten) sehr populär. Zumindest seit Caravaggio vermischen sich Engeldarstellungen mit der Art, wie schon in der Antike der Liebesgott Eros/Amor abgebildet wurde. Durch den Einfluss des Zeitalters der Aufklärung spielen Engel in der Kunst keine so große Rolle mehr. Engeldarstellungen haben eine lange Tradition und waren vor allem in der christlichen Ikonographie zu finden. Auch in alten Illustrationen aus islamisch geprägten Kulturen wurden Engel abgebildet. Vor allem seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geht man zudem immer mehr dazu über, die traditionell jünglingshafte Darstellungsweise zu verlassen und sie stattdessen eindeutig weiblich aussehen zu lassen. Zwerge ist eine Sammelbezeichnung für menschengestaltige, kleinwüchsige Fabelwesen des Volksglaubens, die meist unterirdisch in Höhlen, oder im Gebirge leben. Ihren Ursprung haben sie in der nordischen Mythologie. Häufig wird den Zwergen übermenschliche Kraft und Macht nachgesagt. Sie gelten als schlau und zauberkundig, bisweilen listig, geizig und tückisch, meist aber als hilfreich, und werden vor allem in späterer Zeit, in Märchen und Sage, als bärtige Männchen mit Zipfelmütze dargestellt. Sie treten vor allem als kunstreiche Schmiede auf, wobei der Begriff „Schmied“ (altnordisch: smiðr, isländisch: smiður) ursprünglich einen Handwerker bezeichnete, der sowohl mit Holz, als auch mit Metallen umzugehen verstand, allgemein einen Kunsthandwerker (vgl. auch Geschmeide), im übertragenen Sinn einen Künstler, Schöpfer (vgl. z.B. den „Reimschmied“). In Zeiten geringer Arbeitsteilung bauten die Schmiede die benötigten Erze oft selbst ab und verhütteten sie auch. Somit galten die Zwerge auch als tüchtige Bergleute und Metallurgen. Später übten sie darüber hinaus alle möglichen land- und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten aus und arbeiteten auch in „bürgerlichen“ Handwerksberufen, wie Schneider, Bäcker und Schuster. Im Gegensatz zu Kobolden, die als einzelnes Individuum an ein bestimmtes Haus, einen Ort, oder eine Familie gebunden sind, leben Zwerge in der Gesellschaft ihresgleichen, ganz ähnlich, wie Menschen: In archaischen Zeiten lebten sie in Sippen unter Anführern (z.B. Dvalins Schar), im Mittelalter hatten sie Könige (z.B. Laurin), später lebten sie auch in Städten (z.B. die Heinzelmännchen in Köln). Zwerge spielen auch in den Novellen und Belletristiken der deutschen Romantik eine Rolle. Bis heute sind die Sammlung von Volksmärchen durch die Brüder Grimm und die darin dargestellten Zwergenmotive weltweit prägend. Nicht minder prägend sind sich daraus ergebende neuzeitliche Rezeptionen aus dem 20. Jahrhundert, wie beispielsweise die Zeichentrickfilm-Adaption des Grimmschen Märchens Schneewittchen durch Walt Disney. Ebenso finden sich Zwerge in der modernen Fantasy-Literatur, hier unverkennbar beeinflusst von der Konzeption der Zwerge in J. R. R. Tolkiens Werken, vor allem im Herrn der Ringe. Barocke Skulpturen von Zwergen waren in Mitteleuropa vielfach als Teil von Barockgärten beliebt, so etwa in der Stadt Salzburg im Mirabellgarten. Aus der Verbindung solcher Darstellungen von Hofzwergen mit den Märchenzwergen entwickelten sich die heutigen Gartenzwerge. Etymologie Die germanischen Wörter für „Zwerg“ (althochdeutsch twerg, mittelhochdeutsch twerc / querh (Maskulin, Neutrum) zwerc, altsächsisch gidwerg (Neutrum), altnordisch dvergr, altenglisch dweorg, altfranzösisch dwerch, schwedisch dvärg, norwegisch dverg, dänisch dværg, niederländisch dwerg, englisch dwarf) weisen auf eine urgermanische Vorform *đwerʒaz hin. Eine etymologische Anknüpfung ist aber unsicher. Vielleicht steht es im Zusammenhang mit dem Verb trügen („Trugwesen“), vgl. ahd. gidrog („Gespenst“), auch altind. dhvaras („dämonisches Wesen“). Nordische Mythologie Erwähnt werden Zwerge vor allem in den beiden Texten, die unter dem Begriff Edda bekannt sind, sowie in einigen ebenfalls altnordischen Isländersagas. Sie wohnen unter den Bergen und Felsen sowie in Erdhöhlen, wie die skaldischen Kenningar aus dem 11. und 12. Jahrhundert und die Sagen des 13. und 14. Jahrhunderts berichten. Die Zwerge aus Sindris Geschlecht leben in einem goldenen Saal in Nidawellir, im Norden. Dass man sich Zwerge ursprünglich als besonders klein vorstellte, ist nicht belegt; eher scheinen sie Formwandler zu sein, die auch in Gestalt von Tieren (Fischen, Ottern, vielleicht auch Hirschen) erscheinen können. So nimmt Fafnir der Bruder des Zwerges Regin, mit Hilfe des Schreckenshelms, die Gestalt eines Drachen an. Mit Hilfe eines magischen Huts (Zwergenhut oder huliðshjálmr), manchmal auch durch einen Mantel, können sie sich unsichtbar machen (siehe: Tarnkappe). Ursprung Über den Ursprung der Zwerge gibt es in den eddischen Texten unterschiedliche abweichende Aussagen. In der Völuspá wird die Erschaffung der Zwerge aus dem Blut des Riesen Brimir und den Knochen des Riesen Bláinn im Rahmen der allgemeinen Kosmogonie dargestellt. In den Strophen 9 und 10 lautet dies: Þá gengu regin öll á rökstóla, ginnheilög goð, ok um þat gættusk, hverir skyldi dverga dróttir skepja ór Brimis blóði ok ór Bláins leggjum. Þar var Móðsognir mæztr of orðinn dverga allra, en Durinn annarr; þeir mannlíkun mörg of gerðu dvergar í jörðu, sem Durinn sagði. Zum Richtstuhl gingen die Rater alle, heilige Götter, und hielten Rat, wer der Zwerge Schar schaffen sollte aus Brimirs Blut und Blains Knochen. Modsognir ward der mächtigste da aller Zwerge, der zweite Durin; die machten manche menschenähnlich, wie Durin es hieß, die Höhlenzwerge. Snorri berichtet hingegen, dass die Zwerge Maden im Fleisch des Urriesen Ymir waren, die dann von den Göttern mit Verstand ausgestattet wurden. Er setzt sie mit einer Untergruppe der Alben, nämlich den Schwarzalben (svartálfar), gleich, also den Elfen zugehörig. Zwerge und Götter Schon in der Edda und der Völsunga saga findet sich das Motiv der Zwerge als Schatzhüter. Hier besitzt Andvari einen Hort unklarer Herkunft und den Ring Andvaranaut. Nachdem Andvari von Loki gefangen wurde, musste der Zwerg den Schatz zusammen mit dem Ring an die Ase ausliefern, um sich frei zu kaufen. Aus Rache belegte er den Schatz mit einem Fluch (siehe: Nibelungenhort). Da Zwerge auch Züge von Totendämonen aufweisen (sie tragen Namen, wie Nár „Leiche“, Náinn „der Tote“, Bláinn („blau“ symbolisiert die Farbe des Todes), Dáinn „Tod“), besteht hier vielleicht ein Zusammenhang zu Sagas über Abenteurer, die in einen Grabhügel hinabsteigen, um die Grabbeigaben zu rauben. Dort müssen sie sehr handfest mit dem Besitzer der Schätze, einem „lebenden Toten“ (Draugr), kämpfen. Charakteristisch ist die Weisheit der Zwerge, die sich ebenfalls in den Namen belegen lässt: Regin („Rathalter“), Wit („der Kluge“), Alvís („der Allwissende“), Fjölsviðr, Rásviðr, usw. Im Alvíssmál bringt Thor den Zwerg Alvís dazu, sein großes kosmologisches Wissen preiszugeben; als die Sonne aufgeht, erstarrt dieser zu Stein. Anderen Erzählungen nach scheinen die Zwerge allerdings unempfindlich gegen Sonnenstrahlen zu sein, und diese Eigenschaft wird sonst eher den riesenhaften Trollen zugeschrieben. Manche Zwerge haben sogar kosmologische Bedeutung wie Nyi und Nidi, die die Mondphasen steuern oder Norðri, Suðri, Austri und Vestri, die den aus Ymirs Schädel gebildeten Himmel tragen. Die Kunstfertigkeit der Zwerge übersteigt die der Menschen, denn sie verfügen auch über Zauberkräfte. So fertigten sie für Odin den Speer Gungnir und den Goldring Draupnir. Thor erhielt den Hammer Mjölnir. Für Freyr bauten sie das Schiff Skidbladnir und den (automatischen?) Eber Gullinborsti. Für Freya schufen sie das Halsband Brisingamen und ihr Reittier den Eber Hildisvini. Weiterhin flochten sie die Fessel Gleipnir für den Fenriswolf und Sifs goldenes Haar. Regin schmiedet mit Sigurd das Schwert Gram. Im Hervörlied (Hervararkvida) schmieden die Zwerge Durin und Dvalin das Schwert Tyrfing. Auch wenn ihre Schätze und Kleinodien manchmal für Zwist und Neid unter den Göttern sorgen, zeigen sich die Zwerge hiermit als grundsätzlich hilfreich, denn niemals fertigen sie Waffen oder Wunderdinge für die Riesen, die gemeinsamen Feinde der Menschen, Asen und Alben. Liste von Zwergen in der nordischen Völuspá Die Strophen 10 bis 16 der Völuspá enthalten eine Liste mit Zwergennamen (siehe ausführlich: Dvergatal). Aus Brimirs Blut und den Beinen Blainns entstanden: Modsognir, der mächtigste aller Zwerge und Durin, der zweitmächtigste. Durins Horde: Nyi und Niði, Norðri und Suðri, Austri und Vestri, Althjof, Dvalin, Nar und Nain, Niping, Dain, Bifur, Bofur, Bombur, Nori, An und Onar, Ai, Mjoðvitnir, Vigg und Gandalf, Vindalf, þrain, Þekk und Þorin, Þror, Vit und Lit, Nyr und Nyrað, Regin und Raðvið, Fili, Kili, Fundin, Nali, Heptifili, Hannar, Sviur, Frar, Hornbori, Fræg und Loni, Billing, Bild, Bruni, Buri, Aurvang, Jari, Eikinskjaldi. Dvalins Horde: Draupnir und Dolgþrasir, Hor, Haugspori, Hlevang, Gloin, Dori, Ori, Duf, Andvari, Skirfir, Virfir, Skafið, Ai, Alf und Yngvi, Eikinskjaldi; Fjalar und Frosti, Fið und Ginnar. Andere Zwerge: Brokkr, Eitri, Fafnir, Galar, Hreidmar, Ótr, Sindri, Hadhod, Pandar. Mittelhochdeutsche Heldenepik und höfische Dichtung Bereits in althochdeutschen Glossen des 9. Jahrhunderts erscheint getwerg als Übersetzung des griechischen pygmaei. In dem bruchstückhaft überlieferten lateinischen Versepos Ruodlieb (wahrscheinlich vor 1050) wird ein vom Titelhelden gefangener Zwerg (nanus) erwähnt. Dieser verspricht dem Ritter Hilfe bei der Erringung von Thron und Königstochter, als Gegenleistung für seine Freilassung. Der Zwerg hat auch eine Frau, mit deren inständiger Bitte um Freilassung ihres Mannes das Fragment endet. Die erste Erwähnung von Zwergen in mittelhochdeutscher Sprache findet sich im Herzog Ernst, um 1180, wo sie mit den Pygmäen der antiken Tradition verglichen, aber nicht gleichgesetzt werden (sitzend in den pergen, geleich den twergen, zwair daum prait, ellen langk). Danach sind sie in der mittelhochdeutschen Literatur fest etabliert. Die unterirdischen Wohnungen der Zwerge und der goldene Saal auf den „dunklen Feldern“ der nordischen Mythologie verbinden sich in der höfischen Dichtung zu unterirdischen Palästen voller Schätze und Wunderdinge, die z.B. allein durch den Glanz der Edelsteine beleuchtet werden. Während die Zwerge zuvor praktisch nie selbst zur Waffe gegriffen hatten (sondern diese nur für die Götter und Helden herstellten), erscheinen die Zwerge in der höfischen Dichtung oft in Gestalt verkleinerter Ritter in wunderbaren, äußerst prächtigen Rüstungen. So besitzt der Zwergenkönig Laurin ein Schwert, für das man ein ganzen Land kaufen könnte, einen Helm auf dem automatische singende Vögel angebracht sind, einen Schild, den keine Lanze durchdringen kann, usw. Die Größenangaben für Zwerge schwanken (eine Elle, drei Schuh, oder sogar nur eine Spanne). Sie reichen den Helden manchmal bis an den Gürtel, manchmal nur bis an das Knie. Ihre Pferde sind nie größer als ein Reh, und manchmal reiten sie auf