Sie bieten auf einen eigenhändigen, signierten Brief des Dichters, Schriftstellers und Malers Hermann Burte (1879-1960).
Datiert Lörrach (Baden), den 14. August 1933.
Gerichtet an das Bibliographische Institut in Leipzig.
Transkription: "Anbei Ihrem Brief vom 7.8. entsprechend ein Bild von mir nach der neusten Aufnahme. Ich bitte Sie den Abzug nach Verwendung an mich zurück zu senden. In ausgezeichneter Hochachtung Burte."
Das Foto wurde wohl für einen Eintrag über Burte in Meyer's Konservationslexikon verwendet?
Geschrieben
auf Briefpapier mit gedrucktem Briefkopf "Hermann Burte //
Lörrach / Baden // Flachsländer Hof // Fernruf 24/55." -- Mit interessantem Wasserzeichen (Fischotter oder Biber).
Quer über den Brief groß mit Bleistift geschrieben "Kopie", d.i. Burte hat den Brief für seine Unterlagen abgeschrieben (es handelt sich um Burtes Handschrift).
Umfang: 1 S. (29,5 x 20,7 cm).
Ohne Umschlag.
Zustand: Brief seitlich gelocht; längs und quer gefaltet. Papier gebräunt und etwas fleckig, mit leichten Randschäden. Bitte beachten Sie auch die Bilder!
Interner Vermerk: EVRS 2103-02
Über Hermann Burte und das Bibliographische Institut (Quelle: wikipedia):
Hermann Burte (* 15. Februar 1879 in Maulburg als Hermann Strübe; † 21. März 1960 in Lörrach) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Maler. Zu seinen bekanntesten literarischen Werken zählen der 1912 veröffentlichte Roman Wiltfeber, der ewige Deutsche und die 1914 veröffentlichte Tragödie Katte. Burte ist vor allem als alemannischer Mundartdichter bekannt. Burte war spätestens seit 1912 ein Verfechter der völkischen Ideologie und später ein Anhänger nationalsozialistischer Ideen.
Leben: Hermann Strübes Vater Friedrich Strübe (1842–1912) war Kanzleigehilfe, die Mutter Elisabeth, geborene Kuhny, (1847–1917) führte zeitweise einen kleinen Laden. Ihr Sohn Hermann besuchte die Volksschule in Maulburg und die höhere Bürgerschule in Schopfheim. 1896 zog die Familie nach Lörrach, 1897 legte Strübe sein Abitur an der Oberrealschule in Freiburg im Breisgau ab. Danach besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, wo er mehrere Preise errang. Anschließend studierte er wie auch später sein jüngerer Bruder Adolf Strübe an der Karlsruher Kunstakademie bei Ludwig Schmid-Reutte (1863–1909). Von 1900 bis 1904 unterrichtete Strübe stundenweise an der Kunstgewerbeschule. Für seine Leistungen erhielt er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in England.
Durch den engen Kontakt mit der englischen Literatur, besonders mit William Shakespeare, John Milton und William Wordsworth, wurde Strübe immer mehr zur Dichtung hingezogen, ohne jedoch die Malerei ganz aufzugeben. Bei einem anschließenden Aufenthalt in Paris nahm er 1905 an einem deutschen Preisausschreiben für einen „Volksroman“ mit dem Fragment „Der blonde Teufel“ teil und gewann einen Trostpreis. Strübe entschied sich daraufhin, Schriftsteller zu werden und wählte den Namen seines ersten Protagonisten als Pseudonym.
Jeremias Gotthelf, Friedrich Nietzsche und Carl Spitteler waren die literarischen Vorbilder von Hermann Burte. Der ideologische Einfluss Nietzsches und der „völkischen Bewegung“ ist – wie die allgemeine Grundstimmung in der deutsch-völkischen Kulturszene der ausgehenden wilhelminischen Epoche – schon im Roman Wiltfeber der ewige Deutsche. Die Geschichte eines Heimatsuchers (1912) unverkennbar. Darin schrieb Burte unter anderem: „Du bist ein Mann aus deutschem Blute, aber deutsch heißt völkisch, und arisch heißt herrisch...“.[1] Dieses Buch war ein durchschlagender Erfolg und wurde nach Ernst Klee zum „Kultbuch der völkischen Jugendbewegung“.[2] 1941 bemerkte der Dichter zu seinem Wiltfeber in Lebende Dichter um den Oberrhein S. 356: „Diese erste Ahnung von dem Hakenkreuze als dem Heilszeichen der Macht ist heute strahlende Wahrheit geworden in Deutschland und vor der Welt.“ 1913 wurde Wiltfeber rückwirkend mit dem Kleist-Preis für 1912 ausgezeichnet.
