Alte Foto-Ansichtskarte „Gruß aus Schnierlach. Oberdorf.“
Die Karte zeigt eine Schwarz-Weiß-Ansicht einer ruhigen Dorfstraße in Schnierlach, dem heutigen Lapoutroie im Elsass. Zu sehen sind eine unbefestigte Straße, Häuser aus Stein und Holz, eine Scheune mit senkrechter Bretterverschalung, eine efeubewachsene Stützmauer mit Laubbaum und ein Berg im Hintergrund. Der Bildtitel ist in Fraktur gedruckt. Darunter steht ein handschriftlicher Gruß in Kurrentschrift: „Gruss von d. Sohn / Josef.“ Die Rückseite ist von Hand als „Feld-Postkarte“ ergänzt und trägt den Verlagsvermerk „Verlag: B. Netter, Colmar i. E.“. Adressiert ist sie an Joseph Schneider, Botengasse 10, Bad Tölz, Oberbayern, mit der Angabe „b Landwehr Regt. N. 12, 1 Comp“. Dazu kommen ein violetter Kastenstempel und ein Teilstempel. Die Mitteilung in Kurrentschrift stammt von „Elias Alt“ an seinen „lieben Nachbarn“.
Diese Foto-Ansichtskarte führt in ein stilles Dorf in den Vogesen. Die Straße zieht sich vom Vordergrund in einem leichten Bogen ins Dorf hinein. Rechts steht ein zweigeschossiges Steinhaus mit hellen Fensterläden, daneben eine hölzerne Scheune. Links reihen sich schlichte Nebengebäude aneinander. Über den Dächern erhebt sich ein Bergkegel vor hellem Himmel. Die Fluchtlinie der Straße lenkt den Blick ganz natürlich auf diesen Berg.
Die Karte verbindet das Elsass, Oberbayern und Unterfranken auf einem Blatt. Der Druck stammt aus Colmar im Elsass, die Anschrift führt nach Bad Tölz, und die Mitteilung erwähnt eine Fahrt mit Dampfschiffen nach Schweinfurt. Die Angabe eines Landwehr-Regiments und der Vermerk „Feld-“ machen sie zu einem Zeugnis der Feldpost, vermutlich aus dem Ersten Weltkrieg.
Zwei Handschriften sind auf der Karte erhalten: der kurze Gruß „vom Sohn Josef“ auf der Bildseite und die Zeilen von Elias Alt auf der Rückseite. Damit erzählt die Karte gleich zwei kleine Familien- und Nachbarschaftsgeschichten.
Das Besondere auf einen Blick
- Seltene Ortsansicht: „Gruß aus Schnierlach. Oberdorf.“, heute Lapoutroie im Elsass
- Ländliche Dorfstraße mit Stein- und Holzhäusern, Scheune und Bergkulisse
- Bildtitel in Frakturschrift
- Handschriftlicher Gruß auf der Bildseite: „Gruss von d. Sohn / Josef.“
- Von Hand ergänzt zur „Feld-Postkarte“
- Mehrsprachiger Vordruck: „Postkarte – Carte postale / Correspondenzkarte – Briefkaart – Post card“
- Verlag B. Netter, Colmar i. E., also aus der Zeit des Reichslands Elsaß-Lothringen
- Anschrift in Bad Tölz, Oberbayern, mit Angabe „b Landwehr Regt. N. 12, 1 Comp“
- Violetter Kastenstempel mit „Wehrstr.“ und „Colmar“
- Mitteilung in Kurrentschrift von „Elias Alt“ an seinen Nachbarn
- Erwähnung einer Dampfschifffahrt nach Schweinfurt
- Spannende Verbindung von Elsass, Oberbayern und Franken
Wichtiger Hinweis: Mehrere Angaben sind nicht sicher gelesen oder gedeutet:
- Die Karte ist nicht datiert. Der Verlagsort „Colmar i. E.“ spricht für eine Entstehung vor 1918. Die Angaben „Feld-“ und „Landwehr Regt.“ sprechen für die Zeit des Ersten Weltkriegs 1914–1918 (nicht gesichert).