Ziegenböcken. Immer wieder wird auf die nahezu engelsgleiche Schönheit der Zwerge und Zwerginnen hingewiesen (so bei Laurins Sohn Walberan, oder bei der Zwergenkönigin Syrodame im Friedrich von Schwaben), die aber vor allem auf ihrer kostbaren, edelsteinverzierten Kleidung zu beruhen scheint. Nur sehr selten werden sie, unter dem Einfluss altfranzösischer Literatur, als missgestaltet, etwa buckelig, geschildert. Zuweilen wird auf den Bartwuchs der Zwerge angespielt. Trotz ihrer kleinen Statur können die (dank einer Tarnkappe oder eines Kraftgürtels) übermenschlich starken Zwerge oft nur überwunden werden, indem man sie (in äußerst unritterlicher und beleidigender Weise) am Bart packt, so Siegfried den Alberich im Nibelungenlied (wodurch er den Nibelungenhort und die Tarnkappe gewinnt), und Hildebrand den Eggerich (der ihm danach im Kampf gegen den Riesen Sigenot helfen muss). Sehr selten haben Zwerge, im Widerspruch zu ihrem hohen Alter, das Aussehen von kleinen Kindern. Im Wolfdietrich-Epos hält Ortnit den Alberich (der im Nibelungenlied als altgrîs, „altersgrau“, beschrieben wurde) für einen Vierjährigen. Zwerge und Helden Die Zwergengesellschaft ist den höfischen Idealen des Hochmittelalters nachempfunden. Sie haben Könige und Königinnen, Herzöge, Grafen, Ritter, Damen, Herolde, Kämmerer, Köche, Diener, usw. Tatsächlich übertrifft ihre Prachtentfaltung bei Festen und Turnieren die der menschlichen Herrscher eher noch, und selbst die erotischen Neigungen von Zwergen zu Menschen bewegen sich weitgehend im Rahmen der höfischen Minne (auch wenn die Dame dabei zuweilen entführt wird, und vom Helden befreit werden muss). Friedrich von Schwaben wird von der Zwergin Jerome in eine Höhle gelockt und verführt. Aber auch in der Heldendichtung erscheinen die Zwerge weiterhin als kunstreiche Schmiede, die besonders Schwerter für Helden herstellen, wie Balmung und Eckesachs. Ihre Weisheit zeigen sie, indem sie Gedanken lesen oder nach Art der Astrologen und Nekromanten die Zukunft vorhersagen. Obwohl es oft zu Konflikten zwischen Helden und Zwergen um Länder und Damen kommt, vor allem, weil Zwerge keine Christen sind, sondern Heiden, so verbünden sie sich doch meist gegen ihre gemeinsamen Feinde, die Riesen. Das Straßburger Heldenbuch erklärt dies sogar mit einem göttlichen Heilsplan: Gott habe die arbeitsamen, listigen und weisen Zwerge erschaffen, damit sie das Gold und Silber, die Edelsteine und Perlen im wüsten Gebirge für die Menschen gewönnen, und die Riesen, um sie vor den dortigen Drachen und wilden Tieren zu beschützen. Statt dessen hätten die Riesen aber die Zwerge unterworfen und versklavt, und nun sei deren Pflicht auf die Ritter übergegangen. Diese sollen nun die Zwerge befreien und die Riesen für ihre Untaten bestrafen. Hierbei werden die Helden von den Zwergen mit kundigen Ratschlägen, Zaubersteinen, Wunderwaffen, magischen Kräutern oder anderen Hilfsmitteln unterstützt. Eine Ausnahme ist hier der Zwergenkönig Goldemar, der selbst über Riesen herrscht, und diese wie Wachhunde und „für’s Grobe“ benutzt. Auch Laurin ruft, in äußerster Bedrängnis, verbündete Riesen gegen Dietrich herbei. [5] Hier zeigt sich anscheinend bereits ein Verfall der alten Vorstellung vom Bund zwischen Zwergen und Menschen gegen die Kräfte des Chaos. So, wie schon (der nach Art eines Bergtrolls zu Stein erstarrte) Alvís, nehmen auch hier die Zwerge selbst gewisse Züge der feindseligen Riesen an. Spätmittelalter, frühe Neuzeit: Zwerge und Teufel Mitte des 14. Jahrhunderts versuchte Konrad von Megenberg die kleine Gestalt der Zwerge noch wissenschaftlich zu erklären: sie seien Adamskinder, die aus wenigem oder schwachem Samen gezeugt worden seien. Die im Hochmittelalter begonnene Diabolisierung der Zwerge nahm im Laufe der Zeit immer mehr zu. So wurden die Zwerge im 16. Jahrhundert von christlichen Theologen allgemein für gefallene Engel gehalten, die sich nur nicht völlig in Teufel verwandelt hätten, weil sie, als bloß Verführte, bei ihrem Sturz an Bergen und Bäumen hängen geblieben seien. Die Überwindung und Gefangennahme eines Zwerges, um ihn dienstbar zu machen, oder zur Herausgabe seiner Schätze zu zwingen, wurde (auch in den Schatzsagen) immer mehr als eine Form der Teufelsbeschwörung aufgefasst. Ähnlich wie die bösartigen Riesen, hätten die Zwerge die Sintflut einst in hochgelegenen Gebirgshöhlen überlebt. Zuweilen heißt es, sie seien schon vor den Menschen geschaffen worden, und würden nach dem Jüngsten Gericht wieder die Erde bevölkern. Andererseits werden sie auch oft für Gespenster gehalten, besonders für die Seelen ungetaufter Kinder, und werden selbst zu Kinderschreckfiguren, wie der Butzemann oder Popelmann, die Kinder entführen (und fressen). Sagen und Märchen In den Sagen und Märchen, die seit dem 18. Jahrhundert gesammelt wurden (im deutschsprachigen Raum besonders von den Brüdern Grimm), kommt der Gattungsname Zwerg nur noch selten vor. Statt dessen tragen sie regionale Bezeichnungen, die auf ihre Wohnungen unter Tage anspielen (Erdmännchen, Bergmännchen, Bergmandl (Oberdeutsch), Unterirdische, Önnererske (Niederdeutsch), Böhlersmännchen, usw.), oder auf ihr oft hässliches Aussehen (Kröppel, Dickköpfe, Spitzbärte, Graumännchen, Däumlinge, Fingerlinge, kleines Volk, usw.). Typisch ist ihr runzliges, braunes oder graues Gesicht, dass ihrem enorm hohen Alter entspricht („alt wie der Wald“), und der lang wallende, graue oder weiße Bart. Zuweilen werden ihre unheimlich großen und leuchtenden, oder kleinen, rot entzündeten, lichtempfindlichen Augen erwähnt, oft ihre missgestalteten Füße (Platt- Gänse- oder Vogelfüße, nach rückwärts verdreht, oder mit fehlenden Zehen), die sie unter ihren Mänteln zu verbergen versuchen. Andererseits wirken sie harmlos und niedlich, wie zwei- bis vierjährige Kinder. So finden sich auch euphemistische Bezeichnungen, wie: gutes Volk, gute Kinder, gute Nachbarn. Weitere regionale Bezeichnungen sind: Wichtel, Heinzelmännchen, Lutk (Lausitz), Querxe (Oberlausitz), Quergel (Ostmitteldeutschland), Vensmännlein, Fenixmännlein (Schlesien), Gütel (Erzgebirge), Barstukken (Ostpreußen), Killewittchen (Eschweiler), usw. Am häufigsten ist jedoch die unspezifische Bezeichnung als „Männchen“. Ihre typische Kleidung mit Kittel und Zipfelmütze geht anscheinend auf Bergmannssagen des 16. Jahrhunderts zurück, in denen die Berggeister entweder eine Mönchskutte tragen, oder die zeitübliche Arbeitskleidung der Bergleute mit Kapuze und Arschleder. Auf ihre Kleidung spielen auch Bezeichnungen wie Rotjäcksch, Rotmützken, Grünkäppel, Ledermännel, usw. an. Gelegentlich, besonders in Verbindung mit dem noch nicht völlig verstandenen Motiv des „Auslohnens“ (dem Verschwinden der Zwerge nach einem Kleidungsgeschenk), tragen sie aber nur Lumpen oder sind völlig nackt. Zwerge und Elfen Besonders in der bergarmen norddeutschen Tiefebene, aber auch in Skandinavien, gelten alte Grabhügel und Großsteingräber als Wohnstätten der Unterirdischen; vielleicht ein Echo der Zwerge als Totengeister. Auf den Britischen Inseln entsprechen ihnen die mound-fairies, in Schweden die tomten. Auch vor- und frühgeschichtliche Keramikfunde (Urnen mit Grabbeigaben, usw.) gelten als Zwergenwerk. Während die Elfen aus der deutschen Sage fast völlig verschwunden sind, haben die „Männchen“ (und gelegentliche „Erdweibchen“) anscheinend verstärkt elfische Züge auf sich gezogen, mit denen sie wohl ohnehin schon früher verbunden waren. So ist ein Besuch bei den Zwergen nicht ohne Gefahr: ihre Höhlen zeigen manchmal Züge der Anderswelt, wo die Zeit viel schneller vergeht, als bei den Menschen; oder die angebotene Nahrung erweist sich als Unterweltsspeise, nach deren Genuss man nicht mehr in die Welt der Lebenden zurückkehren kann. Gelegentlich vertauschen Zwerge ungetaufte Menschenkinder gegen einen Wechselbalg oder entführen Menschenfrauen. Anders als bei den brutalen Riesen, die ihre Opfer meist nur fressen oder vergewaltigen wollen, geht es den Entführten bei den Zwergen relativ gut (so wie schon Siegfried und Wieland, als Ziehsöhnen Mimes). Ähnlich wie bei den Elfen erlernen die Kinder bei ihnen oft ein nützliches Handwerk (meist die Schmiedekunst; bei den Elfen auch geistige Fähigkeiten, wie die Dichtkunst). Evgen Tarantul geht deshalb davon aus, dass diesem Motiv ursprünglich ein gegenseitiges Pflegeverhältnis zugrunde gelegen hat, wie es früher in germanischen Kulturen durchaus üblich war. Wegen der konsequenten Verteufelung der Unterirdischen versuchen die Menschen nun aber mit allen Mitteln eine Entführung ihrer Kinder zu verhindern, wie die Müllerstochter im Fall des Rumpelstilzchens. Entführte Frauen weigern sich in skandinavischen Märchen hingegen manchmal, zu ihren Familien zurückzukehren. Anders als bei den weiblichen Elfen und Undinen der spätmittelalterlichen Balladen, zu denen die ent- oder verführten Ritter durchaus romantische (aber stets tragisch endende) Beziehungen entwickeln können, haben die Erzählungen von Frauen, die von Zwergen entführt werden, einen eher derb-bäurischen Klang. Sie verführen ihre Opfer vor allem mit ihrem Reichtum, nicht durch ihr schönes und edles Wesen. Zuweilen tritt ein unspezifisches „Männchen“ auch in der Rolle auf, die sonst eher den elfen- oder feenartigen „Ahnfrauen“ oder Weißen Frauen zukommt: es kündigt den Angehörigen eines alten Adelsgeschlechtes den nahen Tod an, oder bewacht den Familienhort. Zwerge, Kobolde und Menschen Das uralte Motiv des heimtückischen, habgierigen Zwerges, der (unter Ausnutzung seiner Schwachstelle, des langen Bartes) gefangen wird und gezwungen werden kann, seine Schätze herzugeben, findet sich noch in dem Märchen Schneeweißchen und Rosenrot. Ebenfalls horten die Berggeister in Bergmanns- und Schatzsagen weiterhin unermessliche Reichtümer in ihren Höhlen, die sie nach Gutdünken den Bergleuten zuweisen oder verwehren können. Ein eigentümliches Motiv sind die Hebammendienste von Menschen bei Zwergen. Aus unklaren Gründen sind Zwergenfrauen anscheinend nicht in der Lage ohne menschliche Hilfe zu gebären, während es selbst unerfahrenen Menschenfrauen durch bloßes Handauflegen gelingt, die Geburt eines Zwergenkindes einzuleiten. Danach werden die betreffenden Frauen von den Zwergen reich entlohnt und besitzen fortan die Gabe der erfolgreichen Geburtshilfe. Dies kontrastiert mit dem in vielen Kulturen der Welt verbreiteten Glauben, dass die Erze im Leib der Erde wie Föten heranreifen, sich aus gewöhnlichem Gestein in Edelmetalle verwandeln, und dass Schmiede und Metallurgen diesen eigentlich sehr langsamen Prozess, wie Geburtshelfer, durch ihre Kunstfertigkeit beschleunigen und erleichtern können. Im Märchen (z.B. Die Geschenke des kleinen Volkes) verwandelt sich der von Zwergen als Belohnung überlassene „Dreck“, wie Essensreste, Laub oder Kohle, im Laufe einer einzigen Nacht, in Gold. Im Gegensatz zur höfischen Epik ist den Zwergen in der volkstümlichen Überlieferung jegliche Prachtentfaltung fremd. Ebenso weinig nehmen sie Waffen in die Hand, nur