Die Zentralstelle für Auslandsdienst, eine Propagandabehörde des Deutschen Kaiserreichs, gegründet kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs, führte Hermann Strübe im Jahre 1916 als Mitarbeiter im Aufklärungsdienst.
Burte wurde so schnell zum Verfechter völkischer Ideologie und schließlich auch Unterstützer des Nationalsozialismus, von dem er sich nach 1933 immer mehr vereinnahmen ließ. Das Hakenkreuz erscheint als "germanisches" Heilssymbol bereits 1912, lange vor Hitler und ohne Bezug zu einer politischen Partei, im Wiltfeber.[5] 1925 ließ er sich einen Schreibtisch mit Hakenkreuzmotiven nach eigenem Entwurf anfertigen.[6][7] 1931 schrieb er noch als Deutschnationaler unter dem Titel Der Führer Weiheverse auf einen politischen Führer, den er später selbst als Adolf Hitler verstanden wissen wollte und die er später in Bühners Anthologie Dem Führer erneut abdrucken ließ.
Von 1924 bis 1932 trug Burte als Mitherausgeber und maßgeblicher Mitarbeiter der in Lörrach vierzehntäglich erscheinenden deutschnational-völkischen Zeitschrift Der Markgräfler zur Schwächung der Weimarer Republik und ihrer Institutionen bei. So lautete z. B. die Devise vom 15. Januar 1925: „Der Markgräfler bekämpft rücksichtslos und ohne Menschenfurcht den demokrätzigen Parlamentarismus (…).“
Burte hatte als kirchlich geprägter Deutschnationaler zunächst eine ambivalente Haltung zum Nationalsozialismus und äußerte Vorbehalte. So schrieb der Kirchgänger Strübe-Burte sarkastisch am 12. Juni 1933 an seinen Parteifreund Herman Nohl: „Unter den jüdischen Büchern, die man am kommenden Sonntag in Karlsruhe fast amtlich verbrennt, fehlt – die Bibel!“[8] (Brief ausgestellt in der Sonderausstellung „Hermann Burte und der Nationalsozialismus“ im Museum am Burghof, Lörrach)
Burte war Mitglied der DNVP von 1919 bis zur Selbstauflösung der Partei im Juni 1933.[9] Im Januar 1936, gerade rechtzeitig vor der Verleihung des ersten Johann-Peter-Hebel-Preises an ihn am 10. Mai, beantragte Burte die Aufnahme in die NSDAP, – (Eintritt: 1. April 1936, Mitglieds-Nr.: 3734637). In seinem Werk Sieben Reden (1943) würdigte Burte Schiller, Grabbe und Hebel sowie den Dichter Adolf Bartels, einen bekennenden Antisemiten. Aber auch Hitler wurde von Burte mit Hymnen bedacht.[10] Der „Führer“ bedankte sich zum 65. Geburtstag mit 15.000 Reichsmark.