- Der Berg im Hintergrund wirkt alpin, gehört aber vermutlich zu den Vogesen. Welcher Gipfel gezeigt ist, ist nicht bestimmt.
- Mit „Oberdorf“ ist vermutlich der obere Ortsteil von Schnierlach gemeint (nicht gesichert). Die genaue Straße und das Haus mit dem dunklen Schild sind nicht bestimmt. Die Aufschrift des Schildes ist nicht lesbar.
- Das „b“ vor „Landwehr Regt.“ steht vermutlich für „bayerisches“. Gemeint wäre dann das Königlich Bayerische Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 12 (nicht gesichert).
- Die Anordnung der Anschrift ist nicht eindeutig. Ob die Angabe „b Landwehr Regt. N. 12, 1 Comp“ zum Empfänger gehört oder einen Absender bezeichnet, ist nicht geklärt. Ebenso offen ist, ob Botengasse 10 in Bad Tölz die Heimatanschrift eines Soldaten ist.
- Das Wort „Wehrstr.“ im violetten Kastenstempel ist nicht sicher gelesen. Denkbar ist eine Abkürzung für „Wehrmann“, den Dienstgrad eines einfachen Landwehrsoldaten (nicht gesichert). Weitere Buchstaben im Stempel, etwa „P. M.“, sind nicht gedeutet. Ob es sich um einen Truppen-, Dienst- oder Prüfstempel handelt, ist nicht bekannt.
- Der Teilstempel oben rechts ist nur bruchstückhaft lesbar (etwa „…elora…“). Ort und Datum sind nicht bestimmt.
- Die Mitteilung ist nur teilweise sicher gelesen. Mehrere Stellen sind unklar oder unvollständig, besonders die Angaben zu Reisetag, Uhrzeit und Dampfschifffahrt. Der Monat zum genannten „11.“ fehlt.
- Ob „Josef“ auf der Bildseite und „Joseph Schneider“ auf der Rückseite dieselbe Person sind, ist nicht bekannt. Auch die Beziehung zu Elias Alt ist nicht geklärt.
- Weitere Zeilen am linken Rand der Rückseite sind nicht vollständig gelesen.
- Ob es sich um eine echte Fotografie oder einen Druck nach Foto handelt, ist nicht geprüft.
- Briefmarke ist keine vorhanden. Das passt zur portofreien Feldpost (nicht im Einzelfall geprüft).
Bitte prüfen Sie die Angaben anhand der Fotos.
Motiv (Vorderseite)
- Schwarz-Weiß-Fotoansicht, Querformat
- Gedruckter Bildtitel oben links in Fraktur: „Gruß aus Schnierlach. Oberdorf.“
- Handschrift in hellbrauner Tinte, Kurrentschrift:
- „Gruss von d. Sohn“
- „Josef.“
- Die Straße:
- unbefestigte Fahrbahn mit Fahrspuren
- schmaler Gehweg mit Steineinfassung links
- leichte Kurve nach links in die Tiefe
- Linke Straßenseite:
- Reihe schmaler, aneinandergebauter Nebengebäude
- schlichte Satteldächer, fensterlose Mauern
- Rechte Straßenseite:
- zweigeschossiges, verputztes Steinhaus mit dunklem Satteldach
- rechteckige Fenster mit hellen Holzläden
- Rundbogentür im Erdgeschoss
- dunkles Schild über den Fenstern (nicht lesbar)
- angebaute Scheune bzw. Stall mit senkrechter Bretterverschalung
- Vordergrund rechts:
- rustikale Stützmauer aus Stein mit Efeu und Wildkraut
- hoher Laubbaum über dem Dach
- Hintergrund:
- weitere Häuser, darunter ein zweigeschossiges Wohnhaus mit Walmdach und Kamin
- markanter, kegelförmiger Berg vor hellem Himmel