Werkzeug. Sie schmieden nicht nur, sondern sie buttern auch und käsen (was seltsame Geräusche unter der Erde erzeugt), hüten das Vieh, sie backen und brauen (wodurch der Nebel entsteht), sie weben (was auch typisch für Elfen zu sein scheint), schneidern und schustern. Ebenso befinden sich die Wohnstätten der Zwerge in Märchen und Sage nicht in fernen exotischen Königreichen, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft, nicht weit vom heimischen Dorf, im nächstgelegenen Wald, Berg oder Grabhügel. Tatsächlich ist die Nachbarschaft so eng, dass sich Menschen und Zwerge gewohnheitsmäßig gegenseitig Arbeitsgeräte oder Nahrungsmittel ausleihen (besonders in Norddeutschland). Für die Menschen sind solche Leihgaben meist sehr vorteilhaft, weil sie als Gegenleistung viel höherwertige Gaben erhalten, oder sogar „ewige Geschenke“: ein Haufen Flachs, der nie kleiner wird, ein Bierfass, das nie leer wird, eine Geldbörse in der sich immer eine Münze findet, usw, aber nur so lange, wie man Stillschweigen über das Geheimnis des Geschenks bewahrt. Werden die Zwerge allerdings durch rohes oder selbstsüchtiges Verhalten der Menschen beleidigt, so nehmen sie zuweilen schreckliche Rache, besonders für Geiz und Habgier. Eine andere Art des Handels findet mit den zwergischen Schmieden statt: der Kunde lässt das Werkstück, oder das Pferd abends vor der Wohnstatt der Zwerge zurück, und holt sie am nächsten Morgen tadellos instandgesetzt oder neu beschlagen wieder ab. Zur Bezahlung lässt er an der Stelle eine Münze zurück. Manchmal kommen die Zwerge sogar während der Nacht in die Häuser und Werkstätten der Menschen, um dort ganz umsonst zu arbeiten (vgl. Schenkökonomie). In diesem Fall sind sie nur noch schwer von hilfreichen Kobolden zu unterscheiden. So tragen die Heinzelmännchen eigentlich einen Personennamen („Heinz“), wie er sonst eher für einen einzelnen Hausgeist (wie den Hinzelmann im Schloss Hudemühlen) typisch wäre, bzw. einen Spottnamen (Hinz und Kunz). Als Zwerge sind sie nur noch kenntlich, weil sie gesellig auftreten, nicht allein. Anders als andere dämonische Wesen wirken Zwerge aber nicht bevorzugt in der Nacht, weil sie das Tageslicht hassen, sondern weil sie bei ihrem Tun nicht beobachtet werden wollen. Sobald man sie bei der Arbeit überrascht (oder ihnen ihre Tarnkappen nimmt), verschwinden sie für immer, während Kobolde ihrem Haus gewöhnlich hartnäckig treu bleiben und gegebenenfalls sogar zusammen mit den Bewohnern in deren neues Haus umziehen. Durch ihre Verbindung zu vor- und frühgeschichtlichen Bauwerken werden die Zwerge oft mit fremden Völkern in Verbindung gebracht, die früher in der Gegend gelebt haben, wie den „Hünen“ (oder „Hunnen“), die die Hünengräber errichtet haben. Im Rheinland stehen sie mit den Überresten von römerzeitlichen Bauten und Bergwerken in Verbindung und werden entsprechend als „Römermännchen“ bezeichnet. Anderswo verbindet man sie mit den Tataren, manchmal sogar mit den Zigeunern. Die „Vermennschlichung“ der Zwerge geht manchmal so weit, dass nur noch erzählt wird, an einem bestimmten Ort haben früher einmal besonders kleine Menschen gelebt. Andererseits nehmen reale, menschliche Erzsucher aus fremden Ländern, die sogenannten Venediger, in der Sage immer mehr Züge von Zwergen und Berggeistern an („Venedigermandl“). Abzug Gemeinsam ist diesen fremden Völkern und den Zwergen, dass sie, wie die heidnischen Ureinwohner, schon „vor langer Zeit“ verschwunden oder ausgestorben sind. Die Sage von dem Fährmann, dessen Fähre in der Nacht unter dem Gewicht der abziehenden, unsichtbaren Zwerge tief ins Wasser einsinkt, scheint ein Nachhall alter Jenseitsvorstellungen zu sein. Manchmal fliegen sie auf Raben davon, überqueren einen Gebirgspass, oder einfach nur die Landesgrenze. Wo sie sich heute aufhalten ist ungewiss. Bemerkenswert ist hierbei der oft geringfügige Anlass für ihren Abzug, der darüber hinaus fast immer von den benachbarten Menschen ausgelöst wird: durch frevelhafte Neugier (heimliches Beobachten bei der Arbeit, Ausstreuen von Asche, um die (missgestalteten) Fußabdrücke der Zwerge zu sehen, ungebetene Teilnahme an ihren Tänzen), Schwatzhaftigkeit, Fluchen, Geheimnisverrat, Spott, Hochmut, Undank. Entgegen der Tendenz zur Verteufelung der Zwerge im 16. Jahrhundert führt schon die Zimmerische Chronik den Abzug der Zwerge auf die „überschwengkliche gotzlesterung“ der Menschen zurück. Möglicherweise handelt es sich beim Abzug der (hilfreichen) Zwerge also um eine subtilere Variante der Bestrafung eines Tabubruches. Bisher unverstanden ist das Motiv des „Auslohnens“, des Abzugs der Zwerge nach einem Kleidungsgeschenk. In manchen Versionen werden die neu eingekleideten Zwerge hochmütig, und glauben nun, als „feine Herren“, nicht mehr arbeiten zu müssen, in anderen ziehen sie weinend und klagend ab, als ob sie lieber bei den Menschen geblieben wären, und durch die „Auslohnung“ quasi hinausgeworfen wurden. Kobolde hingegen scheinen genau entgegengesetzt zu reagieren: sie verlassen ihr Haus (oder ihr Bergwerk, Schiff), weil man ihnen das alljährliche Kleidungsgeschenk (oder tägliche Speiseopfer) vorenthalten hat. Seltsam erscheint auch der (für erfinderische Schmiede) ungewöhnliche Abzug aufgrund des Lärms aus nahe liegenden Hammerwerken, durch Glockengeläut, oder durch technische Neuerungen (Einführung der Egge, der Eisenbahn, usw.). Sowohl Eisen, als auch Glocken, wird im Volksglauben eine Dämonen abwehrende Wirkung zugeschrieben. Vielleicht deutet dieses Motiv aber auch auf die Verdrängung heidnischer Glaubensvorstellungen hin, wahlweise durch das Christentum, oder die Aufklärung. Manchmal kommt es zum Konflikt mit den Menschen, und zum folgenden Abzug, weil Hunger leidende Zwerge bei ihren Nachbarn Nahrungsmittel oder Feldfrüchte stehlen. Zuweilen werden solche (Schaden bringende) Zwerge tatsächlich, wie Hexen, absichtlich vertrieben, oder sogar verbrannt, oder ertränkt. Die Ausrottung der Zwerge wird daneben aber auch feindseligen Riesen zugeschrieben, sowie den Zwergen selbst. Manchmal haben sie, nach dem Tod ihres Königs, kollektiven Selbstmord begangen, oder zwei verfeindete Zwergenvölker haben sich gegenseitig im Krieg vernichtet. Rezeption Etwa gleichzeitig mit der Sammlung von Märchen und Sagen im Geiste der Romantik wurden Zwerge auch vermehrt in der Belletristik behandelt. Die Kunstmärchen Klein Zaches, genannt Zinnober (1819 von E. T. A. Hoffmann), oder Zwerg Nase (1826 von Wilhelm Hauff) parodieren hingegen eher die alte Institution der Hofzwerge und damit die überholte höfische Gesellschaft. Zu den am meisten verfilmten Zwergenmärchen gehört Schneewittchen, das in vielfacher Gestalt adaptiert und auch parodiert wurde. Bereits 1916 wurde das Märchen in den USA als Stummfilm verfilmt. Die Zeichentrickverfilmung von 1937 gehört zu den erfolgreichsten Produktionen der Walt Disney Studios. Daneben wurde der Stoff in zahlreichen Produktionen für Film und Fernsehen abgewandelt, bis hin zu Parodien, wie 7 Zwerge – Männer allein im Wald (2004) und 7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug (2006). Seit 1949 erschien in der österreichischen Zeitschrift Wunderwelt der ganzseitige Comic Zwerg Bumsti von Teja Aicher, der nach 1975 von Arminio Rothstein und Christine Rothstein unter dem Titel „Wichtelgeschichten“ als Puppenspiel für den Fernsehsender ORF adaptiert wurde. Weitere Adaptationen für Comic und Zeichentrickfilm sind Die Schlümpfe (seit 1958) des belgischen Zeichners Peyo und die Mainzelmännchen (seit 1963), als Werbetrenner im Werbeprogramm des ZDF. Fantasy Richtungsweisend für die Darstellung von Zwergen in der modernen Fantasy wurden die Romane J. R. R. Tolkiens (vgl.: Figuren in Tolkiens Welt). Als Philologe griff er einerseits verstärkt auf die mittelalterlichen Traditionen der Edda und der Heldendichtung zurück. So stammen viele seiner Zwergennamen aus dem Dvergatal und der Völuspá, und ähnlich, wie in der Edda, stattete er sie im Silmarillion mit einem eigenen (allerdings weit ausführlicheren) Schöpfungsmythos aus. Ebenso betonte er wieder, neben ihrem Bartwuchs und ihrer kleinen Gestalt, ihrer Kunstfertigkeit und ihrer Habsucht, auch die körperliche Kraft und Ausdauer der Zwerge, die ein wichtiges Motiv in der Heldenepik gewesen war, in späteren Märchen und Sagen aber kaum noch eine Rolle gespielt hatte. Aus diesen Eigenschaften leitete er ihre stämmige Figur und ihren Starrsinn ab. Darüber hinaus fügte Tolkien seinem Zwergenbild aber auch viele neue, eigene Züge hinzu: Zwergenhäuptlinge werden regelmäßig wiedergeboren. Zwerge sollen auch in der, dem Ragnarök ähnlichen, „Letzten Schlacht“ eine besondere Rolle spielen, sowie beim Aufbau der Neuen Welt danach. Außerdem haben sie anscheinend die Gabe der Unsichtbarkeit verloren. Diese ist auf den Träger des Einen Rings übergegangen, sowie in abgeschwächter Weise auf die Hobbits, die sich geräuschlos und sehr unauffällig bewegen können, während Zwerge eher laut und polternd auftreten. Während in der Edda nur ganz kurz auf eine Wanderung mancher Zwerge (von den „Steinen des Grundes“ nach Jöruvellir) angespielt wird, reisen die Tolkienschen Zwerge ständig umher, als Händler und Abenteurer, und unternehmen in ihrer Geschichte mehrmals regelrechte Völkerwanderungen, um in anderen Ländern neue Königreiche zu gründen. Das elegische Motiv des endgültigen Abzugs und der Überfahrt in die Anderswelt behält Tolkien jedoch den Elfen vor. Im Gegensatz zu den mythologischen Zwergen, die viele Gemeinsamkeiten mit Elfen aufweisen, werden Zwerge und Elfen in Tolkiens Werk als sehr unterschiedliche (zuweilen sogar verfeindete) Völker geschildert. Anders als in der Edda und in Märchen und Sage, wird die kriegerische Tüchtigkeit der Zwerge stark betont, und völlig neu (aber stilbildend für die Fantasy) ist ihre Bewaffnung mit Kettenrüstungen, eisenbeschlagenen Stiefeln und Streitäxten. Über ihrer Rüstung tragen sie, wie fast alle anderen zivilisierten Bewohner Mittelerdes, lange Reisemäntel mit Kapuzen. Dieses Zwergenbild wurde im Weiteren noch vergröbert. Während der Zwerg Gimli in Tolkiens Roman durchaus noch seine romantische Ader entdecken kann, und sich anscheinend unsterblich in die Elbenherrscherin Galadriel verliebt, ist er in der Verfilmung kaum mehr als der ruppige Sidekick des edlen Elben Legolas, und sorgt mit seinen rustikalen Ess- Trink- und Kampfgewohnheiten für den comic relief. Die zunehmend stereotypen Darstellungen in der Fanatsy regte schließlich auch zu Parodien an. In den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett treten Zwerge wie typische Vertreter von ethnischen Minderheiten (mit „Migrationshintergrund“) auf. Der hühnenhafte und leutselige Karotte Eisengießersohn, stellt, als Ziehsohn von Zwergen und unerkannter Königssohn, eine Anspielung auf den Sigurd der nordischen Mythologie dar. In der seit 2003 erscheinenden Fantasy-Romanreihe Die Zwerge von Markus Heitz gehören sie schließlich selbst zu den wichtigsten Protagonisten. Ebenso gehören Zwerge üblicherweise zu den spielbaren Völkern in verschiedenen Fantasy-Rollenspielen, wie Dungeons & Dragons, Midgard, Das Schwarze Auge Gartenzwerge Erste Skulpturen von Zwergen aus Marmor oder Sandstein wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts in verschiedenen Barockgärten aufgestellt. Hierbei handelte es sich allerdings nicht um die Zwerge der volkstümlichen Tradition, sondern um groteske Darstellungen von Hofzwergen, wie sie damals an vielen Residenzen des Hochadels gehalten wurden. Die ältesten Beispiele sind heute im Zwergelgartens von Schloss Mirabell in Salzburg, und auf Schloss Greillenstein erhalten. Von hier aus breitete sich diese Mode besonders in den Gärten von Schlössern und Stiften im ganzen heutigen Österreich, in Deutschland, Tschechien, Norditalien und Slowenien aus. Im Laufe des 18. kamen noch kostbare, handbemalte Porzellanzwerge hinzu, die z.B. von der Manufaktur Meissen oder der Kaiserlichen Hofmanufaktur in Wien für adelige Ziergärten gefertigt wurden, sowie kleinere Terrakotta-Skulpturen aus Thüringen z.B. für Jagdschlösser. Nachdem Gartenzwerge (zusammen mit den Hofzwergen, als einem Relikt der überholten Adelsherrschaft) um 1800 zeitweilig aus der Mode gekommen waren, drangen sie im Laufe des 19. Jahrhunderts wieder in die Gärten des aufstrebenden Bürgertums vor, unter anderem auch in England. 