Angeboten wird eine Zeichnung von Sabine Ebel
TITEL: ohne Titel [figürliche Komposition]
TECHNIK: Tuschpinsel auf Velinpapier
JAHR: unten links in Blei datiert „[19]64“
SIGNATUR: unten links in Blei monogrammiert „E“
GRÖßE: 31,7 x 24 cm
ZUSTAND: leichte Druckstellen im Blatt; Ecke unten rechts mit Knickspur; in den beiden oberen Ecken sehr kleine Einstichlöchlein; oberer Rand leicht uneben zugeschnitten; verso leicht fleckig
---Das Schaffen der Malerin, Zeichnerin,
Grafikerin und Schriftkünstlerin Sabine Ebel blieb lange Zeit unentdeckt und
wurde erst kürzlich einer genaueren Betrachtung unterzogen.
Sabine Ebel war die Tochter des
Oldenburger Buchhändlers und Antiquars Rudolf Ebel (1907-1994) und dessen
Ehefrau Annelies Ebel (1910-1975). Sie besuchte die Oldenburger Cäcilienschule
und schloss diese mit dem Abitur ab (1966). Hierauf ging sie an die
Kunsthochschule Kassel (bei Ernst Röttger), bevor sie in den 1970er Jahren
kurzzeitig in Hamburg lebte. Im Späteren ist sie wieder im Elternhaus in der
Hochhauser Straße 5 ansässig.
Es gibt bislang keinen Hinweis darauf, dass Sabine Ebel mit ihrem Schaffen
jemals an die Öffentlichkeit trat bzw. an Ausstellungen teilnahm, so dass hier
tatsächlich von einer Wiederentdeckung, oder besser: von einer Neuentdeckung,
gesprochen werden kann.
Neben kalligrafischen Arbeiten,
in denen Ebel u. a. Gedichte von Walter Helmut Fritz und Agnes Miegel
eigenwillig umsetzte, entstanden vor allem Werke, die die Verbindung zwischen
Bild und Buch bzw. Zeichnung und Schrift suchen. Gut vorstellbar, dass dieses
gewählte Thema biographisch betrachtet auch mit der Arbeit des Vaters als
Buchhändler und Antiquar zusammenhängt.
Ebel bewegt sich damit in einer Tradition des 20. Jahrhunderts, die geprägt
wurde von Paul Klees „Schriftbildern“, Cy Twomblys „scribbles“ oder auch
Arbeiten Anselm Kiefers. Mit ihrer schriftkünstlerischen Ausbildung gelingt es
Ebel dabei einen eigenen Weg zu finden, bei dem oftmals das Schriftbild
erhalten bleibt, ohne damit aber irgendeine sinnvolle Lesbarkeit zu vermitteln,
so dass organische Abstraktionen zu entstehen scheinen. Für Ebel dürfte in
diesen Werken das gelten was Else Lasker-Schüler bereits 1910 sagte: „Die Schrift
ist ein Bild für sich und hat nichts mit dem Inhalt zu tun.“ [1]
Neben diesen Werken entstanden noch figürliche Arbeiten, Abstraktionen, die
stärker ins Informelle gehen, sowie Collagen und auch Assemblagen.
Diese hier vorliegende Zeichnung ist eine der eher wenigen figürlichen
Kompositionen der Künstlerin.
In diesem frühen Werk der damals nicht einmal 20jährigen Sabine Ebel blickt der
Betrachter auf zwei weibliche Figuren. Die linke Frau steht leicht schräg, ist
ihrer Partnerin zugeneigt und berührt diese auch an der Schulter. Ganz auf den
Betrachter gerichtet ist dagegen die rechte Person. Beide Frauen sind durch
leere Gesichter anonymisiert.---
______________________________
[1] Elske
Lasker-Schüler: Handschrift, in: "Der Sturm", Jg. 1, Nr. 39 (Nov.
1910), S. 309-310 [hier: 310].
Sabine Ebel
(03.05.1945 Oldenburg – 12.06.2015 ebd.):
Malerin,
Zeichnerin, (Gebrauchs-)Grafikerin, Schriftkünstlerin.
Tochter des
Buchhändlers und Antiquar Rudolf Ebel (1907-1994) und dessen Ehefrau Annelies
Ebel (1910-1975).
Besuch der
Cäcilienschule. 1966 Abschluss mit dem Abitur.
Studium an der Kunsthochschule
Kassel (bei Ernst Röttger (1889-1967).
In den 1970er
Jahren kurzzeitig in Hamburg ansässig (Geibelstraße 42).
Später wieder in
Oldenburg im Elternhaus ansässig (Hochhauser Str. 5).
Neben kalligrafischen Arbeiten, in denen Ebel u. a. Gedichte von Walter Helmut Fritz und Agnes Miegel eigenwillig umsetzte, entstanden vor allem Werke, die die Verbindung zwischen Bild und Buch bzw. Zeichnung und Schrift suchen. Ebel bewegt sich damit in einer Tradition des 20. Jahrhunderts, die geprägt wurde von Paul Klees „Schriftbildern“, Cy Twomblys „scribbles“ oder auch Arbeiten Anselm Kiefers. Mit ihrer schriftkünstlerischen Ausbildung gelingt es Ebel dabei einen eigenen Weg zu finden, bei dem oftmals das Schriftbild erhalten bleibt, ohne damit aber irgendeine sinnvolle Lesbarkeit zu vermitteln, so dass organische Abstraktionen zu entstehen scheinen.
Neben diesen Werken entstanden noch expressiv gegenständliche Arbeiten (Figuren, Blumen), Abstraktionen, die stärker ins Informelle gehen, sowie Collagen und auch Assemblagen.
Sammlungen: Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Leipzig; Klingspor-Museum, Offenbach am Main; Stadtmuseum Oldenburg
Quelle: Jürgen Derschewsky: Biografien Oldenburger Künstler (Online - derschy.de)





