- Bildwirkung: ruhig, ländlich und klar gegliedert, ein typisches Dorfbild aus den Vogesen
Verlag & Ausgabe
- Verlagsvermerk senkrecht am linken Rand: „Verlag: B. Netter, Colmar i. E.“
- Kopf in vier Sprachen:
- „Postkarte – Carte postale“
- „Correspondenzkarte – Briefkaart – Post card“
- Oben links von Hand ergänzt: „Feld-“, also „Feld-Postkarte“
- Geteilte Rückseite mit senkrechter Trennlinie und gepunkteten Anschriftlinien
- Die Abkürzung „i. E.“ steht für „im Elsass“
- Kartentyp: Orts-, Dorf-, Gruß- und Feldpostkarte
- Entstehungszeit: vor 1918, Verwendung vermutlich 1914–1918 (nicht gesichert)
Rückseite & Postgeschichte
- Beschrieben, mit Anschrift, Stempeln und Mitteilung
- Keine Briefmarke, wohl als Feldpost befördert (siehe Hinweis oben)
- Anschrift (schwungvolle Schreibschrift):
- „Wehrstr.“ (im Stempelfeld, Lesung nicht gesichert)
- „Joseph Schneider“
- „Botengasse N. 10.“
- „Bad-Tölz“
- „Oberbayern“
- „b Landwehr Regt. N. 12“
- „1 Comp“
- Stempel:
- violetter Kastenstempel über dem Namen, mit „Wehrstr.“, „P. M.“ und „Colmar“ (teilweise lesbar)
- Teilstempel oben rechts, weitgehend abgeschnitten
- Mitteilung in deutscher Kurrentschrift, dunkle Tinte, teils am linken Rand fortgesetzt:
- Anrede: „Lieber Nachbar,“
- Inhalt nach Lesung sinngemäß: Beide hoffen, sich am 11., dem festgelegten Reisetag, in Schweinfurt zu treffen, wo die Fahrt auf Dampfschiffen endet. Dazu folgen eine Zeitangabe und weitere, schwer lesbare Zeilen.
- Unterschrift: „dein Nachbar Elias Alt“
- Schluss: „Gruss von meiner Frau und aller Bekannten.“
- Bemerkenswert:
- Die Anrede „Lieber Nachbar“ deutet auf eine Verbindung aus der Heimat hin, vermutlich aus Bad Tölz (nicht gesichert).
- Die Kombination aus elsässischer Bildseite, bayerischer Anschrift und fränkischem Reiseziel zeigt, wie weit Soldaten und Angehörige im Krieg verstreut waren.
Zustand
- Beschrieben, mit Anschrift, Stempeln und Mitteilung
- Karton in hellem Beige bzw. Creme mit altersgemäßer Tönung
- Sichtbare Wasser- bzw. Feuchtigkeitsflecken
- Stockflecken und kleine Verwischungen
- Handschrift auf beiden Seiten erhalten, teils schwer lesbar
- Stempel nur teilweise lesbar
- Bildseite mit klar erkennbarer Straße, Häusern, Scheune, Mauer, Baum und Berg
- Bitte beachten Sie die Fotos als Teil der Zustandsbeschreibung.
Lieferumfang: eine Original-Ansichtskarte wie abgebildet.
Historischer Hintergrund
- Schnierlach – Lapoutroie: Der Ort liegt im Weisstal in den Vogesen, westlich von Kaysersberg und rund 20 Kilometer von Colmar entfernt. „Schnierlach“ ist der deutsche Name von Lapoutroie. Er war besonders in der Zeit von 1871 bis 1918 amtlich in Gebrauch.
- Das „Welschland“ im Elsass: Schnierlach gehört zum sogenannten Pays Welche, einer Gegend im Oberelsass, in der traditionell ein romanischer, französischer Dialekt gesprochen wurde. Damit unterschied sie sich vom überwiegend alemannischsprachigen Elsass.
