Angeboten wird eine Zeichnung von Friedrich G. Einhoff
TITEL: ohne Titel [Bildnis einer Frau]
TECHNIK: Kohle auf Papier
ENTSTEHUNGSJAHR: undatiert [um 1925]
GRÖSSE: 28,4 x 22,2 cm
SIGNATUR: unsigniert, verso unten rechts Stempel "Nachlass F.G. Einhoff
1901-1988 Frühwerk"
ERHALTUNGSZUSTAND: linker Blattrand oben mit leichtem Papierverlust; insgesamt
leicht fleckig und leicht nachgedunkelt; leichte Druckstellen im Blatt; Ecken
schwach bestoßen; am unteren Rand etwas farbfleckig (rot); verso leichte
Lagerspuren; verso unterhalb des Stempels klein in Blei nummeriert "172",
sowie darunter nochmals in Blei nummeriert
---„Seine [d.h. Friedrich G. Einhoffs] frühen
Selbstbildnisse und Figurenstudien zeigen die Intensität seiner fortgesetzten
Bemühungen um eine Konkordanz von Form und Farbe bei Übersetzung des
Sichtbaren, und zwar immer unter einem ebenso hohen zeichnerischen wie
malerischen Anspruch.“[1]
Die vorliegende Zeichnung ist in diese Phase des Ringens mit
sich selbst und seiner Kunst einzuordnen. Die angestrebte Vereinfachung, welche
nichts anderes war als ein Versuch einzig das Wesentliche eines Motivs künstlerisch
festzuhalten, ging zwangsläufig mit einem gewissen Grad an Abstraktion einher.
Und ebenso zeigt auch dieses studienhafte Frauenbildnis einen etwas erhöhten
Abstraktionsgrad. – Partien des Gesichts, wie beispielsweise die Nase, aber
auch die Haare, sind mitunter konkreter, fester ausgeführt, während gerade die
Augen erstaunlich zart gezeichnet sind und dadurch in gewisser Weise leer
erscheinen.---
Zu Friedrich G. Einhoff (11.07.1901 Baven bei Hermannsburg (Kreis Celle) – 15.08.1988 Soltau):
Maler, Zeichner; 1905 Versetzung des Vaters
(Konrektor an einer Schule) nach Gelsenkirchen-Heßler; die
Industrielandschaften des Ruhrgebiets werden für Einhoff ein zentrales
Motiv; 1920 Abitur; 1920-21 Praktikant als Schmied und Grubenarbeiter
auf der Zeche Wilhelmine-Viktoria 1/4; 1921-22 Besuch der
Kunstgewerbeschule Gelsenkirchen, daneben handwerkliche Ausbildung als
Maler und Grafiker; 1922-23 Bühnenbildner am Stadttheater Gelsenkirchen,
daneben praktische Tätigkeit im Malerhandwerk; 1923-25 Studium für das
Berufsschullehramt in Berlin (1925 Staatsexamen), daneben als Maler
tätig; 1925-27 Lehrer an der Schule für Grafik und gestaltende Gewerbe
(Frankfurt a.M.), daneben Studium der Kunstgeschichte, Pädagogik und
Psychologie an der Universität Frankfurt; Mitglied der Frankfurter
Künstlergesellschaft; 1927-29 Lehrer an der Gewerbeschule Rostock; 1928
Kontakt zum Kunsthändler Karl Nierendorf (Berlin); 1928 Beteiligung an
der Ausstellung „Kunst und Technik“ (Folkwang-Museum, Essen); 1929
Rückkehr nach Frankfurt a.M.; Ehrenpreis des Kunstvereins Frankfurt;
1930-34 Beteiligung an den Ausstellungen der Berliner Sezession und an
Ausstellungen in der Preußischen Akademie der Künste (Berlin); 1934
Heirat mit Maria Dowie; 1935 Berufung nach Magdeburg an die
Kunstgewerbe- und Handwerkerschule; ab 1938 entsteht eine Reihe großer
Magdeburg-Ansichten; 1940 Kulturpreis der Stadt Magdeburg; 1944
eingezogen zum Kriegsdienst und eingesetzt bei der Marine; Einhoff
erleidet schwere Verwundung und verbringt lange Zeit im Lazarett in
Ogenbargen (Ostfriesland); englische Kriegsgefangenschaft; 1946 Rückkehr
nach Deutschland und Ankunft in Soltau; ab 1947 tätig als Maler und
Grafiker in Soltau; 1949 Lehrer an der Berufsfachschule in Biedenkopf,
sowie 1949-52 Lehrer an der niedersächsischen
Landesversehrtenberufsfachschule (Bad Pyrmont); zahlreiche
Ausstellungen; 1952-63 Lehrer in Soltau; 1962 wird das Frühwerk Einhoffs
aus einem Keller in Magdeburg in das Kulturhistorische Museum Magdeburg
gebracht und beschlagnahmt; diese frühen Arbeiten werden 1990 wieder
herausgegeben und 1991 in der Ausstellung „Friedrich Einhoff 1901-1988.
Bilder aus dem Magdeburger Nachlaß 1922-1934“ im Museum Soltau gezeigt
--- LITERATUR: JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008):
Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 481 -- ZIMMERMANN, Rainer (1994):
Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer;
München; S. 365 -- Museum Soltau (1991): Friedrich Einhoff 1901-1988.
Bilder aus dem Magdeburger Nachlaß 1922-1934; Benedict Press;
Münsterschwarzach -- Stadt Gelsenkirchen, Kommunale Galerie (Hrsg.):
Verschollen und wiederentdeckt. Friedrich G. Einhoff (1902-1988).
Industrielandschaften 1920-1935; Kunstverlag Oltmanns; Unkel