Selbst vor Spitzelberichten an den Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) schreckte Burte nicht zurück.[13] In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Adolf Hitler im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schriftsteller auf.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und neunmonatiger Internierung im Lörracher Gefängnis musste er sein Wohnrecht im „Flachsländer Hof“ aufgeben und kam bei Freunden in Efringen-Kirchen unter, wo er bis 1958 ansässig blieb. Im Zuge der Entnazifizierung wurde Hermann Strübe 1949 von der Freiburger Spruchkammer für politische Säuberung als „Minderbelasteter“ eingestuft. Ihm wurde eine zweijährige Bewährungsfrist auferlegt, außerdem wurden ihm politische Aktivitäten verboten. In dieser Zeit war er zunächst vorwiegend als Übersetzer französischer Gedichte tätig. Anschließend war er Ehrenmitglied beim rechtsextremistischen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes.[3][14] Sein letzter Gedichtband, Stirn unter Sternen, enthielt erneut einige Gedichte, deren Deutung kontrovers diskutiert wurde, etwa Deutscher Wille, das revisionistisch interpretiert werden kann.[15] Während seiner letzten Lebensjahre lebte er in seinem Geburtsort Maulburg. Mit 81 Jahren starb Burte in Lörrach an einem Leberleiden; seine Beisetzung erfolgte in Maulburg.
Wirken: Als Maler wie als Dichter hatte Burte dasselbe Ziel vor Augen: Gestaltung der Landschaft und des Menschen, seine Prägung durch die Heimat, aus der er wächst. Seinen Gedichten in alemannischer Mundart stehen die Gemälde gegenüber, zu denen ihn in erster Linie die Landschaft des Markgräflerlandes inspirierte, mit denen er aber auch die Veränderung und Zerstörung dieser Landschaft durch die industrielle Entwicklung dokumentierte.
Bleibend sind Burtes alemannische Gedichte, mit denen er einen Ruf als wirkungsstärkster Lyriker alemannischer Sprache nach Johann Peter Hebel erlangte, während seine Bekenntnisschrift Wiltfeber mit ihrer „völkisch-rassische[n] Argumentation mit magisch-religiösen Implikationen“[16] ebenso wie seine Bühnenstücke nahezu vergessen sind. Beachtung finden auch seine Gemälde, wobei Burte selbst sein dichterisches Werk stets höher einschätzte als seine Malerei.
Beim Auftrag, ein Opern-Libretto aus Eichendorffs Novelle Das Schloß Dürande zu erstellen, war er "offensichtlich überfordert, die ambivalenten Figuren der Erzählung zu ebensolchen Opernfiguren zu entwickeln."
In der sowjetischen Besatzungszone wurde ab 1946 eine Liste der auszusondernden Literatur samt Ergänzungen bis 1953 herausgegeben, um die „Anordnungen der Militärregierung“ umzusetzen, „nach denen alle Schriften der Benutzung zu entziehen sind, die faschistischen oder militaristischen Inhalt haben, politische Expansionsgedanken enthalten, die nationalsozialistische Rassenlehre vertreten oder sich gegen die Alliierten wenden.“[18] Burte war auf diesen Listen sechsfach vertreten: Volk und Kunst im Markgräflerland von 1934; die Auswahl Volk und Kunst sowie Vom Hofe, welcher unterging von 1935; Sieben Reden von 1943; Hermann Burte gegen John Masefield von 1944. Als auszusondern galt auch die Schrift Zum 60. Geburtstag des Dichters, die vom Oberbadischen Volksblatt 1939 herausgegeben worden war.
Die Verwendung des Schulnamens „Hermann-Burte-Schule“ untersagte 1979 das Oberschulamt Freiburg im Benehmen mit dem Regierungspräsidium Freiburg als oberer Rechtsaufsichtsbehörde der heutigen „Grund-, Haupt- und Realschule Efringen-Kirchen“. In einer Presseerklärung zu dieser Entscheidung wurde festgestellt, dass „im Werk Hermann Burtes starke nationalistische, brutal sozialdarwinistische und nicht zuletzt auch antisemitische Passagen, also wesentlich der nationalsozialistischen Ideologie verhaftete Elemente, enthalten sind. […] Denn nicht etwa beiläufige und einmalige, sondern symptomatische und durchlaufende Teile im Werk Hermann Burtes stehen im diametralen Gegensatz zum Erziehungsauftrag der Schule, wie er im Grundgesetz, in der Landesverfassung und im Schulgesetz niedergelegt ist.“[20] Der Entscheidung waren öffentliche Diskussionen vorausgegangen,[21] in Efringen-Kirchen wurde stattdessen die Turnhalle, welche sich in unmittelbarer Nähe der Schule befindet, nach Burte benannt. In Müllheim gab es ab 1989 einen ähnlichen Streit um eine nach Burte benannte Straße. Inzwischen wurde dieser Straßenname durch Gemeinderatsbeschluss der Stadt Müllheim am 29. November 2007 wieder geändert. Weiterhin sind jedoch in Burtes Geburtsort Maulburg sowie in Efringen-Kirchen Straßen nach ihm benannt.
