Die Fossilisation.

von Deecke, Wilhelm

Autor(en)
Deecke, Wilhelm
Verlag / Jahr
Berlin : Gebr. Borntraeger, 1923.
Format / Einband
Gz. VII, 216 S.; 4°
Sprache
Deutsch
Gewicht
ca. 200 g
Bestell-Nr
169868
Bemerkungen
Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Innen sauber und ohne Anstreichungen. Das Buch gilt als eine der ersten systematischen, monographischen Abhandlungen im deutschsprachigen Raum, die sich explizit mit den biologischen, chemischen und geologischen Prozessen befasst, die beim Übergang von einem lebenden Organismus zu einem Fossil ablaufen. Dabei lieferte der Autor wichtige Vorarbeiten für das Forschungsfeld, das heute international als Taphonomie (Fossilisationslehre) bekannt ist. Vor Deecke konzentrierten sich die Paläontologen auf die morphologische Deskription und Katalogisierung. Wilhelm Deecke (1862-1934) trug maßgeblich dazu bei, die Paläontologie von einer rein beschreibenden Hilfswissenschaft zu einer biologischen Wissenschaft (Paläobiologie) weiterzuentwickeln. Er verlagerte den Fokus radikal auf den Prozess des Sterbens, Einbettens und Versteinerns. In diesem Zusammenhang untersuchte er drei Zuständlichkeiten. (1) Die Biostratonomie (Voreinbettungsphase). Seine Frage: was passiert mit dem Kadaver oder der Pflanze direkt nach dem Tod? (Zersetzung, Transport durch Strömungen, Umlagerung, Fraßspuren durch Aasfresser). (2) Fossilisation im engeren Sinne (Diagenese). Die Frage: welche chemischen Prozesse laufen im Sediment ab? Wie wird organisches Material durch Mineralien (wie Calcit, Pyrit, Kieselsäure) ersetzt oder steinkernartig ausgefüllt? (3) Erhaltungszustände. Die Frage: warum bleiben manche Gewebe (wie Knochen und Schalen) perfekt erhalten, während Weichteile nur unter extremen Ausnahmebedingungen (Konservatlagerstätten) fossilieren? Im Sinne dieser Fragen arbeitet Deecke in seinem Buch die grundlegenden Mechanismen der Fossilisation ab: Mineralisation, Inkohlung, Pyritisierung, Karbonatisierung, Silifizierung, Phosphatisierung sowie die Rolle von Druck, Temperatur, Porenwasserchemie und mikrobiellen Prozessen. Deecke ordnet die Erhaltungsformen in ein damals modernes Schema der Diagenese ein und verbindet geologische Beobachtung mit chemischen Transformationsprozessen. Dieser besondere Blick in die Tiefe machte Deenckes Buch zu einem Bibliotheksexemplar der Metallgesellschaft. Sie brauchte es, weil Fossilisation ein geochemischer Schlüsselprozess der Sedimentbildung ist. Für die Bewertung sedimentärer Rohstoffe (Ölschiefer, bituminöse Tone, Kohle, Karbonate, Oolithe) war das Buch fachlich relevant. Pflanzliche Sedimente erzeugen reduzierende Bedingungen und führen zu sulfidischen Erzen (Fe, Cu, Pb, Zn). Tierische Sedimente erzeugen karbonatische, oxidierende Milieus und führen zu Eisenoolithen, Manganerzen, Kupferkarbonaten und Mississippi Valley Type Erzen. Für die MG war diese Unterscheidung zentral für die Bewertung sedimentärer Lagerstätten. Deecke lieferte die geochemische Grundlage dafür.
Schlagworte
669.04 ; Spezielle Themen zur Metallurgie (wbsh-Wirtschaft-Herstellungsprozesse-Wissensstände)
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