Maurizio Pollini, einer der Altmeister des gleichermaßen
intelligent-durchdachten wie eleganten Klavierspiels präsentiert zwei
Klavierkonzert-Schlager Wolfgang Amadeus Mozarts, dabei selbst die
Wiener Philharmoniker dirigierend: Ein vielversprechendes Unternehmen,
das im Mai 2005 im großen Saal des Wiener Musikvereins verwirklicht
wurde. Die nun vorliegende Dokumentation auf CD enttäuscht den
mittlerweile Mozart-geübten, vielleicht auch schon Mozart-gesättigten
Hörer des Jubiläumsjahres 2006 wahrlich nicht. In der Tradition eines
Geza Anda präsentiert Pollini einen klanglich wie gestalterisch
beglückenden Edel-Mozart quicklebendig und doch auch immer wieder
beschaulich, eloquent, galant, geprägt von jener heiter-aufgeräumten
Ernsthaftigkeit, die doch die besondere Note des Mozartschen Idioms zu
sein scheint. Freilich darf man von Pollini keinen historisierenden,
keinen revolutionären, scharf kontrastierten oder sonst wie zugespitzten
Mozart erwarten und dennoch versteht er es, durch akzentuiertes
Spiel, besonders eindrücklich etwa im berühmten langsamen Satz des Konzertes C-Dur KV 467,
den Hörer immer wieder einmal ein wenig zu verstören, wenn das pure
Wohlbefinden die Oberhand gewinnt; dass auch solche scheinbar
ungetrübten, einfach nur schönen Sätze ihr inneres Konfliktpotential
haben, lässt Pollini niemals ganz vergessen. In den Ecksätzen begeistert
er durch brillantes Spiel: Mit souveräner Selbstverständlichkeit
sprechend" gestaltete Themen, klar strukturierte polyphone Verläufe und
gestochen scharfes Passagenwerk bestimmen hier das Bild. Insgesamt ein
zweifellos konservativer, aber auch ein überaus engagierter Mozart,
gefällig im besten Sinne. Michael Wersin
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