Kliefert, Erich (1893 Berlin – 1994 Stralsund)

„Dorfidyll – Neuendorf auf der Insel Hiddensee (I)“

Graphit, unten rechts signiert, um 1960, Maße: 14,8x21 cm, im Schrägschnitt-Passepartout montiert (Museumskarton), verso auf Passepartout Nachlaß-Stempel, oben rechts winziger Papierverlust (nicht sichtbar), mit Echtheitszertifikat

Erich Kliefert gehört zu den wichtigsten Künstlern der Insel Hiddensee. Im Buch „Hiddensee – Die besondere Insel für Künstler“ von Ruth Negendanck (Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2005) ist der Künstlerfamilie Kliefert ein ganzes Kapitel gewidmet. Regelmäßige Aufenthalte führten Erich Kliefert seit Anfang der 1920er Jahre nach Hiddensee, wo er in Neuendorf ein altes Fischerhaus besaß.

Vorliegende Arbeit wurde im Rahmen der Sonderausstellung „Ab in den Süden!“ im Heimatmuseum Hiddensee gezeigt (2020/2021).

 In den Jahren 2008 und 2009 übernahm der Koserower Kunstsalon einen großen Teil des künstlerischen Nachlasses Erich Klieferts. Damit einher ging die Verpflichtung, die Erinnerung an den Künstler Erich Kliefert wachzuhalten und sein Werk einer breiten Öffentlichkeit im Rahmen von Ausstellungen zu präsentieren. Bei den Personalausstellungen „Erich Kliefert – Ein Malerleben“ (2009) und „Erich Kliefert – Miniaturen“ (2013) konnten Besucher Bekanntes wiederentdecken aber auch neue Facetten kennenlernen. Für die Retrospektive „Da, guck mal da!“ (2018) im „Stralsund Museum“ konnten wir wichtige Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen zur Verfügung stellen.

Erich Kliefert wurde im Juni 1893 in Berlin geboren. Von 1909 bis 1910 absolvierte er eine Lehre in einer Berliner Glasmalereiwerkstatt. Von 1910 bis 1914 studierte er am Königlichen Kunstgewerbemuseum Berlin bei Max Kutschmann, Max Geri und Emil Orlik. Im Ersten Weltkrieg diente er von 1914 bis 1918 als Soldat in Polen und Frankreich. Nach Kriegsende besuchte Kliefert von 1919 bis 1921 die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und der Staatlichen Kunstschule Berlins. Ab 1921 war Erich Kliefert als Kunsterzieher, Grafiker und Maler in Stralsund tätig. 1928 unternahm er mit Herbert Tucholski eine Studienreise nach Italien, 1935 malte er in der Haupthalle des Stralsunder Bahnhofs großformatige Ansichten seiner Wahlheimatstadt Stralsund sowie der Insel Rügen. Dieses Werk ist heute noch erhalten. - Erich Kliefert kam im Oktober 1921 nach Stralsund – in die Stadt, die fortan für 72 Jahre seine Heimat sein sollte. Die von der Backsteingotik geprägte Stadt am Sund, die mit ihrem Hafen auch das Tor zu den nahegelegenen Inseln Rügen und Hiddensee war, begeisterte ihn so sehr, dass er zu ihrem zeichnenden und malenden Chronisten wurde. Der Faszination für die Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst verlieh der Künstler in immer neuen Bildern Gestalt. Aber auch der herben Schönheit der norddeutschen Landschaft mit ihrer endlosen Weite, dem Meer und dem mächtigen Himmel mit seinem besonderen Licht war Erich Kliefert hoffnungslos verfallen.