1872 entstanden in Thüringen die ersten Manufakturen von August Heissner und Philipp Griebel, die Gartenzwerge bald in Massen- und Serienproduktion für die (klein-)bürgerlichen Vorgärten und für den Export. In der Folge etablierte sich das, an Illustrationen von zeitgenössischen Märchenbüchern angelehnte, klassische Erscheinungsbild der Gartenzwerge: als Gärtner oder als ein mittelalterlicher Bergmann mit Lederschürze, Schaufel, Spitzhacke, Laterne, Schubkarre und besonders mit einer roten Zipfelmütze. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg ging der Export von Gartenzwergen allerdings stark zurück, denn diese Art der Gartendekoration wurde in den mit dem Deutschen Reich verfeindeten kriegführenden Nationen als typisch deutsch wahrgenommen. Auch in Deutschland selbst waren Gartenzwerge, bis weit in 1980er Jahre hinein, als Kitsch oder als Ausdruck eines engstirnigen, kleinbürgerlichen Spießertums verpönt. Im Rahmen der Auseinandersetzung mit „nationalen Symbolen“ seit der Deutschen Wiedervereinigung nahm aber auch das Interesse an Gartenzwergen wieder zu, besonders an ironischen und satirischen Darstellungen, etwa Zwerge in obzönen oder provozierenden Posen, oder als Karikaturen bekannter Politiker. Einen ähnlich satirischen Anspruch verfolgt wohl auch die Front zur Befreiung der Gartenzwerge, deren Anhänger die Figuren aus Vorgärten „befreien“, um sie dann in ihrem „natürlichen Lebensraum“ (Wäldern, usw.), wieder aussetzten. Werden Gartenzwerge aber mit beleidigender Absicht aufgestellt, so kann der Geschädigte durchaus die Entfernung der Skulptur verlangen, und die „Befreiung“ eines Gartenzwerges kann als Diebstahl geahndet werden. Daneben kehrte aber auch der „klassische“ Gartenzwerg zurück. Neben Zwergen aus gebranntem und glasiertem Ton sind heute besonders Figuren aus kostengünstigem Kunststoff verbreitet, allerdings auch Plagiate geschmacksmusterrechtlich geschützter Modelle aus minderwertigen Materialien, wie Gips oder Gießharz (besonders aus Osteuropa). Weihnachten (auch „Christfest“ oder „Heiliger Christ“) ist das Fest der Geburt Jesu Christi und damit, nach christlichem Glauben, der Menschwerdung Gottes. Hauptfesttag ist der 25. Dezember, dessen Feierlichkeiten mit Sonnenuntergang am Vorabend, am „Heiligabend“ (auch „Heilige Nacht“, „Christnacht“, 24. Dezember), beginnen. Er ist in vielen Staaten ein gesetzlicher Feiertag und Auftakt der Weihnachtsferien; in Deutschland, Österreich und vielen anderen Ländern kommt als 2. Weihnachtstag der 26. Dezember hinzu, der allerdings in der römisch-katholischen Kirche nicht als Weihnachts-, sondern als Stephans- oder Stefanitag bzw. im Fall eines Sonntags als Fest der Heiligen Familie begangen wird. Überblick Weihnachten ist mit Ostern und Pfingsten eines der drei Hauptfeste (katholisch: Hochfeste) des Kirchenjahres, das mit der Adventszeit beginnt. Die Weihnachtszeit fängt mit der evangelischen Christvesper bzw. katholischen Christmette am Heiligabend an und endet am Sonntag nach Dreikönig (6. Januar), dem Fest „Taufe des Herrn“. Früher reichte die Weihnachtszeit bis zum Fest „Darstellung des Herrn“ (2. Februar), der so genannten „Mariä Lichtmess“. Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom belegt; die Herkunft des Datums ist umstritten. Der Termin liegt nahe an der Wintersonnenwende, was die Geburt von Jesus Christus mit der Rückkehr des Lichts nach den dunklen Wintermonaten verbindet. Zudem wurde damit der antike römische Feiertag des Sonnengottes Sol Invictus abgelöst. Das oft mit Weihnachten in Verbindung gebrachte germanische Julfest ist erst später belegt. Christen und Nichtchristen feiern Weihnachten heute meist als Familienfest mit gegenseitigem Beschenken; dieser Brauch ist im evangelischen Bereich seit dem 16. Jahrhundert bekannt. In katholischen Familien fand die Kinderbescherung am Nikolaustag statt. Hinzu kamen alte und neue Bräuche verschiedener Herkunft, zum Beispiel Krippenspiele seit dem 11. Jahrhundert, zudem der Adventskranz (1839), der geschmückte Weihnachtsbaum (15. Jahrhundert) und der Weihnachtsmann (20. Jahrhundert). Dieser machte dem Christkind und dem Nikolaus als Gabenbringer für die Kinder in manchen Regionen zunehmend Konkurrenz. Viele Länder verbinden weitere eigene Bräuche mit Weihnachten. Wortentstehung Der früheste Beleg für den Ausdruck Weihnacht stammt aus 1170: „diu gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wîhe naht.“ („Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht.“) Schon früh wurde die Vermutung geäußert, dass der Name vorchristlichen Ursprungs sei: „das dieser heydnisch nam [Ostern] und standt nicht von Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht etc.“ Der Erste Wortteil weih wird von weich = heilig, gotisch weihs, althochdeutsch wîh, mittelhochdeutsch wîch abgeleitet. Einige Sprachforscher stellen *wich-a-z als Partizip passiv zur Wurzel wîq (weichen), so dass es sich um ein von der Herde abgesondertes Opfertier handele und verweisen auf das lateinische victima und dessen Sippe. Luther dachte an wiegen und bildete Wygenachten, „da wir das kindlein wiegen“. Aber auch der zweite Wortteil ist für einen Festtag ungewöhnlich und weist auf hohes Alter hin. Tacitus schrieb in Germania Kap. 11: nec dierum numerum, ut nos, sed noctium computant (Nicht die Zahl der Tage, wie wir, sondern die Nächte zählen sie). Etymologisch wird auch eine Herkunft aus dem Mittelhochdeutschen ze wihen nahten („in den heiligen Nächten“) gesehen, was auf die schon zur germanischen Zeit gefeierten Mittwinternächte hinweist, wobei jedoch unklar ist, ob diese Festlichkeiten tatsächlich zur Wintersonnenwende stattfanden. Theodor Storm bildete aus dem Substantiv „Weihnachten“ dann das Verb weihnachten. In seinem Gedicht vom Knecht Ruprecht heißt es in den Anfangs- und Schlusszeilen: Von drauß´ vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. Geschichte Innerchristliche Entstehung Das Geburtsdatum Jesu wird im Neuen Testament nicht genannt und war schon den Urchristen unbekannt. Doch bereits im 2. Jahrhundert ist ein wachsendes Interesse daran feststellbar. Dabei spielte das Frühlingsäquinoktium am 25. März eine besondere Rolle. Für dieses nahm man den ersten Schöpfungstag und den Tag des Kreuzestodes Christi an. Der vor 221 schreibende Julius Africanus bezeichnete den 25. März als Datum seiner Passion als auch seiner Empfängnis, was bei einer exakt neunmonatigen Schwangerschaft Marias zu einem Geburtstag am 25. Dezember führen würde. In Ägypten gab Clemens von Alexandria jedoch schon zu Beginn des 3. Jahrhunderts einen Tag zwischen Ostern und Pfingsten als Geburtstermin an. In den ältesten christlichen Kalendern, z. B. im Osterkanon des Hippolyt von Rom, De pascha computus aus dem Jahre 222, wurde Jesu Geburt und sein Tod auf den 14. Nisan gelegt. Der Ursprung dieses Datums liegt nach Strobel in einer jüdischen Haggada, die Isaak, das Vorbild Christi in der frühen Kirche, ebenfalls am 14. Nisan geboren sein lässt. Hippolyt kannte also das Datum des 25. Dezember als Geburtstag Jesu sicher noch nicht. Eine entsprechende Stelle in seinem Danielkommentar ist als spätere Interpolation erwiesen. In der morgenländischen Kirche war für den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der 3. Woche nach Ostern die gleiche Leseordnung vorgeschrieben wie zu Weihnachten – bei den Armeniern die vom 5./6. Januar, in der georgischen Kirche die vom 25./26. Dezember. Es gab also in der altpalästinensischen Kirche eine Zeit, in der der Geburtstag Jesu Mitte Mai gefeiert wurde. Die Nonne Egeria beschrieb in einem Reisebericht für diese Zeit eine besondere Feier in der Geburtskirche mit nächtlichem Gottesdienst zu Bethlehem. Eine auf der Brust getragene Reliquienkapsel (Enkolpion) im Museum von Konstantinopel stellt eine Krippe dar und verweist in der Beischrift auf den 25. Mai (Pachoni). Eine Abschrift einer altpalästinensichen Liturgie führt die Weihnachtsliturgie für den 16. bis 28. Mai auf (Kluge). Erstmalig wird der 25. Dezember ausdrücklich von Furius Dionysius Filocalus in seinem Chronograph von 354 genannt, der auf römischen Quellen aus dem Jahre 336 beruht. Ein Verzeichnis der römischen Konsuln enthält den Eintrag: „Christus ist während des Consulats von C. Augustus und L. Aemilianus Paulus am 25. Dezember, einem Freitag, dem 15. Tag des Mondalters geboren“. In dieser römischen Quelle, deren Authentizität allerdings nicht unumstritten ist, ist das Datum auch als liturgischer Festtag zu verstehen. Wie lange davor der 25. Dezember als Festtag begangen wurde, ist unbekannt. In Rom, wo der Geburtstag Jesu zuerst am 25. Dezember, und zwar nach der Weihnachtshomilie des Hieronymus von Anfang an, gefeiert wurde, spielte eine Berechnung, wie sie Africanus anstellte, keine Rolle. Stattdessen gibt es mehrere spekulative Vermutungen über den dortigen Ursprung des Festdatums: Er sei als Dankgebet der Kirche für den Sieg Kaiser Konstantins (so Hans Lietzmann[9]) aufgekommen. Dann wäre der Festtag nach 313 entstanden. Dem steht entgegen, dass der 25. Dezember in Konstantinopel, der Stadt Konstantins, erst um 380 angenommen wurde. Er sei als Reaktion auf den von Kaiser Aurelian verfügten Geburtstag des Sol Invictus zur Wintersonnenwende des julianischen Kalenders am 25. Dezember entstanden, an dem auch die Geburt des Mithras gefeiert worden sein soll. Das würde zu einer Einführung um 300 führen. Die Ansicht, Weihnachten sei an die Stelle eines älteren Festes über die Geburt der Sonne getreten, wurde erstmals in einer Randglosse des syrischen Kirchenschriftstellers Dionysius bar Salibi aus dem 12. Jahrhundert vertreten. Neben den antiken Herleitungen gibt es heute weitere