Auszeichnungen und Ehrungen
1912: Kleist-Preis zusammen mit Reinhard Johannes Sorge
1924: Ehrendoktortitel der Philosophie an der Universität Freiburg, zusammen mit Emil Strauß
1927: Schillerpreis (gemeinsam mit Fritz von Unruh und Franz Werfel)
1929: Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Maulburg
1936: Johann-Peter-Hebel-Preis
1937: Lyrikpreis der Zeitschrift Dame
1938: Großdeutscher Mundartenpreis Goldener Spatz von Wuppertal
1939: Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft[3][22]
1939: Ehrenbürgerschaft der Stadt Lörrach
1942: Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
1944: Oberrheinischer Dichterring durch den Scheffelbund (Scheffelring)
1944: Hans-Thoma-Medaille (als Maler)
1953: Ehrenring der deutschen Lyrik
1957: Jean-Paul-Medaille
1957: Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Efringen-Kirchen
Hermann Burtes Auszeichnungen sind bis heute kontrovers diskutiert. Der liberale Politiker und damalige Bundespräsident Theodor Heuss lehnte in den 1950er Jahren die ihm angetragene Ehrenbürgerschaft der Stadt Lörrach mit der Begründung ab, dass er nicht in einer Reihe mit einem Mann gestellt werden möchte, der „grobschlächtigen Antisemitismus und einen bramarbasierenden Nationalismus“ vertrete.
Zitate
Zitate von Burte
Unter der Schlagzeile „Das kommende Reich“ beschwor Hermann Burte 1924 das „Dritte Reich“ herauf:
„Das Deutsche Reich des achtzehnten Januar 1871 ist in Weltkrieg und Umsturz untergegangen; an seine Stelle trat das Deutsche Reich des neunten November 1918. Dessen Verfassung, die Weimarer, ist heute tatsächlich unwirksam. Die These des achtzehnten Januar ringt mit ihrer Antithese vom neunten November; aus diesem Kampfe entsteht die Synthese des kommenden Reiches! Wenn der Nationalismus sozial und der Sozialismus national geworden sind, wächst das dritte Reich in seine Kraft und bleibt.“
– Hermann Burte: Das kommende Reich. In: Der Markgräfler. 4. April 1924.
Burte der „Kriegserklärer in Permanenz“ (Adolf von Grolman in: Wesen und Wort am Oberrhein. S. 207) stellte in seinem Gedicht „Deutscher Wille“ resümierend fest:
„... Wir denken nicht an Krieg und Brand und Mord;/ Wir halten uns nicht ferner für erlesen./ An seinem Orte wirkt ein jeder fort,/ Geduldig, treu, als wäre nichts gewesen!...“
– Hermann Burte: Stirn unter Sternen, S. 85; Burda, Offenburg, 1957.
Stimmen über Burte
Der Schriftleiter Erich Wirsig schrieb über „Burte in der geistigen Kriegsfront“:
„Es gibt nur wenige Dichter im Reich, die derart repräsentativ und aktiv im Kriegseinsatz der geistigen Front unseres Volkes stehen, wie Hermann Burte. Daß gerade er in der Gegenwart mit einer beispiellosen Hingabe in der vordersten Reihe derjenigen Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens zu finden ist, die den geistigen Kampf führen, ist kein Zufall, sondern entspricht dem Gesetz der Bewährung, Berufung und Leistung, und der Erkenntnis, daß nur Geist und Schwert unserem Volke den Sieg über die Mächte der Kulturlosigkeit verbürgen. (...)“
– Erich Wirsig: Burte in der geistigen Kriegsfront. In: Oberbadisches Volksblatt. 24. Dezember 1942.
