Zittauer Geschichtsblätter 55
Das vorliegende Heft der Zittauer Geschichtsblätter ist wieder einmal
eines der „bunten“ Hefte. Eine Besonderheit ist diesmal die enge
Zusammenarbeit mit dem Ernst-Rietschel-Kulturring e.V. und seiner 1.
Vorsitzenden Sabine Schubert. Im Rahmen dieser Kooperation entstand der
Beitrag der Journalistin, Kunstwissenschaftlerin und Philosophin Ingrid
Koch über den aus Seifhennersdorf gebürtigen Maler Herbert Vogt aus
Anlass seines 100. Geburtstages 2018. Der stark in der Oberlausitz
verwurzelte Herbert Vogt verbrachte den größten Teil seines Lebens am
Bodensee. Sein Werk führt die Autorin in all seinen Facetten vor.
Eindrucksvolle Porträts und bezaubernde Frauenbilder des in Zittau
geborenen und in der Zeit des Jugendstils in Dresden tätigen Bildhauers
Walter Sintenis, des Onkels der berühmten Berliner Bildhauerin Renée
Sintenis, sind zu bewundern. Autor dieses Beitrages über einen der
teilweise vergessenen „guten Meister zweiten Ranges“ ist Steffen
Gärtner.
Rudolf Bönisch führt in die Gemälde am Barockaltar der Zittauer
Klosterkirche und ihre grafischen Vorlagen ein. Der Autor hat in
umfangreichen Forschungen die Vorlagen vieler Altarbilder in Brandenburg
und Sachsen erhellen können.
Ein spannender Aufsatz von Helmut Hegewald widmet sich den Chronogrammen
in Zittau, in kunstvoller Weise geschriebenen und in historischen
Inschriften verborgenen Jahreszahlen. Die Inschriften aus mehr als
zweihundert Jahren werden nicht nur vorgestellt und analysiert, auch
nicht mit diesem Thema Vertrauten erklärt der Autor in
logisch-anschaulicher Weise, wie sie zu entschlüsseln sind. Und er gibt
dem Leser die Möglichkeit, sich daran auch selbst zu versuchen.
In vieler Munde ist gegenwärtig die Lausche, der höchste Berg des
Zittauer Gebirges, auf deren Gipfel sich seit wenigen Tagen ein
Aussichtsturm erhebt. Bergfreunde und Wanderer können nun selbst
entscheiden, ob der Turm eine Bereicherung darstellt, welche Blicke er
eröffnet, manch einer war auch skeptisch, ob das Bauwerk eine
harmonische Symbiose mit dem gefälligen Berggipfel eingehen wird. Jetzt
kann es jedermann sehen, auch in diesem Heft anhand eines Fotos von
Philipp Herfort aus Zittau. Im Mittelpunkt des Aufsatzes von Bernd
Mälzer zur Lausche in diesem Heft steht ein Rundprospekt des Warnsdorfer
Malers Johann Gruß aus dem Jahre 1828, aus einer Zeit, als die
touristische Erschließung des Berges einschließlich der gastronomischen
zwar schon begonnen hatte, aber doch noch in den Kinderschuhen steckte.
Der Gewerkschaftler Emil Müller war im beginnenden 20. Jahrhundert einer
der Protagonisten der Arbeitskämpfe im Zittauer Baugewerbe. Verknüpft
mit dem nicht sehr langen Lebensweg des Vaters des Landschaftsmalers
Willy Müller-Lückendorf, wird in Ausschnitten die Arbeitswelt in Zittau
und Umgebung zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts lebensnah vom Enkel
Knut Müller geschildert. Und nebenbei erfahren wir, wie sich der in den
Arbeitskämpfen sehr engagierte Emil Müller in seiner Freizeit
entspannte: als Hobbyfotograf. Einige qualitätvolle Ergebnisse seines
Steckenpferdes, Fotos von Zittau und seiner Umgebung, bis ins Böhmische
hinein, sind hier zu sehen.
Und einmal mehr tritt der Oberlausitzer Maler und Grafiker Oswald
Jarisch bei uns auf: Steffen Gärtner und Knut Müller stellen wenige
Seiten eines Erinnerungsalbums aus der Zeit in der sowjetischen
Kriegsgefangenschaft in Lettland vor, das unlängst in Schweden
„entdeckt“ wurde. Es beinhaltet weitere, bisher nicht bekannte
Kostproben von Jarischs Porträtkunst.
Abgerundet wird diese Ausgabe der Zittauer Geschichtsblätter mit Blicken
auf die Museums- und Vereinsarbeit durch den Direktor der Städtischen
Museen Zittau, Dr. Peter Knüvener: Eine Rückschau auf die Arbeit in den
Städtischen Museen der Jahre 2016 bis 2019 macht deutlich, wie
vielfältig und abwechslungsreich sich diese mit ihren Ausstellungen,
Projekten und Symposien, mit der Öffentlichkeitsarbeit, mit ihrer
Sammlungstätigkeit und der Bewahrung und Pflege der Zittauer Sammlungen
gestaltete.
Der Direktor der Städtischen Museen i.R. Dr. Volker Dudeck schaut in
einem Nachruf zurück auf das Leben unseres langjährigen,
verdienstvollen und sehr beliebten Vereinsmitglieds Rudolf Anděl aus dem
tschechischen Liberec, der uns vor allem mit seinen Vorträgen zur
böhmisch-oberlausitzischen Geschichte, gespickt mit wunderbarem
tschechischen Humor, immer wieder viel Freude bereitet hat.
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