Hypothesen: Die Berechnungshypothese von Duchesne, Strobel, Engberding und Fendt. Danach vertraten alte jüdische Schriften die Vorstellung, dass große Patriarchen am selben Tag des Jahres starben, an dem sie geboren wurden. Denn Gott billige nur das Vollkommene, lasse seine hervorragenden Verkünder auf Erden also nur volle Lebensjahre leben. Das galt insbesondere für Isaak, der für Christen Jesu Vorbild wurde. Auch für Jesus wären Anfang und Ende seines irdischen Lebens demnach auf das gleiche Datum gelegt worden, nämlich den 14. Nisan des Jahres 30, der dem 25. März entsprochen hätte. Dabei müsste man jedoch seinen Lebensanfang mit Marias Empfängnis gleichsetzen. Das hätte den 25. Dezember als Geburtstermin ergeben. Der heidnische Sol Invictus sei erst eine sekundäre Begründung und nicht der primäre Anstoß gewesen. Zum Gedanken des wahren „Sol invictus“, des Siegers über den Tod, kam noch die Weltenharmonie als göttliche Ordnung: Danach war das Sonnenjahr so geordnet, dass zur Zeit des Herbstäquinoktiums am 24. September die Verkündigung und Empfängnis Johannes des Täufers, zur Sommersonnenwende am 24. Juni dessen Geburt, zum Frühlingsaequinoktium die Empfängnis Jesu und zur Wintersonnenwende seine Geburt stattfanden. Sowohl die Berechnungshypothese als auch die an den Sol invictus gekoppelte Hypothese lassen Fragen offen: z. B., mit welcher Berechtigung der üblicherweise maßgebliche Geburtstermin auf den Termin der Empfängnis zurückverlegt sein sollte. Die Hypothese des Festes für den Sol invictus räumt der kulturellen Umgebung des frühen Christentums einen größeren Einfluss auf die Kirche ein, als die Zeitgenossen es wohl zugegeben hätten. Auch die afrikanische Kirche feierte von vornherein nur den 25. Dezember. Augustinus warf den Donatisten vor, bei der Feier der Epiphanie abzuweichen, was manche aus einem argumentum e silentio vermuten lässt, dass der 25. Dezember bereits vor dem donatistischen Schisma 311 in Afrika der Weihnachtstermin gewesen sei. Ältestes Zeugnis ist eine überlieferte Predigt des Optatus von Mileve aus der Zeit um 360 über den Bethlehemitischen Kindermord. Für Oberitalien ist das Datum für das Ende des 4. Jahrhunderts unter anderem durch Filastrius von Brescia, Diuersarum hereseon liber, Kap. 140, belegt. Die Synode von Saragossa bezeugte in can. 4 das Datum für das Jahr 380 in Spanien. Für Gallien gibt es für diese Zeit noch keinen Beleg. Erst im 5. Jahrhundert nennt es Gregor von Tours. Im deutschsprachigen Raum wird – soweit ersichtlich – Weihnachten zum ersten Mal in den Synodalbeschlüssen der Bairischen Synode erwähnt, deren Datierung aber nicht gelungen ist. Nach dem Stil der Veröffentlichung der Beschlüsse wird die Mitte des 8. Jahrhunderts angenommen. Dort wird eine Fastenzeit für die Zeit vor Weihnachten angeordnet. Gregor von Nazianz feierte das Fest 380 in Konstantinopel. Seine Predigten zu Weihnachten und Epiphanie richteten sich gegen arianische und apollinaristische Lehren und betonten das trinitarische Bekenntnis von Nicäa. In Ägypten ist es ab 432 nachgewiesen, wohl in der Auseinandersetzung mit Nestorius eingeführt. In Jerusalem wurde es erst im 6. Jahrhundert unter Justinian II. gefeiert. Während alle anderen Kirchen Weihnachten übernommen haben, hat die Armenische Kirche bis heute nur den 6. Januar als Geburtsfest Jesu. Außerchristliche Parallelen Das mit Jesu Geburt verknüpfte kirchliche Motiv der Jungfrauengeburt ist religionsgeschichtlich sehr alt: In der Geburtsschilderung des gräko-ägyptischen Helios-Aion wird der Gottessohn von einer unberührten Frau geboren. Sein Geburtstag wurde in Alexandrien am 25. Dezember und in der Nacht von 5. auf den 6. Januar begangen. Ebenso heißt es beim biblischen Propheten Jesaja 7,14 nach der Septuaginta, dass eine Jungfrau (παρθενος) LXX gebären wird; der masoretische Text spricht hier von einer jungen Frau (עלמה). OT Unter anderen hat Albertus Magnus diese Stelle ebenfalls zur Berechnung der Geburtsstunde Jesu herangezogen, indem Jesus die Jungfrau zum Aszendenten hatte, d. h. an der Wintersonnenwende geht die Sonne mit dem Steinbock auf, dementsprechend tritt Virgo genau zu Mitternacht über den Horizont. Als weitere Anspielung weist Spica bzw. Stachys, die Ähre der Korä, auf die Geburt im Haus des Brotes hin. Im Koran wird die Weihnachtsgeschichte in der Sure 19:16–34 [22-25] erzählt. Ob das christliche Weihnachtsfest als Übernahme solcher älteren oder aber konkurrenzbedingte Verdrängung von parallelen Mysterienkulten zu deuten ist, ist umstritten. Die antiken Darstellungen von Isis und Osiris beeinflussten jedenfalls die frühe christliche Ikonographie. Der Ursprung aus einem germanischen oder skandinavischen Julfest ist unhaltbar. Hinsichtlich eines vorchristlichen Julfestes gibt es große Quellen-Probleme. Dass es für den Mittwinter bei den Nordgermanen Feste gab, ist überliefert. Umstritten ist aber, zu welcher Zeit sie stattfanden und welchen Inhalt sie hatten. Die meisten Quellen sind nachchristliche Texte. Es gibt zum einen die sprachgeschichtlichen Hinweise aus der Verwendung des „Jul“-Begriffes; auch heute ist das dänische Wort für Weihnachten „Jul“. Ob dahinter ein ursprüngliches „Julfest“ stand oder ob das Wort selber ursprünglich einfach nur „Fest“ bedeutet, ist umstritten. Jedenfalls taucht die Bezeichnung in Monatsnamen für den Zeitraum von November bis Januar auf. Dann gibt es den Hinweis beim altisländischen Schriftsteller Snorri, wonach der erste christliche König Norwegens Haakon der Gute ein Fest namens „hoggunott“ bzw. „haukunott“ von Mitte Januar auf den 25. Dezember habe verlegen lassen. Dies wird zuweilen so gedeutet, dass der christliche König die übliche mittwinterliche Einladung an seine Adligen auf den Weihnachtstag vorverlegt habe. Der Text ist diesbezüglich aber nicht eindeutig. Der Umstand, dass das Weihnachtsfest in Skandinavien den Namen „Jul“ trägt, stützt jedoch diese These. Die Weihnachtszeit im Kirchenjahr Die Weihnachtszeit unterteilt sich in eine vorweihnachtliche Buß- und Fastenzeit (Adventszeit) sowie eine weihnachtliche Freudenzeit. Die Adventszeit eröffnet nach dem Totensonntag bzw. nach dem Christkönigsfest zugleich ein neues Kirchenjahr und beginnt mit dem 1. Advent, der in der Regel am vierten Sonntag vor Weihnachten gefeiert wird. Die Weihnachtszeit endet am Sonntag nach Epiphanias (Fest der Heiligen Drei Könige); dieser Sonntag ist liturgisch durch das Gedächtnis an Jesu Taufe geprägt. Abweichend von diesem in allen westlichen Kirchen geltenden Brauch hat das Bistum Mailand trotz römisch-katholischer Liturgiereformen seine ambrosianischen Regelungen beibehalten dürfen; dort beginnt die Adventszeit, mit dem 11. November, einem Quatember, wodurch sich sechs statt vier Adventssonntage ergeben, und die Weihnachtszeit endet am 2. Februar mit dem „Fest der Darstellung des Herrn im Tempel“ (Lichtmess). Damit hat sich dort die Tradition bewahrt, dass Buß- und Fastenzeit wie Freudenzeit um Weihnachten wie um Ostern in Anlehnung an Jesu Rückzug in die Wüste (40 Tage; Matthäus 4,2 LUT), die Sintflut (40 Tage; Genesis 7,4.12 LUT), Noahs Warten in der Arche auf dem Ararat (40 Tage; Genesis 8,6 LUT), Israels Exodus (40 Jahre; Exodus 16,35 LUT) und anderes jeweils 40 Tage dauern. An Lichtmess klingt die Weihnachtszeit nach. Der Grund dafür liegt unter anderem in den gottesdienstlichen Perikopen des Tages, die in den westlichen Kirchen gleich sind. In der alttestamentlichen Lesung Maleachi 3,1-4 LUT klingt die Adventszeit nach, die Epistel Hebräer 2,14-18 LUT blickt bereits auf Karfreitag, das Evangelium (Buch) Lukas 2,22-24 LUT schließt unmittelbar an das Weihnachtsevangelium an. Liturgie (historische Reihenfolge) Orthodox Die östlichen Kirchen stellten von jeher die Theophanie (heute Epiphanias) am 6. Januar in den Mittelpunkt. Sie ist älter als das Weihnachtsfest. Die Predigten von Gregor von Nazianz aus den Jahren 380 und 381 markieren den Übergang vom Gesamtfest Epiphanie zu den beiden Festen Weihnachten mit dem Schwerpunkt der Geburt und Epiphanie, das auf die Taufe Jesu im Jordan bezogen wird. Antiochien übernahm kurze Zeit später das Weihnachtsfest, wie ein Predigt des Johannes Chrysostomos aus dem Jahre 386 belegt. Die Jerusalemer Kirche lehnte das Weihnachtsfest bis ins 6. Jahrhundert ab. Die armenische Kirche hat es bis heute nicht übernommen, sondern hält am umfassenden Festtermin vom 6. Januar fest. Bedingt durch die Kalenderreform 1582, die nicht von allen orthodoxen Kirchen übernommen wurde, wird das Weihnachtsfest in den orthodoxen Kirchen, die den Gregorianischen Kalender übernommen haben, am 25. Dezember gefeiert. Dies sind die orthodoxen Kirchen von Konstantinopel/Ökumenisches Patriarchat, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland (mit Ausnahme der Republik Athosklöster), Albanien, Finnland und die syrisch-orthodoxe Kirche. Die Kirchen, in denen weiter der julianische Kalender gilt, feiern das Geburtsfest am 7. Januar (13 Tage Versatz zum gregorianischen Kalender): Jerusalem, Russland, Polen, Tschechien, Slowakei, Serbien, Georgien, Ukraine, Estland, Athosklöster Griechenlands und die koptische und äthiopische orthodoxe Kirche. Das vorweihnachtliche Fasten, das weniger streng ist als das Fasten vor Ostern, beginnt bei den Orthodoxen bereits 40 Tage vor Weihnachten. Ab dem 13. Dezember wird es strenger und erreicht seinen Höhepunkt am 24. Dezember. Es handelt sich dabei aber nicht um eine liturgische Adventszeit. Während dieser Zeit wird die Liturgie Schritt für Schritt mit weihnachtlichen Motiven angereichert. Die beiden letzten Sonntage vor Weihnachten sind den Ahnen Christi gewidmet. Am 24. Dezember wird eine Vesper mit 8 Schriftlesungen gehalten, die alle auf Jesus als Erfüllung der Prophezeiungen hinweisen. Auf die Vesper folgt die Taufliturgie des Basilius, ein Hinweis auf den Satz: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“. Die Lesungen bestehen aus Hebräer 1,1-12 LUT und Lukas 2,1-20 LUT. Die große Komplet geht in den Frühgottesdienst über. Beide zusammen gelten als „Nachtwache“, in der die Geburt Christi nach Matthäus 1,18-25 LUT verkündet wird. Zur Matutin wird der gesamte Kanon Christus ist geboren gesungen, und die Gläubigen beten vor der Ikone der Geburt Jesu. Die Liturgie des Weihnachtstages befasst sich mit dem Besuch der Magier und hebt die Herrschaft Christi hervor. Dafür wird die Chrysostomus-Anaphora verwendet. Das Evangelium aus Matthäus 2,1-12 LUT widmet sich dem Besuch der Magier. Mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag beginnt die sechstägige Nachfeier mit der Synaxis der Theotokos (Zusammenschau der Gottesgebärerin), ein Fest der Marienverehrung. Katholisch Bereits Gregor der Große kannte die drei Messen des Weihnachtsfestes. Die Titelkirchen Roms kannten dagegen anfangs nur zwei Messen, die Vigil und den Festgottesdienst am folgenden Tag. Bereits das Capitulare lectionum aus der Mitte des 6. Jahrhunderts enthält bei allen drei Weihnachtsmessen die klassische Abfolge der Lesungen