Niemeyer-Holstein, Otto (1896 Kiel - 1984 Lüttenort)
"Philemon und Baucis"
Holzschnitt, unten rechts signiert, 1957, WVZ-Nr. 17
(Schmidt), unten links Prägestempel des Druckers Ernst Lau, Maße: 37,0x49,0 cm
(Darstellung) auf 46x62 cm (Blatt), Schrägschnittpassepartout (Außenmaß: 60x80
cm)
Zu Philemon und Baucis: Der Göttervater Zeus und sein Sohn
Hermes reisen als arme Wanderer verkleidet zur Erde, um die Gastfreundschaft
der Menschen zu prüfen. Alle reichen Dorfbewohner weisen die Fremden ab; nur
das sehr arme Ehepaar Philemon und Baucis nimmt sie in ihrer bescheidenen Hütte
auf und bewirtet sie großzügig. - Als sich der Weinkrug von allein immer wieder
nachfüllt, erkennen die alten Ehegatten, dass es sich um Götter handelt. - Die
übrige, ungastliche Siedlung wird durch eine Flut vernichtet, während die Hütte
von Philemon und Baucis in einen prächtigen Tempel verwandelt wird. - Als Lohn
dürfen sie als Priester im Tempel dienen. Auf ihren eigenen Wunsch hin sterben
sie schließlich im selben Augenblick und werden in zwei ineinander
verschlungene Bäume (eine Eiche und eine Linde) verwandelt. – Bedeutung: Das
Motiv steht bis heute als klassisches Symbol für wahre Liebe, treue
Verbundenheit und Gastfreundschaft.
Die insgesamt vierzehn in den Jahren 1956/57
entstandenen Holzschnitte weisen Niemeyer-Holstein als bedeutenden Grafiker
seiner Zeit aus. Sie gelten als "großer Wurf" und zeugen von der
künstlerischen Kraft des nunmehr Sechzigjährigen. - 1918 lernt
Niemeyer-Holstein in Ascona Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin
kennen, die ihm wichtige Anreger werden. Er nimmt ab 1919 Malunterricht bei
Arthur Segal in Ascona, später auch in Berlin.1924 gehört er zu den
Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe „Der Große Bär“ in Ascona. 1930 lernt
er Otto Manigk und Herbert Wegehaupt kennen. 1932 erwirbt er ein Grundstück
zwischen Koserow und Zempin: Lüttenort, das ab 1938 ständiger Aufenthaltsort
wird. Nach 1945 verstärkt Niemeyer-Holstein seine künstlerische Betätigung, was
sich auch an zahlreichen Teilnahmen an Ausstellungen und seinem Engagement beim
Aufbau des Künstlerverbandes zeigt. 1961 erhält er die Möglichkeit zur
Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie. Weitere Stationen sind im Jahr
1963 die Wahl zum Präsidenten der internationalen Ostsee-Biennale, 1964 die
Zuerkennung des Professorentitels, 1969 die Mitgliedschaft in der Akademie der
Künste sowie 1974 der Nationalpreis für Kunst.