- Das Reichsland Elsaß-Lothringen: Nach dem Deutsch-Französischen Krieg kam das Elsass 1871 an das Deutsche Reich. Es bildete das Reichsland Elsaß-Lothringen. Ortsangaben wie „Colmar i. E.“ und deutsche Ortsnamen auf Ansichtskarten stammen aus dieser Zeit. Nach 1918 fiel das Gebiet wieder an Frankreich.
- Die Vogesenfront im Ersten Weltkrieg: Ab 1914 verlief die Front durch die Vogesen, teils nur wenige Kilometer westlich von Schnierlach. Rund um den Col du Bonhomme und den Lingekopf kam es 1915 zu schweren, verlustreichen Kämpfen. Viele Dörfer im Hinterland dienten als Quartier- und Versorgungsorte (Bezug zu dieser Karte nicht gesichert).
- Die Landwehr: Die Landwehr bildete die zweite Aufgebotsstufe des deutschen Heeres. Sie bestand aus gedienten Männern im Alter von etwa 27 bis 39 Jahren, oft Familienväter. Im Ersten Weltkrieg wurden Landwehr-Regimenter vielfach an ruhigeren Frontabschnitten eingesetzt, etwa in den Vogesen.
- Das bayerische Heer: Bayern behielt im Kaiserreich eine eigene Armee mit eigenen Regimentern. Bayerische Landwehr-Infanterie-Regimenter standen im Ersten Weltkrieg zu großen Teilen im Oberelsass und in den Vogesen. Ob dies auch für das hier genannte Regiment Nr. 12 gilt, ist nicht geprüft.
- Die Feldpost: Im Ersten Weltkrieg beförderte die Feldpost täglich Millionen von Sendungen zwischen Front und Heimat. Karten von und an Soldaten waren portofrei. Deshalb tragen viele Feldpostkarten keine Briefmarke, aber Stempel von Einheit, Feldpostamt oder Prüfstelle.
- Bad Tölz: Die Stadt an der Isar wurde durch ihre Jodquellen zum Kurort. Seit 1899 trägt sie den Namenszusatz „Bad“. Die bunten Fassaden der Marktstraße prägen bis heute das Stadtbild.
- Schweinfurt: Die Stadt am Main entwickelte sich um 1900 zu einem wichtigen Industriestandort, bekannt besonders für die Herstellung von Kugellagern. Auf dem Main verkehrten damals auch Dampfschiffe (Bezug zur genannten Fahrt nicht gesichert).
Sammlertipp
- Ortsansichten aus Schnierlach/Lapoutroie sind gefragt bei Sammlern von Elsass, Haut-Rhin und Vogesen.
- Karten mit deutschen Ortsnamen aus der Reichslandzeit sind ein reizvolles Spezialgebiet für Sammler von Elsaß-Lothringen 1871–1918.
- Der Verlag B. Netter, Colmar eignet sich zum Aufbau einer elsässischen Verlagssammlung.
- Die Angabe „Landwehr Regt. N. 12“ macht die Karte für Sammler von bayerischer Militärgeschichte und Feldpost des Ersten Weltkriegs interessant.
- Der violette Kastenstempel mit Bezug zu Colmar ist ein spannendes Detail für Postgeschichtssammler.
- Die Anschrift in Bad Tölz spricht Heimatsammler aus Oberbayern und dem Isarwinkel an.
- Namen wie Joseph Schneider und Elias Alt bieten Ansatzpunkte für Familienforschung.
Perfekt für Sammler mit Schwerpunkt Elsass, Vogesen und Reichsland Elsaß-Lothringen, Freunde der bayerischen Militärgeschichte, Sammler von Feldpost des Ersten Weltkriegs, Heimatsammler aus Bad Tölz, Oberbayern und Schweinfurt, Familienforscher sowie alle, die persönliche Zeugnisse aus Dorf und Krieg schätzen.
Sichern Sie sich diese seltene Feldpostkarte mit Dorfansicht aus Schnierlach im Elsass, adressiert nach Bad Tölz, für Ihre Sammlung. Bei Fragen zu Zustand, Stempeln oder Lesung der Handschrift melden Sie sich gerne vor dem Kauf.