aus dem AT (Jesaja), aus den Paulusbriefen und das Evangelium (Liturgie). Diese Ordnung war bis weit ins Mittelalter üblich, örtlich bis ins 18. Jahrhundert Die älteste ist die Festmesse des Tages (in die), die bereits von Ambrosius und von Papst Coelestin I. Anfang des 5. Jahrhunderts erwähnt wird. Stationskirche war St. Peter im Vatikan. Die zweite Messe war eine wohl aus Jerusalem übernommene Mitternachtsmesse (in nocte, volkstümlich „Christmette“ genannt, da sie mit der Mette zusammenfiel), deren Stationskirche die Marienbasilika auf dem Esquilin war (S. Maria Maggiore). Dorthin wurde im 11. Jahrhundert auch die Tagesmesse verlegt; denn sie beherbergte in der Krypta eine Nachbildung der Geburtsgrotte. Als dritte selbständige Messe kam im Morgengrauen (mane in aurora, volkstümlich auf Grund des Evangeliums von der Anbetung der Hirten „Hirtenamt“ genannt) in der byzantinischen Hofkirche Santa Anastasia auf dem Palatin hinzu. Dort wurde am 25. Dezember das Fest ihrer Titelheiligen Anastasia von Sirmia gefeiert. Diese päpstliche Stationsliturgie führte zu der einmaligen und einmalig bleibenden Situation, dass drei verschiedene Messen mit unterschiedlichen Messformularen am gleichen Tag gefeiert wurden. Die Textausstattung stammt von Gregor dem Großen. So kam die Weihnachtsliturgie als Ganzes in den gallisch-fränkischen Norden. Karl der Große hat sie dann für verbindlich erklärt. Im 11. Jahrhundert tauchen in Frankreich erstmalig szenische Darstellungen im Gottesdienst auf, sogenannte Weihnachtsspiele. Franz von Assisi stellte Greccio in Umbrien eine Krippe mit einem lebenden Ochsen und Esel auf, verlas in der Messe das Evangelium und hielt eine Predigt. Kaiser Joseph II. verbot die Krippenspiele im Gottesdienst, die deshalb in den häuslichen Bereich wechselten und zum Brauchtum wurden. An dieser Messliturgie hat die Liturgiereform Paul VI. im Wesentlichen festgehalten. So steht noch heute die etwas unromantische klare dogmatische Aussage zur Gottheit Christi aus der Entstehungszeit im Vordergrund. Die Weihnachtszeit beginnt heute mit der ersten Vesper von Christi Geburt am späten Nachmittag des 24. Dezembers bis zum Fest der Taufe Christi am ersten Sonntag nach Epiphanie (Sekretariat der Bischofskonferenz 1996, S. 122 ff.). Es gibt auch immer noch die drei Messformulare, wenn auch heute erlaubt ist, die Texte auszutauschen. Die Lesungstexte schreiten in den Messen fort. In der Vorabendmesse am 24. Dezember steht noch die Erwartung im Vordergrund (Jesaja 62,1-5 LUT; Apostelgeschichte 13,16-26 LUT und Matthäus 1,1-25 LUT). In der Christmette wird die Freude ausgedrückt (Jesaja 9,1-6 LUT; Titus 2,11-14 LUT und Lukas 2,1-14 LUT). Die Hirtenmesse am Morgen handelt von der Hoffnung auf Erlösung durch die Inkarnation (Jesaja 62,11-12 LUT, Titus 3,4-7 LUT und Lukas 2,15-20 LUT). Das Hochamt bzw. die Tagesmesse hat Gottes Heilsplan zum Gegenstand, wie er im Prolog des Johannesevangeliums (Johannes 1,1-18 LUT) zum Ausdruck kommt; vorausgehende Lesungen sind Jesaja 52,7-10 LUT und Hebräer 1,1-6 LUT. Innerhalb der Weihnachtsoktav dürfen keine anderen Heiligenfeste gefeiert werden mit Ausnahme der drei comites Christi, nämlich Stephanus, Johannes des Evangelisten und der Unschuldigen Kinder. Evangelisch In den deutschen evangelischen Kirchen beginnt Weihnachten am 24. Dezember mit der Christvesper. Die liturgischen Texte bestehen aus den Weissagungen des Alten Testaments (Micha 5,1-3 LUT; Jesaia 9,5-6a LUT und Jesaia 11,1-2 LUT) und der Geburtsgeschichte des Lukasevangeliums. Dazwischen singt die Gemeinde Weihnachtslieder. Um „nächtlichen Unfug“ zu unterbinden, verlegte man die Christmette, die im Zentrum von Weihnachten steht, in den frühesten Morgen des Festtages (oft um 4 Uhr) oder ersetzte sie durch die vorabendliche Vesper. Die behördlichen Reserven gegen den Gottesdienst um Mitternacht führte bis ins 18. Jahrhundert zu Konflikten. Die Gemeinden, in denen heute der Nachtgottesdienst abgehalten wird, nehmen wieder zu. Das Evangelische Gottesdienstbuch von 1999 nahm dafür ein eigenes Formular auf. Eine Besonderheit des evangelischen Weihnachtsfestes, die bis in die Reformationszeit zurückreicht, ist es, das Weihnachtsfest auch auf den zweiten (früher gar den dritten) Weihnachtstag auszudehnen. Viele Kirchenordnungen regelten, dass auch am zweiten Feiertag über die Geburt Jesu zu predigen sei. Das Evangelische Gottesdienstbuch bietet dafür zwei Formulare, „Christfest I“ und „Christfest II“, die aber austauschbar sind. Das Fest des Erzmärtyrers Stephanus kann in einem Abendgottesdienst berücksichtigt werden. Die Reformierten Kirchen lehnten das Weihnachtsfest früher ab. Deshalb gibt es keine genuin reformierten liturgischen Besonderheiten; sie übernahmen schließlich in vielen Fällen lutherische und unierte Traditionen. Die Entwicklung des Weihnachtsfestes wird in dieser Beziehung daher unter dem Titel „Brauchtum“ behandelt. Amerikanische Lutheraner, Episkopalisten und Methodisten benutzen das Common Lectionary, welches von der Consultation on Common Texts erstellt worden ist. Danach werden folgende Texte verwendet: Jesaja 9 LUT, Titus 2 LUT, Lukas 2,1-20 LUT oder: Jesaja 52 LUT, Hebräer 1 LUT und Johannes 1,1-14 LUT oder: Jesaja 62 LUT, Titus 3 LUT und Lukas 2,1-20 LUT. Bei den aktiven Gemeindemitgliedern der Anglikaner bildet die Kommunion in der mitternächtlichen Eucharistiefeier den Höhepunkt. Während das frühere Book of Common Prayer am Heiligen Abend nur in einigen Gebeten auf das Weihnachtsfest hinwies, wird in den heute gebräuchlichen Agenden, wie dem Common Worship aus dem Jahre 2000, das Weihnachtsereignis ins Zentrum der Schriftlesung und der Gebete gerückt. Feiertagsregelungen Die Weihnachtsfeiertage sind gesetzliche Feiertage im Dezember oder Januar. Je nach Land ist die Festlegung der Anzahl der Feiertage unterschiedlich. Die deutsche Festlegung auf die beiden Feiertage am 25. und 26. Dezember geht historisch auf Martin Luther zurück. Als dritter Weihnachtsfeiertag kann Epiphanias bzw. das Heilig-Drei-König-Fest am 6. Januar dazu gelten; auch dieser ist in einigen deutschen Bundesländern gesetzlicher Feiertag. Kritik In der pastoralen Literatur wird auch Kritik an dem Weihnachtsfest in heutiger Gestalt geübt. Sie lässt sich im Wesentlichen auf die drei Schlagworte Profanierung, Kommerzialisierung sowie Hektik und Stress konzentrieren. Unter dem Schlagwort „Profanierung“ wird vor allem vorgetragen, dass das Weihnachtsfest entchristlicht und zu einem Familienfest für jedermann geworden sei. Der theologische Gehalt gehe dabei über weite Strecken verloren. Stattdessen nähmen Kitsch und Sentimentalität zu. Demgegenüber ist zu betonen, dass das Weihnachtsfest seit jeher zweigleisig gewesen ist, einmal kirchlich-sakral, zum anderen als Volksfest mit Gelagen und Besäufnissen, was immer wieder zum Einschreiten der Obrigkeit geführt hat. Die Ausbildung als Familienfest, im Wesentlichen seit dem 19. Jahrhundert verstärkt zu beobachten, zeigt, dass es jedenfalls in den nördlichen Breiten ein Bedürfnis gibt, ein Fest zur Belebung und Stärkung von Binnenbeziehungen, besonders in der Familie, zu feiern. Dass sich ein solches Fest an ein kirchliches Fest anschließt, profaniert das kirchliche Fest selbst nicht zwangsläufig. Allerdings geht mit der Reduzierung auf Familie auch eine Ausgrenzung randständiger Gruppen einher. Deshalb betreiben viele Organisationen eine Ergänzung durch Weihnachtsfeiern für Alleinstehende und Nichtsesshafte. Unter dem Schlagwort „Kommerzialisierung“ wird die weit in die Adventszeit zurückreichende Ankurbelung des Umsatzes mit Weihnachtsmotiven in den Kaufhäusern und der Werbung beklagt. Weihnachten ist in vielen Ländern das Konsumereignis des Jahres und viele Branchen erwirtschaften im November und Dezember über ein Fünftel des Jahresumsatzes (statistisch gleichverteilt wären in einem Zeitraum von zwei Monaten rund 17 % zu erwarten): Spielwaren: 32,1 %, andere Erhebungen geben bis zu 40 % an. Uhren und Schmuck: 28,7 % Bücher, Zeitschriften und Zeitungen: 23 % Warenhäuser: 22,3 % Antiquitäten: 22,2 % Textilien: 21,5 % Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte: 21,2 % Dabei wird ein wesentlicher Unterschied zur Werbung im übrigen Jahr übersehen: Normalerweise zielt die Werbung darauf ab, dass der Beworbene sich eigene Wünsche erfüllt. Im Weihnachtsgeschäft geht es darum, nahestehende Mitmenschen zu beschenken. Das Geschenk oder die „Gabe“ ist seit ältester Zeit der Menschheit ein wesentliches Mittel zur Stabilisierung von Beziehungen. Überall auf der Welt gibt es Feste, die einen Gabenaustausch zum Inhalt haben. Unter dem Schlagwort Hektik wird kritisiert, dass der Mensch in der Adventszeit nicht zur Ruhe komme, weil er vollständig mit den Festvorbereitungen und dem Suchen nach dem passenden Geschenk ausgelastet sei. Künstlerische Verarbeitung des Weihnachtsthemas Ikonographie Die früheste bekannte Darstellung der Geburt Jesu stammt aus der Zeit um 320. Dort ist die Krippe einem Altar angeglichen. Symbolik, Bildinhalte und Bezüge Die christliche Kunst entwickelte ihre Motive zunächst aus den Erzählungen des Matthäus- und Lukasevangelium sowie aus den apokryphen Kindheitsevangelien. Hinzu kamen viele Legendentexte verschiedener Herkunft. Seit den Darstellungen in den Katakomben im 3. Jahrhundert bis weit in die Renaissance wurde die Geburtszene mit der Verkündigung an die Hirten und der Anbetung der Magier verbunden. Der Stall kommt im 4. Jahrhundert hinzu. Sehr früh sind schon die besondere Beziehung Jesu zu Maria Thema der Bilder, z. B. das erste Bad oder die das Jesuskind stillende Mutter, wobei über Maria ein Stern steht (Domitilla- und Priscilla-Katakomben, spätes 3. Jahrhundert). Zu einem neuen Thema führte die Entdeckung der Geburtsgrotte durch Flavia Iulia Helena und die Erbauung der Geburtskirche durch Kaiser Konstantin. Schon seit dem frühen 4. Jahrhundert befinden sich Ochs und Esel auf den Bildern, die auf Jesaja 1,3 verweisen: „Der Ochs kennt seinen Besitzer, der Esel seine Krippe“. Sie und die Magier auf dem gleichen Bild bedeuten, dass sowohl die höchsten als auch die niedrigsten Lebewesen das Kind anbeten. Auch symbolisierte der Ochs als reines Tier das jüdische Volk, das an das Gesetz gebunden ist, der Esel als unreines Tier die heidnischen Völker unter der Last des Heidentums. In den byzantinischen Darstellungen sind auch die beiden Hebammen Zelomi und Salome dargestellt, die in der christologischen Auseinandersetzung der damaligen Zeit die wirkliche menschliche Geburt Jesu betonen sollen. Die an der jungfräulichen Geburt Jesu zweifelnde Salome will diesen Umstand mit ihrer Hand untersuchen, die dann zur Strafe verdorrt. Die Berührung des Jesusknaben heilt sie wieder. Dieses Thema ist im 5. und 6. Jahrhundert ein beliebtes Motiv der östlichen Kunst und ist auf der linken vorderen Ciboriumssäule (Ciborium ist ein Baldachin) von San Marco in Venedig, die aus Konstantinopel geraubt ist, dargestellt. Die Gattung der Biblia pauperum [Armenbibel] weist in ihren Bezügen eine ganze Reihe von Anspielungen auf: Die Wurzel Jesse, Daniel 2,45 LUT: Maria ist der unbehauene Berg, die Geburtshöhle ihr Schoß. „Ohne Zutun eines Menschen brach ein Stein los.