Zweihenkliger Deckeltopf aus Fayence mit umlaufender Blaumalerei. Das Gefäß besitzt einen niedrigen, nahezu zylindrischen Korpus ohne abgesetzten Fuß, zwei kräftige bogenförmige Henkel und einen nur flach gewölbten Deckel mit pilzförmigem Knauf. Trotz der massiven Henkel wirkt die Form ausgewogen und erstaunlich elegant.
Der beige-graubraune, leicht sandig wirkende Scherben ist für ein Gefäß dieser Größe bemerkenswert dünn gedreht. Die Wandung misst stellenweise nur etwa 3 bis 3,5 mm. Im Inneren sind die feinen Drehrillen der Herstellung deutlich fühlbar. Auch der Boden ist vergleichsweise dünn ausgeführt und nur leicht eingezogen.
Einen besonderen handwerklichen Akzent bilden die großen Henkel. Sie wurden sehr sorgfältig mit der dünnen Gefäßwand verbunden. An ihren unteren Ansätzen ist der Ton nicht mit einem sichtbaren Fingerdruck verstrichen, sondern offenbar mit einem flachen Werkzeug sauber abgestochen beziehungsweise geglättet worden. An einer Stelle lässt sich auf der Innenseite noch eine leichte Delle ertasten, die beim Andrücken des Henkels entstanden sein dürfte. Solche Herstellungsspuren machen die Entstehung des Gefäßes unmittelbar nachvollziehbar.
Der Deckel besitzt einen ausgeprägten inneren Passring, der genau in die Öffnung des Korpus eingreift. Dadurch wird der nur flach gewölbte Deckel sicher geführt und kann nicht seitlich verrutschen. Diese Konstruktion ist kein Hinweis auf ein besonderes Kühlgefäß, sondern auf eine sorgfältig entwickelte und gut schließende Gefäßform. Die außerordentlich genaue Passung sowie die Übereinstimmung von Scherben, Glasur, Dekor und Alterung sprechen dafür, dass Deckel und Korpus ursprünglich zusammengehören.
Die gräulich-cremefarbene Zinnglasur ist mit einem dunklen, stellenweise beinahe schiefer- oder indigofarbenen Kobaltblau bemalt. Der Dekor ist vollständig aus horizontalen Ornamentbändern aufgebaut: dicht gereihte spiralige C-Formen, breite wellen- oder rankenartige Felder, abwechselnd längs und quer schraffierte Rechtecke sowie konzentrisch wiederholte Bänder auf dem Deckel.
Die Malerei wirkt seriell und bewusst rhythmisiert, zugleich aber nicht überall vollkommen sicher. Viele der kleinen Spiralen scheinen aus zwei einzelnen Pinselzügen zusammengesetzt zu sein; auch die Striche auf den Henkeln sind eher kräftig und unmittelbar als besonders fein oder kalligrafisch ausgeführt. In den breiteren blauen Flächen erscheinen dagegen sehr feine helle Binnenlinien. Hier wurde die noch ungebrannte blaue Farbe offenbar mit einer feinen Spitze oder einem schmalen Werkzeug wieder ausgezogen beziehungsweise oberflächlich entfernt, sodass die Zinnglasur als helle Linie stehen blieb.
Auf der helleren Bodenglasur befinden sich vereinzelte sehr kleine, weitgehend gleichmäßig große nadelstichartige Bläschen aus dem Brand. Solche Details gehören zur ursprünglichen Herstellung und sind keine späteren Beschädigungen.
Das Gefäß ist ungemarkt. Ich halte eine Entstehung in Berlin oder Zerbst im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts für plausibel. Eine eindeutige Zuordnung zu einer einzelnen Manufaktur ist ohne Marke oder ein in allen Einzelheiten übereinstimmendes gesichertes Vergleichsstück nicht möglich.
Für den Berliner Formenkreis spricht vor allem die sehr charakteristische Konstruktion: der niedrige fußlose Korpus, die beiden im Verhältnis zur dünnen Wandung ungewöhnlich kräftigen Rundhenkel, der flache Deckel, der pilzförmige Knauf und der weit nach innen greifende Passring. Die Form wirkt nicht zufällig oder allgemein barock, sondern als geschlossen entwickelter Gefäßtyp. Auch die feine Dreharbeit und die technisch anspruchsvolle Verbindung der massiven Henkel mit der dünnen Gefäßwand sprechen für eine leistungsfähige Manufaktur.