In seinem erweiterten Bestiarium der Literatur charakterisierte Franz Blei 1924 Burte so:
„DER BURTE. Das ist ein Schwarzwaldhirsch und leidenschaftlicher Alleingänger. Er trägt sein vielendiges, an manchen Stellen etwas verhakenkreuztes Geweih mit großem Stolze. Seine Kraft imponiert ihm außerordentlich. Seine Stimme ist so stark, daß sie siebenmal ihr eigenes Echo machen kann.“
– Franz Blei: Das grosse Bestiarium der Literatur. Rowohlt, Berlin 1924.
Kurt Tucholsky bemerkte bereits 1929 über Burte:
„Wenn Baby die Tintenflasche ausgetrunken hat, geben Sie ihm einen Bogen von Hermann Burtes Löschpapier zu essen. Dieses Mittel wird von den Kleinchen erfahrungsgemäß gern genommen, und auch durchnäßte Erwachsene profitieren häufig davon. Gepflegte Kinder in gutbürgerlichen Haushalten sollten von Zeit zu Zeit diese Kur machen – der kleine Steppke, den Sie hier im Bilde sehen, weiß seit seiner Geburt nicht, was Feuchtigkeit ist. Kein Volk ohne Löschpapier! Hermann Burte & Hans Grimm, Löschpapier en gros.“
– Kurt Tucholsky: Das Lächeln der Mona Lisa. Rowohlt, 1929.
Am 10. November 1935 notierte Thomas Mann in sein Tagebuch:
„Ärger über alemannisches Blutgeschwätz des Schriftstellers Burte, der Verständnis für Deutschlands 'Wiedergeburt' verlangt. Es ist zu dumm. Wo ist etwas in und an Deutschland, was ein Dichter als 'Wiedergeburt' empfinden und bezeichnen dürfte?“
– Thomas Mann: Tagebücher 1935–1936. Fischer, 1977.
Zur Problematik von öffentlichen Ehrungen nahm der Kultusminister von Baden-Württemberg (1958–1964) Gerhard Storz in einem Leserbrief folgendermaßen Stellung:
„Ich muß gestehen, daß ich Burtes Bücher nicht kenne und also nicht beurteilen kann, wie es um seine literarischen Qualitäten bestellt und ob er ohne weiteres und schlechthin als „Nazidichter“ zu betrachten ist. Deshalb bat ich auch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung um ein Gutachten, als man mir vor Monaten eine öffentliche Ehrung von Burte nahelegte. Auf Grund der Äußerung der Akademie habe ich hernach von allen Schritten zugunsten Burtes Abstand genommen, und in gleicher Weise ist dann auch die Landesregierung verfahren.“
– GERHARD STORZ: Der Spiegel vom 10. Juni 1959, S. 10–11.
Im Jahre 1959 lehnte es Theodor Heuss ab, Ehrenbürger von Lörrach zu werden und begründete es so:
„Ich möchte auf keinen Fall mit diesem Mann eines grobschlächtigen Antisemitismus und eines bramarbasierenden Nationalismus in eine Reihe gestellt werden, ihn vielleicht sogar als Ehrenbürgerkollegen bei irgend einem Festchen erleben. Er mag als Dichter so begabt sein, wie viele Menschen offenbar glauben, daß er es ist. Ihn neben dem feinsinnig rationalistischen Johann Peter Hebel als die Heimatfigur herauszuheben, ist für mein historisches Gefühl geradezu eine Groteske. Ich bin es aber mir und meinem Amt, selbst wenn ich es nicht mehr innehabe, schuldig, zu diesem Typus absolut Distanz zu halten. (...)“
– Wolfgang Heidenreich: Neuvermessung des alemannischen Dichters, Redners und Malers Hermann Burte. Sendemanuskript des Südwestfunks, Landesstudio Freiburg vom 19. November 1978 und 10. Februar 1979.
Werke (Auswahl)
Wiltfeber der ewige Deutsche. Die Geschichte eines Heimatsuchers. Leipzig 1912.
Katte. Ein Schauspiel in 5 Aufzügen. Leipzig 1914. Uraufführung am Hoftheater Dresden 6. November 1914.
Madlee. Alemannische Gedichte. Leipzig 1923.