“ Weihnachten wird mit Ostern in Beziehung gesetzt. Die Höhle ist auch Sinnbild seines Grabes. Irenäus verglich die Menschwerdung Christi mit seiner Höllenfahrt zwischen Tod und Auferstehung. Als Präfigurationen der Jungfräulichkeit Mariens gelten vor allem: Der brennende Dornbusch LUT. So wie die Flamme den Dornbusch nicht verzehrte, so versehrte die Empfängnis nicht die Jungfräulichkeit. Felizetti beschreibt eine Ikone im Sinaikloster aus dem 14. Jahrhundert, auf welcher Maria selbst in den brennenden Dornbusch gestellt ist. Dann der grünende Aaronsstab (Numeri 17,23 LUT), da Aarons Stab Blüten trug, ohne gepflanzt worden zu sein. Dann Gideon mit dem Vlies (Richter 6,37f LUT), denn dies war das Zeichen der Berufung Gideons zu Rettung seines Volkes und symbolisierte die Beschattung Mariens durch den Heiligen Geist. Dann Ezechiel vor der verschlossenen Pforte (Ezechiel 44,2 LUT) ebenfalls für die Jungfräulichkeit Mariens. Diese vier Präfigurationen wurden bereits im 9. Jahrhundert in der byzantinischen Kunst entwickelt und kamen später auch ins Abendland. Sie finden sich auf Tafelbildern des 15. Jahrhunderts, wo sie um die Darstellung der Geburt Christi herum gruppiert werden, so z. B. auf der Mitteltafel des Flügelaltars im Kloster Sams. Auch die antike Ikonographie der Mysterienkulte, die ebenfalls die Geburt eines Gottes kannten, hatte Einfluss auf die frühen christlichen Darstellungen, wie gewisse Parallelen zu antiken Darstellungen zur Geburt Alexanders oder des Dionysos zeigen. Auf einem E-relief um 550 zeigt die Hebamme Salome Maria ihre verdorrte Hand. Die Haltung Mariens, liegend, halb aufgerichtet mit der linken Hand am Kinn ist sehr ähnlich der halb liegenden und halb sitzenden Semele bei der Geburt des Dionysos auf einer E-pyxis in Bologna. Stilfragen Am Anfang fehlt auf vielen Bildern Maria, häufiger noch Josef. Sie wurde erst zum zweiten Schwerpunkt, als Maria 431 auf dem Konzil zu Ephesus als „Gottesgebärerin“ anerkannt wurde. In der byzantinischen Ikonographie kommt den beiden Geburtshelferinnen eine besondere Bedeutung zu, die das Kind baden (Abb.1) und die Einmaligkeit Jungfrauengeburt Marias bezeugen. Meist liegt Maria erschöpft auf einer Liege (κλίνη), was den menschlichen Geburtsvorgang betonen soll. Das Kind ist in ein Tuch in Analogie zum späteren Leichentuch gewickelt. Die Szene wird in der Regel in einer Grotte dargestellt, wobei auch das Höhlengleichnis Platons in Verbindung mit Jesus als dem Licht der Welt eine Rolle gespielt haben mag. Joseph wird regelmäßig wesentlich älter dargestellt, steht im Hintergrund und bewacht die Szene. Frühchristliche und byzantinische Bilder von der Geburt sind wesentlich seltener als die mit Magiern und Hirten, also der Epiphanie. Typisch für den byzantinischen Einfluss in Italien ist das Bild von Duccio di Buoninsegna (Abb.2). Der Unterschied zur rein byzantinischen Darstellung liegt in der Darstellung der persönlichen Beziehungen der Personen auf dem Bild untereinander. Die wachsende Marienfrömmigkeit, die franziskanische Spiritualität und der Humanismus führten später dazu, dass bereits in der Hochgotik die frühere etwas distanzierte Darstellung zwischen Maria und dem Jesuskind einer innigeren Verbindung zwischen beiden wich und einer natürlicheren Darstellung Platz machte. Damit änderte sich auch die Rolle Josephs, der eine aktivere Rolle zugewiesen bekam. Typisch für die neue Darstellungsweise ist die Anbetungsszene von Giotto die Bondone. Im 14. Jahrhundert häufen sich Darstellungen, in denen Maria und Josef beiderseits des Kindes auf dem Boden sitzen, möglicherweise eine Anspielung auf die Demut. Am Ende des 14. Jahrhundert fließen genrehafte Motive in das Bildmaterial ein. Josef bereitet für Mutter und Kind ein Essen, oder er wärmt sich die Hände an einem Ofen. Auch das Herstellen von Windeln oder das Trocknen von Windeln durch Josef wird darstellungswert. Dabei sind diese Sorgehandlungen Josefs als ein Adoptionsakt zu deuten. (Blisniewski 2000). In der Spätgotik ist nicht mehr die Darstellung der Kindheitsgeschichte als solche Ziel der Darstellung, sondern die meditative Betrachtung der Menschwerdung. Es bildet sich eine Tendenz zum Andachtsbild heraus. Der Anbetungstypus entwickelt sich bis zum 16. Jahrhundert zum vorherrschenden Motiv. Ein besonderer Höhepunkt ist das theologisch-spekulativ ausgestaltete Geburtsbild von Matthias Grünewald auf der zweiten Schauseite des Isenheimer Altars (Abb.3) und die Anbetung der Magier von Albrecht Altdorfer (Abb.4). Musik Speziell weihnachtliche Musik hat ihren Ursprung in der musikalischen Gestaltung der drei Festmessen (spezielle Hymnen und Responsorien bereits seit frühchristlicher Zeit bekannt) sowie dem Gloria der Engel bei den Hirten auf dem Felde, von dem das Lukasevangelium 2, 14 berichtet. Weihnachtslieder In allen christlichen Kulturen bildete sich seit dem Mittelalter ein Bestand an speziellen volkstümlichen Weihnachtsliedern heraus, die zumindest anfangs in engem Zusammenhang mit der Kirche standen und von ihr auch in Gottesdiensten usw. eingebunden wurden. Der deutsche Bestand an Weihnachtsliedern wurde durch Martin Luther wesentlich bereichert. Von ihm stammen: „Gelobet seist du Jesus Christ“ (Strophe 2 bis 7) „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ (Text und Melodie) „Vom Himmel kam der Engel Schar“ (Text und Melodie) Mit Versionen in ca. 300 Sprachen und Dialekten hat das 1818 erstmals aufgeführte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ die größte Verbreitung gefunden. Ebenfalls weltweit bekannt ist das Lied „O du fröhliche“ ausgebreitet. Für den englischsprachigen Raum sind „Jingle bells“ und „We wish you a merry christmas“ hervorzuheben, es bestehen aber auch noch traditionelle Bräuche wie das Absingen von Carols (alte englische Weihnachtslieder). Kunstmusik Auch in der über die Jahrhunderte sich entwickelnden Kirchenmusik entstanden zahlreiche speziell weihnachtliche Werke, die zum Teil bis heute bekannt und beliebt sind, z. B. Heinrich Schütz' Weihnachts-Historie, und natürlich allen voran J. S. Bachs Weihnachtsoratorium, ferner die auf Weihnachten bezogenen Teile des Messias von Händel. Auch Carl Heinrich Graun, J. G. Rheinberger, Engelbert Humperdinck, L. H. Berlioz, C. Saint-Saëns, E. Martin und Giselher Klebe haben in verschiedenen Jahrhunderten Weihnachtsmusik verfasst. Siehe auch: Weihnachtsoratorium Populäre Musik Der überlieferte Bestand an Weihnachtsliedern, der ursprünglich nur im Kontext von Familie und Kirche gesungen wurde, gehörte bald auch zum Repertoire der Straßenmusikanten. Im letzten Jahrhundert begannen dann auch Kaufhäuser sowie Funk und Fernsehen sie zur Einstimmung und gezielten Werbung einzusetzen. Neue, der Popmusik zuzurechnende Weihnachtslieder befassen sich textlich in den meisten Fällen nicht mit dem Kern der christlichen Weihnachtsbotschaft, sondern beschränken sich auf andere Aspekte wie z. B. das Besingen der Weihnachtsvorfreude. Vielfach ist den Stücken leicht anzumerken, wie sie das spezifisch Christliche bewusst zugunsten einer weltanschaulichen Unbestimmtheit ausklammern (z. B. „The Spirit of Christmas“). Häufig sind es nur noch reine Winter- (wie „Let it snow“ von Frank Sinatra) oder sogar normale Liebeslieder (wie „Last Christmas“ von Wham!), in denen lediglich einige Klangeffekte zum Einsatz kommen, die gemeinhin mit der Weihnachtszeit assoziiert sind (Schlittenglöckchen, Chöre, Orgeln etc.). Diese Tendenz der inhaltlichen Abkehr von den Wurzeln war allerdings schon bei vielen Liedern des 19. Jahrhunderts zu beobachten („Lasst uns froh und munter sein“, „Kling Glöckchen“ u. v. a.). Weihnachten in der Literatur In der abendländisch, christlich geprägten Literatur wird die Weihnachtsgeschichte, die (Vor-)Weihnachtszeit oder auch nur das Weihnachtsfest selbst seit Jahrhunderten thematisiert, sei es am Rande als zeitlich bestimmender Fixpunkt eines (fiktiven) Ereignisses, das dadurch einen bewusst evozierten Beiklang bekommt, oder sei es gleich als beispielhafte Umdeutung eines jeweils aktuellen Zeitgeschehens in familiären oder auch gesellschaftlichen Zusammenhängen. Das kann dann als ernsthafte Auseinandersetzung mit der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte, aber auch als sich daran kritische oder an den Auswüchsen der Feierlichkeiten reibende Polemik nachzulesen sein. Dementsprechend ist die Zahl der Veröffentlichungen hierzu Legion; beispielhaft seien hier Klassiker genannt wie die Märchen A Christmas Carol (dt. „Eine Weihnachtsgeschichte“) von Charles Dickens oder Bergkristall von Adalbert Stifter. Neben den märchenhaft besinnlichen Erzählungen und Romanen dieser Tradition hat sich die Spannbreite der Genres seit Mitte des 20. Jahrhunderts unter anderem auch um satirische Erzählungen wie Nicht nur zur Weihnachtszeit von Heinrich Böll bis hin zu Kriminalromanen oder -anthologien mit Titeln wie Blutiges Fest oder Eiskalte Weihnachten erweitert. Unzählig sind die sich hierbei von vorneherein an Kinder und Jugendliche wendenden Geschichten, angefangen mit Klassikern wie Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz und Nußknacker und Mausekönig von E.T.A. Hoffmann über Weihnachten im Stall von Astrid Lindgren bishin zu den neueren Erzählungen Das Weihnachtsgeheimnis und Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort von Jostein Gaarder. Lotet das letztgenannte Buch von Jostein Gaarder die Thematik mit durchaus tragischen Momenten auf Leben und Tod aus, geht es vielen Kinder- und Jugendbuchautoren zumeist schlicht darum, die kindlichen Erwartungen an das „Gabenfest“ mit dem „eigentlichen“ Sinn weihnachtlicher Nächstenliebe korrespondieren zu lassen – in den Bilderbüchern für die ganz jungen Leser bzw. Zuhörer rücken dann nicht selten anstelle des Christkindes die zu Werbe- und Gabenträgern gewordenen Nikolaus und Weihnachtsmann in den Vordergrund. Im siebten und letzten Band der Harry Potter-Reihe erlebt der Titelheld Weihnachten auf der Flucht – jedoch in diesem Band wie in den Bänden zuvor ist das Weihnachtsfest nur auf die Muggelwelt bezogen und dient ansonsten sinnentleert als reine Zeitangabe für eine Ferienzeit der Hogwarts-Schüler. Elfen (auch Alben, Elben) ist eine Bezeichnung für eine sehr heterogene Gruppe von Fabelwesen in Mythologie und Literatur. Elfen sind Lichtgestalten oder Naturgeister, die ursprünglich aus der nordischen Mythologie stammen. Altnordisch heißen sie álfr, ahd. alb, altengl. ælf, dänisch elve (verwandt mit lateinisch albus, weiß); die deutsche Entsprechung ist eigentlich Alben (Singular: der Alb) oder Elben (Singular: die Elbe), diese wurden in jüngster Zeit jedoch weitgehend von der englischen Form Elfen verdrängt. Elfen in der Mythologie Von Lichtalben (Sonnenalben) und Dunkelalben (Schwarzalben), die Nordische Mythologie Die Alben werden in der Snorra-Edda (welche um das Jahr 1200 verfasst worden ist und als jüngere Edda gilt) häufig im Zusammenhang mit dem nordischen Göttergeschlecht der Asen erwähnt. In der Snorra-Edda wird unterschieden zwischen Licht- und Schwarzalben, Namen, die stark deren Gesinnung widerspiegeln. „ Sá er einn staðr þar, er kallaðr er Álfheimr. Þar byggvir fólk þat, er Ljósálfar heita, en Dökkálfar búa niðri í jörðu, ok eru þeir ólíkir þeim sýnum ok miklu ólíkari reyndum. Ljósálfar eru fegri en sól sýnum, en Dökkálfar eru svartari en bik.