Innerhalb Berlins kämen insbesondere die im frühen 18. Jahrhundert tätigen Manufakturen Wolbeer und Funcke als Vergleichsrichtung in Betracht. Die streng bandförmig gegliederte Blaumalerei mit den dicht gereihten Spiralmotiven steht dabei eher solchen Arbeiten nahe, die mit dem Umfeld Funckes verbunden werden. Eine unmittelbare Zuschreibung an Funcke wäre bei einem ungemarkten Gefäß jedoch zu weitgehend.
Zerbst bleibt eine ebenso ernsthafte Möglichkeit. Dort wurden Berliner Formen und Dekore im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts aufgegriffen und teilweise sehr genau übernommen. Für Zerbst könnten insbesondere die leicht gräuliche Zinnglasur, das dunkle, beinahe schieferfarbene Kobaltblau und die etwas mechanisch wiederholte Ornamentmalerei sprechen. Gerade die Spiralen und Henkelstriche besitzen nicht ganz die Sicherheit und Eleganz, die man bei einer besonders qualitätvollen Berliner Malerhand erwarten könnte.
Bemerkenswert ist dabei die Spannung zwischen der hervorragenden handwerklichen Ausführung des Gefäßes und der etwas weniger souveränen Bemalung. Korpus, Deckel und Henkel sind technisch anspruchsvoll, dünnwandig und sehr genau gearbeitet. Die Dekoration wirkt dagegen routinierter und stellenweise beinahe schematisch. Diese unterschiedliche Qualität muss kein Widerspruch sein: Dreher, Former und Fayencemaler waren verschiedene Arbeitskräfte, und ein vorzüglich gearbeitetes Gefäß konnte durchaus von einer weniger sicheren oder stärker auf serielle Produktion ausgerichteten Hand bemalt werden.
Frankfurt oder Hanau wären wegen der grauweißen Glasur grundsätzlich als Vergleichsorte zu berücksichtigen. Die spezifische Form mit fußlosem zylindrischem Korpus, sehr flachem Passdeckel und den beiden mächtigen Rundhenkeln überzeugt mich jedoch stärker als Berliner beziehungsweise von Berlin beeinflusster Gefäßtyp. Delft halte ich sowohl nach Scherben, Form als auch Malweise für weniger wahrscheinlich.
Meine gegenwärtige Arbeitszuschreibung lautet daher: zweihenkliger Fayence-Deckeltopf, Berlin oder Zerbst, erstes Drittel des 18. Jahrhunderts; die Form steht dem Berliner Kreis besonders nahe, während Glasurfarbe, Kobaltblauton und Malweise auch für eine Zerbster Ausführung nach Berliner Vorbild sprechen können.
Gesamthöhe mit Deckel: 13,5 cm
Höhe des Korpus: 9,7 cm
Maximale Breite über die Henkel: 24 cm
Durchmesser der Standfläche: 14,9 cm
Durchmesser der Öffnung: 10,4 cm
Durchmesser des Deckels: 14,8 cm
Durchmesser des inneren Deckelrings: 9,5 cm
Höhe des Deckels: 5,5 cm
Der Korpus ist insgesamt stabil und ohne erkennbare größere Brüche oder Restaurierungen erhalten. Altersbedingt deutlicher Glasurberieb sowie zahlreiche kleinere Bestoßungen und Glasurverluste, besonders an Mündung, Kanten und Henkeln.
Der Deckel ist schwer beschädigt. Ein großer Randbereich wurde mehrfach gebrochen und vor längerer Zeit mit inzwischen stark gebräuntem Klebstoff wieder zusammengesetzt. Die alte Klebung ist deutlich gealtert und wirkt stellenweise gelockert. Weitere Risse, Randbestoßungen und kleinere Fehlstellen. Die wesentlichen Fragmente des beschädigten Bereichs sind vorhanden.
Die alte Reparatur könnte von einer fachgerechten Abnahme und erneuten Restaurierung profitieren. Das Objekt wird im vorhandenen Zustand angeboten. Zustand, Altreparatur und sämtliche Gebrauchsspuren sind auf den Fotos ausführlich dokumentiert.
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Ich verkaufe dieses Objekt als historischen bzw. gebrauchten Artikel. Es wurde nach meiner Kenntnis vor dem 13.12.2024 in Verkehr gebracht. Alle erkennbaren Gebrauchsspuren und objektrelevanten Merkmale sind in Beschreibung und Fotos dokumentiert.
Standort: Bayreuth, WZ, B11 Porz. 18.Jh. B11
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