Ursula. Gedichte. Leipzig 1930.
Anker am Rhein. Eine Auswahl neuer Gedichte. Leipzig 1937.
Sieben Reden. Hünenburg, Straßburg 1943.
Das Heil im Geiste. Gedichte. Burda, Offenburg 1953.
Stirn unter Sternen. Gedichte. Burda, Offenburg 1957.
Das Bibliographische Institut ist ein deutscher Verlag mit Sitz in Berlin, der zur Unternehmensgruppe Cornelsen gehört. Bekannt wurde er vor allem durch Lexika wie Meyers Konversations-Lexikon sowie Standardwerke zur deutschen Sprache wie den Duden. Im Zuge der deutschen Teilung firmierten zeitweise zwei Verlage gleichen Namens.
Geschichte: Der Verlag wurde am 1. August 1826 von dem Kaufmann, Übersetzer und Publizisten Joseph Meyer (1796–1856) als Verlagsbuchhandlung (als „ein literärischen Zwecken gewidmetes Institut“) in Gotha gegründet und später nach Hildburghausen verlegt. Ursprünglicher Gründungszweck war wohl die Etablierung einer Allgemeinen Bibliographischen Zeitung (als wöchentliches Verzeichnis zunächst aller in Deutschland, in der Schweiz, in England, Frankreich, den Niederlanden und Italien herauskommenden Bücher, Musikalien, Karten und Kunstsachen), die (parallel zu dem nicht von Meyer herausgegebenen, aber nicht selbst verlegten Correspondenzblatt für Kaufleute. Wöchentlicher Bericht von London, Amsterdam, Hamburg, Paris, Berlin etc. über Waaren-, Staatspapier-, Geld- und Wechsel-Handel.) ab 1. Januar 1827 erscheinen sollte, aber nicht verwirklicht wurde. Tatsächlich begründet wurde das Verlagsunternehmen dann auf der erfolgreichen Verwirklichung des nächsten Plans Meyers, einer „Bibliothek der deutschen Classiker“ in 150 Bänden.[1] Durch die Herausgabe preiswerter Klassikerausgaben ab Mai 1827[2] und durch neue Werbe- und Vertriebsmethoden gewann Meyer neue Käufer- und Leserschichten. Neben dem 52-bändigen Großen Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände. In Verbindung mit Staatsmännern, Gelehrten, Künstlern und Technikern (1839–1856) und Meyers Konversationslexikon erschienen weitere Reihenwerke wie Meyers Universum, Meyers Reisebücher, Meyers Atlanten, Meyers Klassiker-Ausgaben, Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Sievers’ Allgemeine Länderkunde und Brehms Tierleben. Unter der Leitung seines Sohnes Herrmann Julius Meyer zog das von Joseph Meyer geschaffene Unternehmen 1874 nach Reudnitz (ab 1889 ein Stadtteil von Leipzig) um.
Das 1880 von Konrad Duden herausgegebene „Orthographische Wörterbuch“ bildete die Grundlage für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung. 1915 wurde der Verlag in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Aufsichtsratsvorsitzender war bis 1939 Justizrat Curt Hillig.
Bibliographisches Institut in der Deutschen Demokratischen Republik: Nach der Enteignung 1946 wurde der Verlag als VEB Bibliographisches Institut Leipzig fortgeführt, am 1. Juli 1948 offiziell verstaatlicht und in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt, wobei der Produktionsbereich ausgegliedert wurde. Zu den klassischen Geschäftsfeldern des Verlages trat mehr und mehr die Reiseliteratur; in den 50er Jahren entwickelte sich das Bibliographische Institut Leipzig zum bedeutendsten Herausgeber von Reiseführern und Wanderkarten der DDR. Große Popularität erlangten die Publikationsreihen Unser kleines Wanderheft und Die Gute Wanderkarte; außerdem wurden u. a. Straßenkarten, Heimat- und Wanderbücher, Stadtpläne von Leipzig sowie ein Autoatlas von Deutschland herausgegeben.