“ „Da ist eine Wohnung, die Alfheim heißt. Da haust das Volk, das man Lichtalben nennt. Aber die Schwarzalben wohnen unten in der Erde und sind ungleich von Angesicht und noch viel ungleicher in ihren Verrichtungen. Die Lichtalben sind schöner als die Sonne von Angesicht; aber die Schwarzalben schwärzer als Pech.“ – Gylfaginning Kap. 17. Ob Snorri diese Einteilung bereits vorfand oder selbst entwickelt hat, ist umstritten. Die Alben sind jedenfalls besonders an die Fruchtbarkeit geknüpft, da sie dem Fruchtbarkeitsgott Freyr zugeordnet sind. Später kommen noch die Dunkelalben hinzu, was eine eher negative Mischform jener beiden ist. Bei anderen Autoren besteht eine Hierarchie, bei welcher die Asen an oberster, die Alben an zweiter und die Zwerge an letzter Stelle stehen. Wieder andere stellen die Alben in die Nähe der Zwerge, da álfr in der Tat ein Wortteil einiger Zwergennamen ist, z. B. Álfr, Gandálfr, Vindálfr, etc. Der Zwerg Alberich aus dem Nibelungenlied ist ein gutes Beispiel. Das englische Wort für Zwerg, Dwarf stammt von Dwarftalf, was Schwarzalb bedeutet. Nur ein Autor stellt Alben in die Nähe der Riesen. Eine dämonische Seite der Alben liegt im Wort Hexenschuss, welches eine Übertragung des älteren Ausdrucks Albenschuss ist, sowie dem heute noch gebräuchlichen Wort Albtraum. Es gibt jedoch wesentlich mehr positive Darstellungen der Alben als negative. In der Heldensaga von Wieland dem Schmied wird Wieland als Führer und Landsmann der Alben bezeichnet, was mit seiner Kunstfertigkeit als Schmied zu tun hatte. In der Ahnenreihe des Königs Harald Schönhaar treten auch vom Begriff Alben abgeleitete Namen auf (Álfr, Álfgeirr, Gandálfr, Álfhild). Álf war lange als Namensteil bei nordischen Namen häufig. Die altenglische Dichtung verwendet ælfsciene als albenschön für wunderschön. Ein Kenning bezeichnet die Sonne als Albenrad. Schon die Brüder Grimm wiesen darauf hin, dass die Unterteilung Snorris verdächtig dem Dualismus des christlichen Weltbildes von Engeln und Teufeln gleichsehe. Christliche Einflüsse sind zwar nicht auszuschließen, aber so allgemeinen Einteilungen sind Vermutungen von Übernahmen mit Vorsicht aufzustellen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass dieser Gegensatz der Licht- und Dunkelalben aus einem anderen Toten- und Fruchtbarkeitskult kommt. Dies jedenfalls findet sich in angelsächsischen Quellen. Heute ist diese Form des Albenglaubens noch in Island verbreitet. Álfablót Es wurden in der Zeit des heidnischen Europas gar Opfer an die Alben gebracht, was álfablót genannt wurde. Von ihm wissen wir so gut wie nichts. Es war lokal und wurde von Frauen geleitet und Fremde hatten keinen Zutritt. Da es den Elfen als allgegenwärtigen Mächten gewidmet war und es von Frauen geleitet wurde, vermutet man, dass es um Ahnen und Fruchtbarkeit ging. Wahrscheinlich handelte es sich um Opfer an die Schwarzalben. Die einzige Nachricht von dem Fest liefert Sigvat, der Skalde Olafs des Heiligen. Der Skalde macht eine Reise nach Osten, und da widerfährt ihm folgendes: „Þá kom hann að öðrum garði. Stóð þar húsfreyja í durum, það hann ekki ðar inn koma, segir að þau sættu álfablót.“ „Da kam er an einen anderen Hof. Stand da die Hausfrau in der Türe, sagt, dass er nicht hineinkommen dürfe, es werde gerade das Elfenopfer abgehalten.“ – Heimskringla. Saga Ólafs hins helga Kap. 91. Álfheimr Dies ist altnordisch und bedeutet: Welt der Alben. Snorri stellte sich diesen Ort als Wohnort der Lichtalben als himmlische Region vor. (Gylf 16). Nach Grm 5 ist Álfheimr aber die Wohnung des Freyr und gehört zu den Götterwohnungen in Asgard der Festung der Nordischen Götterwesen. Mittelalterliche Vorstellungen Im späten Mittelalter legten sich ganz andere Ängste um den Begriff Alb (Alp). Er wurde als nächtlicher Unhold, als böser Zwerg, als eine Art Incubus oder Succubus gesehen. Das pure Gegenteil der Fee also, die streng betrachtet auch als Albin, möglicherweise als Lichtalb betrachtet werden kann (auch hier treffen wir demnach wieder auf die Vorstellung des Christentums). Er wird allgemein als Dämon oder als Geist eines kürzlich Verstorbenen beschrieben. Vereinzelt findet sich die Vorstellung, dass eine Frau, die eine bestimmte Form der Geburtshilfe verwendet hat, sich nach dem Tod oder schon früher in einen Alb verwandelt, und dann in Tiergestalt oder in der Gestalt eines hässlichen Kobolds umherirren muss. Der Alb kann einem Opfer schweren Schaden zufügen. Er legt sich in der Nacht auf die Brust eines Schlafenden, der durch die Beklemmung dann Atemnot und Albträume (früher Albdruck genannt) bekommt. Er kann aber auch in der Nachtzeit durch den Mund in den Menschenkörper eindringen und das Blut aufsaugen. Ganz besonders mag er auch Kuh- oder Muttermilch. Elfen schieben Menschen dem Volksglauben nach auch Wechselbälger unter. Etymologie Die Herkunft des Wortes ist nicht gänzlich geklärt. Zwei Möglichkeiten gelten hier als wahrscheinlich: Vom Lateinischen albus = weiß und dem indogermanischen albh = glänzen, weiß sein; zur Bedeutung lichte Nebelgestalt. Von albus und dem altindogermanischen rbhu = kunstvoll, Künstler; zur Bedeutung Weißmagier. Beide Erklärungen beleuchten wiederum nur je ein Fragment des komplexen Bildes der Elfen/Alben. Laut Duden gehen Alb bzw. Alp möglicherweise auf ein vorindogermanisches alb- („Berg“) zurück. Damit werde auch in Ableitungsformen auf die Herkunft hingewiesen, z. B. Elbe → „Fluss aus den Bergen“. Elfen in Fantasywelten Elfen bei Tolkien („Elben“) Die Elben (Quendi) sind bedingt unsterbliche, menschenähnliche Wesen, die die von J. R. R. Tolkien erschaffene Fantasy-Welt Mittelerde bewohnen. Sie sind von großer Weisheit und Schönheit und lebten schon vor dem Erscheinen der ersten Menschen in Mittelerde. Sie altern nicht mehr, wenn sie erwachsen sind, und werden auch nicht krank, können aber (anders als etwa die Valar oder Götter) gewaltsam ums Leben kommen; ihre Seelen bleiben aber auch dann, im Gegensatz zu denen der Menschen, immer an diese Welt gebunden. Die frühen Menschen in Tolkiens Werk verdanken ihre Kultur größtenteils dem Kontakt mit den Elben. Durch ihre Abneigung gegen Veränderungen treten die Elben aber langsam gegenüber den Menschen immer mehr in den Hintergrund. Die Elben werden unterteilt in Eldar, die in grauer Vorzeit gen Westen zogen, und Avari, die sich der Wanderung nicht anschlossen. Die Eldar setzen sich wiederum aus drei Stämmen zusammen, den Vanyar, den Noldor und den Teleri. Von den Teleri schlossen zwei Gruppen die Wanderung nicht ab und blieben in Mittelerde zurück, die Nandor und die Sindar. Unter der Führung von Feanor rebellierten die Noldor später gegen die Valar und kehrten nach Mittelerde zurück. Die Reise nach Westen ins Land der Valar ist in Tolkiens Mythologie Abgrenzungskriterium für die Einteilung in Licht- und Dunkelelben. Tatsächlich führt er mit den Grauelben eine dritte Kategorie ein, die jene Gruppen bezeichnet, die sich zwar auf die Wanderung gemacht hatten, sie jedoch nicht abschlossen (Sindar ist die Quenya-Bezeichnung für Die Grauen bei den zurückgekehrten Noldor). Tolkien arbeitete die Sprachen der Elben mit großer Liebe zum Detail aus; tatsächlich hat er Mittelerde und die Elben eigentlich zu dem Zweck geschaffen, für seine Sprachen einen Hintergrund zu liefern. Quenya ist die Sprache der Hochelben und Sindarin, wie der Name sagt, die der Sindar. Die Tolkienschen Elben basieren teilweise auf Elementen, die der nordischen Mythologie entstammen (siehe oben), teilweise aber auch auf christlichen, philosophischen und theologischen Gedankenspielen (etwa: Was wäre aus den Menschen geworden, wenn Adam nicht gesündigt hätte). Die moderne Märchen-Vorstellung von Elfen als winzigen, blumenbewohnenden Wesen, die so erst in der Neuzeit aufgekommen ist, lehnte Tolkien als unangebrachte Verniedlichung ab. Daher bat er auch die deutsche Übersetzerin seines „Herrn der Ringe“, im Deutschen die Gelegenheit zu nutzen und „ „Elves“, ein Wort, das er selbst nicht so gern mochte, nicht mit „Elfen“, sondern mit „Alben“, „Alpe“ oder „Elben“ zu übersetzen. Elfen in neueren Fantasywelten In der modernen Fantasy-Literatur, insbesondere in Rollenspielen, erscheinen häufig Wesen (meistens als 'Elfen' bezeichnet), die den Tolkienschen Elben mehr oder weniger nachempfunden sind. Dabei zählen sie grundsätzlich eher zu den „guten“ und friedfertigen Völkern, anders als z. B. die Dunkelelfen oder auch Alben genannt, die die Ideale der Elfen in das Gegenteil verkehren. Je nach Interpretation des Themas haben sich diese „Dunkelelfen“ vom „wahren Weg“ der Elfen abgewandt, oder sind bereits als Angehörige einer „bösen“ Elfenrasse geboren worden. Ebenso die neutralen mondpreisenden Nachtelfen, welche sich aus weltlichen Konflikten fernhalten. Die Darstellungsweise von Elfen in den verschiedenen Fantasy-Welten reicht von anarchistisch angehauchten „zurückgezogen lebenden Barbaren mit gutem Aussehen“ über kriegerische, indianerähnliche Stämme und Hochkulturen bis zu feenähnlichen Darstellungen. Auch die beschriebene Körpergröße der Elfen schwankt von „deutlich größer als Menschen“ bis zu „feenhaft klein“. Eine Darstellung von Elfen, die deutlich dichter an die früher gängige, eher negative Elfendarstellung der Folklore angelehnt ist als an Tolkien, findet sich in Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman „Lords und Ladies“. Sie sind katzenhaft gemein, verspielt und grausam, jedoch empfindlich auf Eisen und „Eisenliebe“, die dauermagnetisches Material darstellt. Gemeinsam ist vielen modernen Fantasywelten, dass die Elfen spitze Ohren besitzen, oft zierlich sind, musikbegabt, in vielen Fällen Magie wirken können und auf Menschen sehr attraktiv wirken. Eine Verbindung zwischen Mensch und Elf bezeichnet man üblicherweise als Halbelf. Weitere gebräuchliche Unterscheidungen in verschiedenen Fantasy-Welten sind z. B. Hochelf und Waldelf. Beliebtes Motiv sind Kriege verschiedener Völker gegeneinander, etwa der Elfen gegen Zwerge oder ähnliche. Eine eher eigenständige Ausprägung stellen die Hauselfen in den Harry Potter-Romanen von J.K.Rowling dar. Sie sind eine Variante der englischen Brownies, die den deutschen Heinzelmännchen oder Wichteln entsprechen. Abweichend von diesen Figuren ordnen sich die Hauselfen bei Rowling jedoch nahezu sklavisch menschlichen Zauberern unter, die in der Regel auch ihre Besitzer sind. Die dienstbare Unterwerfung entspringt der natürlichen Mentalität von Rowlings Hauselfen.