Sie bieten auf einen schönen Adelsbrief von 1894.
Die Datierung "Sommerau Sonntag" zwar ohne Tages, Monats- und Jahresangabe; im Brief geht es jedoch um Aktienoptionen der Gotthardbahn, auf die bis 3. November d.J. (diesen Jahres) und 31. März 1895 reagiert werden muss. -- Er muss also im Jahr 1894 geschrieben worden sein. Um welchen der zahlreichen Orte namens Sommerau es sich handelt, ist unklar.
Geschrieben von Anna von Ow, geb. von Collas (* 20. August 1837 in Birnbaum, Posen, gest. 26. Oktober 1906 in Kreuth, Oberbayern), Witwe von Hans Karl Freiherr von Ow (1814-1882).
Gerichtet an ihren Schwiegersohn Theodor, d.i. Theodor von Graevenitz (1842-1930), württembergischer General der Infanterie, Witwer ihrer Stieftochter Marie Baroness von Ow (* 14. Januar 1856 in Wachendorf; † 14. November 1887 in Locarno). Wenig später, am 28. Januar 1895, heirate er in München ihre leibliche Tochter Anna von Ow, geb. von Collas (* 20. August 1837 in Birnbaum, Posen, gest. 26. Oktober 1906 in Kreuth, Oberbayern).
Der Empfänger ist nur mit Vornamen genannt; der Brief stammt jedoch aus einer Sammlung von Schreiben an diesen.
Umfang: 4 Seiten (17,8 x 10,8 cm); ohne Umschlag.
Auf schönem kräftigem Papier.
Auszüge: "Lieber Theodor! Beiliegend wieder etwas Geschäftliches. Ich bekomme soeben von der Hypothekenband die Nachricht, daß die 4 % Anleihe der Gotthardbahn von{?} 84 zur Rückzahlung gekündigt oder zur Convertirung in 3 ½ & angeboten werden. Was nun machen? Das Erste hat bis 31. März 95 Zeit, das Letztere nur bis 3. November d.J. Bei der Theilung erhielten die Kinder 5 % Gotthardbahn Obliget, die aber 84 schon in 4 % umgewandelt wurden. [...] Ich will sehr froh sein, wenn meine l. Tochter gesund zurück kommt [...], damit du sie frisch u. munter findest. Es war das Beste, daß sie jezt mit Volkart gegangen, da das Wetter so gut ist. [...] Von meiner Schwester lauten die Nachrichten sehr traurig. Auch da heißt es, das Herz fest machen, u. es will doch nicht. - Die Schwäche soll groß sein u. kein Appetit u. davon hängt alles ab. [...] Wie schön, daß ich dich so kenne u. lieb habe u. weiß, wie mein neuer Sohn so treu alles mit mir trägt. Gott segne Dich! Deine Mutter."
Anmerkung: Damals war es üblich, dass die Schwiegermutter "Mutter" genannt wurde. Die Mutter von Theodor von Graevenitz war bereits 1875 verstorben.
Zustand: Brief gefaltet, Papier leicht gebräunt. Bitte beachten Sie auch die Bilder!
Interner Vermerk: Graevenitz, Ordner lila
Über den Empfänger Theodor von Graevenitz (Quelle: verschiedene genealogische Websites) sowie die Gotthardbahn (Quelle: wikipedia):
Theodor von Graevenitz wurde am 6. Februar 1842 in Ulm als Sohn des württembergischen Oberstleutnants Gustav von Graevenitz (1794-1873) und der Karoline, geb. von Martin (1808-1875) geboren und starb am 17. August 1930.
Am 27. September 1877 heiratete er in Wachendorf Marie Baroness von Ow (* 14. Januar 1856 in Wachendorf; † 14. November 1887 in Locarno), Tochter von Hans Karl Freiherr von Ow (1814-1882) und der Bertha Freiin Gleichauf von Gleichenstein (1818-1861). Oskar von Graevenitz (* 10. Dezember 1878 in Tübingen; gest. 1965) war ein Sohn aus dieser Ehe.
In zweiter Ehe heiratete er am 28. Januar 1895 in München die Halbschwester seiner verstorbenen Ehefrau, und zwar Hermine Baroness von Ow (* 15. Juni 1867; gest. 1939 in Stuttgart), Tochter von Anna von Ow, geb. von Collas (* 20. August 1837 in Birnbaum, Posen, gest. 26. Oktober 1906 in Kreuth, Oberbayern). Aus dieser Ehe entsprangen Hertha von Graevenitz (* 10. März 1896 in Stuttgart; gest. 1975), der Diplomat Kurt-Fritz von Graevenitz (* 31. August 1898 in Kreuth; † 20. November 1987 in München), Vater des Diplomaten Hanno von Graevenitz (1937-2007), sowie Dietrich Hans Karl Walter von Graevenitz (* 23. Juli 1907 in Kreuth bei Tegernsee; gefallen am 4. September 1943 in Kertsch / Kuban-Brückenkopf, Krim, als Leutnant im Grenadier-Regiment 282), Regierungsrat und stellvertretender Landrat.
Die Gotthardbahn ist die 1882 von der Gotthardbahn-Gesellschaft fertiggestellte, 206 Kilometer lange Bahnstrecke Immensee–Chiasso. Sie wird seit 1909 von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben und ist Teil der Nord–Süd-Verbindungen Basel–Luzern–Mailand und Zürich–Mailand. Das Kernstück der ursprünglichen Streckenführung bildet die durch Alpentäler führende Gebirgsbahn Erstfeld–Biasca. Sie durchstösst mit dem 15 Kilometer langen Scheiteltunnel, dem Gotthardtunnel, das Gotthardmassiv. Der Nord–Süd-Verkehr benutzt eine Flachbahn mit Steigungen unter 7 Promille, die durch den 2016 eröffneten Gotthard-Basistunnel und den 2020 eröffneten Ceneri-Basistunnel führt. Die Gebirgsbahnen über den Gotthard und den Ceneri bleiben erhalten. Sie dienen als Ausweichrouten, aber auch der regionalen Erschliessung und touristischen Zwecken.