Im Zuge der Profilierung der DDR-Verlage wurde 1960 die Herstellung der Wanderkarten an den VEB Landkartenverlag Berlin und 1963 der Verlag der übrigen Reiseliteratur an den VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig übergeben. 1964 wurde der Verlag Enzyklopädie organisatorisch an das Bibliographische Institut angegliedert, blieb aber rechtlich selbständig.
Die Lexikonredaktion des VEB Bibliographisches Institut gab die Meyers Lexikon-Reihe weiter heraus, darunter Meyers Konversations-Lexikon, Meyers Kleines Lexikon (3 Bände nebst Ergänzung, 1967 ff.), Meyers Neues Lexikon (18 Bände, 1971 ff.), Meyers Universallexikon (4 Bände, 1978 ff.) und Meyers Handlexikon.
Bibliographisches Institut in der Bundesrepublik Deutschland: 1953 beschlossen die ehemaligen Eigentümer, den Sitz der Aktiengesellschaft in die Bundesrepublik Deutschland nach Mannheim zu verlegen, was einer Neugründung des Unternehmens gleichkam. 1984 fusionierten die beiden westdeutschen Lexikonverlage: „F. A. Brockhaus“ und „Bibliographisches Institut AG“ zum Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus AG.
Fusion und Gegenwart: Nach der Wende erfolgte 1990 die Umwandlung des ostdeutschen Verlags in die Bibliographisches Institut & Verlag Enzyklopädie GmbH, 1991 die Übernahme derselben durch die Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG. Im Jahr 2003 beteiligte sich die Verlagsgruppe am PAETEC Schulbuchverlag, der seit 2009 als Duden Schulbuchverlag firmiert. 2004 wurde der Harenberg Kalender- und Lexikonverlag übernommen. Ende 2008 zog sich das Bibliographische Institut mit den Marken Duden und Meyers aus dem Bereich lexikalischer Nachschlagewerke zurück und trennte sich von F. A. Brockhaus AG. Der Brockhaus-Verlag ging in den Besitz der Wissenmedia GmbH über. Die Brockhaus-Markenrechte wurden verkauft.[3] Im Frühjahr 2009 erwarb die Cornelsen Verlagsgruppe die Mehrheitsanteile am Verlag Bibliographisches Institut von der Langenscheidt KG und der Familie Brockhaus.
Nachdem die letzten Kleinaktionäre abgefunden waren, wurde das Unternehmen 2010 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt. Der verbliebene Teil des Unternehmens wird bis heute als Bibliographisches Institut GmbH fortgeführt. 2011 bündelte der Verlag u. a. die Marken Duden, Meyers, Artemis & Winkler Verlag und Sauerländer.
Das Archivgut des Bibliographischen Instituts (vor 1946), des VEB Bibliographisches Institut (1946–1990) sowie der Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (Standort Leipzig, 1991–2009) befindet sich im Staatsarchiv Leipzig.
Die Kinder- und Jugendbuchsparte wurde Anfang 2013 an den S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main verkauft. Nach der weitgehenden Verlagerung an den Standort Berlin im Frühjahr 2013, welche mit einem Stellenabbau verbunden war, verblieben in Mannheim von ursprünglich 190 Arbeitsplätzen lediglich die 20 Arbeitsplätze des Geschäftsbereichs Sprachtechnologie.[5] Im August 2013 wurde bekannt, dass auch der Bereich Sprachtechnologie geschlossen wird.[6] Das Mannheimer Archiv mit Verlagsprodukten seit 1848 ging am 16. Mai 2013 als Schenkung an die Universitätsbibliothek Mannheim.
Im Frühjahr 2013 zog der Verlag von Mannheim nach Berlin in den Bezirk Treptow-Köpenick, wie im Juli 2012 vom Eigentümer Cornelsen angekündigt.
Am 1. Januar 2016 wurde der Vertrieb der Bibliographisches Institut GmbH mit seinen Marken Duden, Cornelsen Scriptor, Meyers und Artemis & Winkler mit dem Vertrieb der Cornelsen Schulverlage (Cornelsen Früh- und Schulpädagogik, Lextra, Verlag an der Ruhr, Oldenbourg-Brigg Pädagogik) unter dem Dach der Cornelsen Verlag GmbH zusammengelegt.